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Kitzbüheler Anzeiger
Andis Taxi

Taxifahrer mit großem Herz für Kinder

Mit 1. November hat Andreas Grießmeier nun das Lenkrad endgültig aus der Hand gelegt und sich in die wohlverdiente Pension verabschiedet.

Früh am Morgen, wenn andere noch mit dem Wecker ringen, waren Andi und Diane schon längst unterwegs. Um 5.30 Uhr war Tagwache, denn er wollte pünktlich bei allen Kindern ankommen. „Ich war immer früh genug dran, vor allem im Winter. Gerade auf den Bockberg oder in andere Wohngebiete kann es schon mal zu verzögerungen kommen“, erklärt er. Der Lohn: der herzliche Empfang der Kinder: „Es war ein sehr schönes Gefühl, wenn mir die Kinder zugewinkt haben und sich gefreut haben, wenn ich mit dem Taxi um die Ecke kam“, erzählt er.

Drinnen im Bus war es mit Morgenmuffeln und verträumten Augen immer schnell vorbei. „Kinderdisco“ stand auf dem Programm. Andi hat eigens eine CD mit den Lieblingsliedern seiner jungen Fahrgäste zusammengestellt. Das Gummibärenlied durfte nie fehlen. „Da war immer volle Gaudi – zumindest für die paar Minuten zwischen Haustür und Kindergarten“, schmunzelt er.

„Wohin verschwindet das Licht im Haus?“
Mehr als 21 Jahre lang waren Andi und Diane mit dem Kindergarten- und Schultaxi im Dienst der Stadtgemeinde Kitzbühel unterwegs, insgesamt rund 3.500 Kinder haben sie in dieser Zeit gefahren – täglich waren es etwa 80 Kindergartenkinder und 20 Schulkinder, aufgeteilt auf drei Busse.

Die Kinder gaben Andi bald einen Namen, der hängen blieb: „Andi Bandi“ – irgendwann ergänzt zu „Andi Bandi Knödelwurscht“. „Wenn du ein Schulkind fragst, wer der Andi Bandi ist, dann weiß das jeder“, sagt er.

Für ihn und Diane waren die Kinder mehr als nur Fahrgäste. Sie kannten nicht nur die Namen, sondern auch die kleinen Eigenheiten, Sorgen und Freuden. „Wir haben das mit Liebe gemacht“, betont er. „Das war nie nur eine Fahrt von A nach B.“

Wer mit den beiden unterwegs war, bekam mehr als nur eine sichere Beförderung. Sie unterhielten ihre kleinen Gäste mit Witzen, Geschichten und manchmal auch kleinen „Aufträgen“, die daheim für Gesprächsstoff sorgten. Legendär ist etwa Andis Frage: „Weißt du eigentlich, wo das Licht hingeht, wenn du es am Abend zu Hause ausschaltest?“ Viele Kinder schauten nach und endeckten das Licht genau da, wo „Andi Bandi“ es ihnen versprochen hat: „Wenn alles dunkel ist und du die Kühlschranktür aufmachst, dann findets du es.“

„Die Kinder waren mehr als nur Fahrgäste, sie waren „unsere“ Kinder. Wir haben gemeinsam gelacht und geweint.“
Andreas Grießmeier

Auch eine Schneeballschlacht mitten im Herbst war keine Seltenheit: Vor dem Dienst fuhr Andi dafür zum Sportpark, wo schon im Oktober Eis fürs Eislaufen produziert wird. „Ich hab mir einen Kübel voll Schnee geholt – und dann haben wir eine Schneeballschlacht gemacht“, erzählt er.

21 Jahre lang jeden Tag im Dienst
Andis Taxikarriere begann lange vor dem Kindergartenbus: Am 1. Dezember 1989 übernahm er das Unternehmen von seinem Vater und baute den Betrieb aus – auf 13 Taxis und zwei Reisebusse, zeitweise beschäftigte er über 20 Mitarbeiter.
Neben dem regulären Taxidienst fuhr er auch Schülerbusse und war zehn Jahre für die Lebenshilfe unterwegs. 21 Jahre lang bedeutete das auch: keine einzige ausgefallene Kindergartenfahrt, keinen einzigen Krankheitstag. „Wir waren zu 100 Prozent verlässlich, keine einzige Fahrt ist jemals ausgefallen“, sagt er nicht ohne Stolz und klopft in Gedanken auf Holz.

Spannend finden Andi und Diane den Unterschied zwischen „ihren“ Kindergartenkindern und den älteren Schülern. „Die kleinen Dreijährigen – die vergöttern dich. Die sind heute noch genauso wie vor 20 Jahren“, sagt Andi. Bei den Schulkindern sehen sie hingegen einen klaren Wandel: „Früher haben wir mit den Schülern viel geredet. Heute steigen sie ein und sind die ganze Fahrt am Handy. “

„Es ist schon schön, wenn sich die Kinder nach vielen Jahren immer noch an die Fahrten erinnern.“
Andreas Grießmeier

Gesundheitliche Probleme am Rücken und mehrere Operationen machten es schließlich notwendig, den Kindergartenbus im letzten Sommer nach 21 Jahren abzugeben. Das Taxiunternehmen führte Andi noch bis Ende Oktober weiter, dann meldete er das Gewerbe ab und gab die Konzession zurück – nicht ohne alles zuvor zur Zufriedenheit aller zu regeln. „Wir wollten die Gemeinde nicht vor den Kopf stoßen“, betont er. Der Kindergartenbus und viele Stammkunden wurden daher rechtzeitig an ein anderes Kitzbüheler Taxiunternehmen übergeben. „Uns war wichtig, dass für die Leute alles weiterläuft.“

Auch wenn die beiden jetzt nicht mehr täglich am Steuer sitzen, begegnen ihnen ihre ehemaligen Fahrgäste überall in der Stadt. „Es ist schön, wenn dich jemand, den du als Kind gefahren hast, Jahre später als Erwachsener noch mit ‚Servus, Andi Bandi‘ begrüßt“, verrät Andi. Manche der früheren Kindergartenkinder haben heute selbst Kinder – und erzählen ihnen, dass sie auch einmal im „Andi-Bus“ gesessen sind.

Jetzt ist Zeit für Reisen und Familie
Heute steht für Andi etwas im Vordergrund, das in 35 Jahren oft zu kurz gekommen ist: Zeit für sich und die Familie. Reisen, gemeinsame Ausflüge mit seiner Frau, gesund werden nach den Operationen – das ist jetzt sein Plan. Das Kapitel „Taxi“ ist abgeschlossen – aber die vielen Erlebnisse, das Gummibärenlied aus dem „Kinderdisco-Bus“ und der Ruf „Andi Bandi Knödelwurscht!“ werden in Kitzbühel wohl noch lange zu hören sein.

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