Zum Inhalt springen
Job AnzeigerImpulsTrendig MagazinServus
Kitzbüheler Anzeiger
Hahnenkamm Rennleiter Mario Mittermayer-Weinhandl mit Linus Strasser

Ein ganz großer Höhepunkt in Mario Mittermayer-Weinhandls Trainerkarriere: Sein Schützling Linus Strasser (r.) gewann 2024 den Slalom am Ganslern und bekam dafür seine eigene Hahnenkamm-Gondel gewidmet.

Vom Erfolgstrainer zum Rennleiter am Hahnenkamm

Als Kind wollte Mario Mittermayer-Weinhandl selbst Abfahrer werden. Dieser Traum erfüllte sich nicht. Stattdessen schlug der gebürtige Kitzbüheler einen bodenständigen Weg ein: Er lernte Zimmerer und absolvierte parallel sämtliche Skilehrer-Ausbildungen bis hin zum staatlichen Skilehrer.

„Erst da habe ich eigentlich so richtig Skifahren gelernt. Als Kind wollte ich einfach schnell die Pisten hinunterschießen, über die Technik habe ich mir nicht viele Gedanken gemacht“, erzählt er schmunzelnd. Noch intensiver beschäftigte er sich mit Technik und Methodik, als er später als Skilehrer-Ausbildner tätig war – und legte damit den Grundstein für seine spätere Trainerlaufbahn.

Hahnenkamm Rennleiter Mario Mittermayer-Weinhandl

Mittendrin statt weit entfernt: Während der gesamten Vorbereitungsphase ist Mario Mittermayer-Weinhandl (r.) auf der Strecke mit dabei.

1997/98 begann Mittermayer-Weinhandl beim Kitzbüheler Ski Club als Kindertrainer. Unter seinen Schützlingen war damals ein junges Skitalent, das später zu den besten Slalomfahrern der Welt zählen sollte: Linus Strasser. „Zwischen uns hat es schon damals einfach super funktioniert“, erinnert sich Mittermayer-Weinhandl.

Mit Linus Strasser an die Weltcup-Spitze
Es folgten Jahre als Trainer beim Deutschen Skiverband, wo er mit Topathleten wie Felix Neureuther und Maria Höfl-Riesch arbeitete. Als diese Zusammenarbeit endete, meldete sich ein alter Bekannter: Linus Strasser. „Er hat mich angerufen und gefragt, ob ich nicht sein persönlicher Trainer werden möchte.“ Gemeinsam eroberten sie in den folgenden Jahren die Slalompisten der Welt. Der emotionale Höhepunkt dieser Reise: der Heimsieg beim Hahnenkamm-Slalom 2024 – für Mittermayer-Weinhandl der wohl größte Moment seiner Trainerlaufbahn.

„Ich möchte bei den Arbeiten auf der Strecke hautnah dabei sein und nicht einfach nur im Büro sitzen.“
Mario Mittermayer-Weinhandl

2019 übernahm Mittermayer-Weinhandl schließlich die Funktion des Rennleiters der Hahnenkamm-Rennen, nachdem er zuvor viele Jahre im Organisationskomitee von Abfahrt und Slalom mitgearbeitet hatte.„Als ich gefragt wurde, habe ich nur unter einer Bedingung zugesagt: Ich wollte weiterhin am Berg mitarbeiten und nicht im Büro sitzen und aus der Ferne zusehen.“

Heute ist der 52-Jährige die zentrale Schnittstelle zwischen den Hahnenkamm-Rennen und dem Internationalen Skiverband (FIS). Als Jurymitglied bringt er seine enorme Ortskenntnis und den regionalen Bezug ein – oft entscheidend bei heiklen Fragen: Bleibt der Nebel hartnäckig oder lichtet er sich bald? Muss der Start verlegt werden oder zahlt sich Geduld aus? Nicht selten haben seine Einschätzungen den Verlauf der Rennen mitbestimmt.

„Unser großes Plus ist die enorme Erfahrung am Berg und wir sind ein jahrelang eingespieltes Team.“
Mario Mittermayer-Weinhandl

Auf der Strecke ist Mittermayer-Weinhandl meist gemeinsam mit einem eingespielten Trio unterwegs: Slalom-Pistenchef Stefan Lindner, Abfahrts-Pistenchef Herbert Hauser und Sicherheitschef Tom Voithofer.

Jahrzehntelange Rennerfahrung
Alle bringen jahrzehntelange Rennerfahrung mit und sprechen dieselbe Sprache. Der Rennleiter ergänzt diese Runde mit seiner Perspektive als Trainer und vor allem mit seiner Ruhe. Gerade in stressigen Momenten ist er der Ruhepol, wenn Emotionen hochkochen. Eine Qualität, die im „Ausnahmezustand Hahnenkamm“ Gold wert ist.

Der Renntag beginnt früh: Auffahrt auf den Berg, Teilnahme an der Jurybesichtigung, Ansprechpartner für offene Fragen. Danach folgt das Treffen am Zielsprung, wo das Tagesprogramm final bestätigt wird. Mittermayer-Weinhandl ist bewusst auch bei der Besichtigung der Athleten und Trainer präsent. „Da kann ich die aktuelle Stimmung am besten einfangen und stehe für Fragen zur Verfügung“, erklärt er. Seine Erfahrung wird geschätzt – inzwischen kommen Trainer und Athleten gezielt auf ihn zu, um seine Einschätzungen einzuholen.

Hahnenkamm Rennleiter Mario Mittermayer-Weinhandl

Als Rennleiter ist er das Bindeglied zwischen dem Kitzbüheler OK-Team und der FIS, vertreten durch Speedchef Hannes Trinkl (Mitte)

Das Rennen selbst verfolgt er von der Hausbergkante aus, um die Querfahrt, eine der letzten Schlüsselstellen der Abfahrt, hautnah im Blick zu haben.

Als Rennleiter steht Mario Mittermayer-Weinhandl auch in Verbindung mit Bergrettung, Ärzten und Hubschraubern, um im Notfall einen reibungslosen und blitzschnellen Einsatz zu gewährleisten.

„Wenn ich ein Rennen im Fernsehen anschaue und sehe, dass bei einem Sturz die Rettungskette nicht optimal funktioniert, bekomme ich die Krise“, sagt er offen.

Auch unter dem Jahr ist der Rennleiter international gefragt und steht im regelmäßigen Austausch mit anderen Weltcup-Veranstaltern. Seine Expertise als Trainer wird ebenso geschätzt. Immer wieder kommen Vertreter internationaler Organisationskomitees nach Kitzbühel, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Sicherheit hat oberste Priorität
„Im Skisport schauen sie alle auf uns. Unser großes Plus ist die enorme Erfahrung am Berg und dass wir seit vielen Jahren immer mit demselben Team arbeiten. Das ist bei vielen anderen Weltcuprennen nicht der Fall.“

Auch sonst gab es in Vergangenheit keine großen Veränderungen rund um die Rennen. Die letzte größere Streckenanpassung erfolgte vor einigen Jahren am Hausberg. Dennoch wird laufend optimiert – vor allem im Bereich Sicherheit. „Da sind wir sicher führend. Noch mehr Absicherung können wir den Skifahrern fast nicht bieten. Aber natürlich ist Skifahren ein Risikosport – Ein Verschneider oder ein kleiner Fahrfehler kann immer passieren.“