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Kitzbüheler Anzeiger
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Stabwechsel in Tirols Wirtschaft - wenn aus Besitz Verantwortung wird

Es braucht Optimismus und Mut, damit die Zukunft beginnen kann“, sind sich Landeshauptmann Anton Mattle und Wirtschaftskammerpräsidentin Barbara Thaler einig. Angesichts von Kriegen, Zollstreitigkeiten und geopolitischen Spannungen, die Energieversorgung und Wirtschaft belasten, lautet das gemeinsame Ziel: Tirol soll unabhängiger von internationalen Konflikten werden und seine wirtschaftliche Stärke aus eigener Kraft sichern.

Investitionen als Standortbekenntnis
Trotz einer gewissen Zurückhaltung bei Investitionsentscheidungen, bedingt durch die globale Unsicherheit, bekennen sich zahlreiche heimische Unternehmen klar zum Wirtschaftsstandort Tirol. Millioneninvestitionen in Betriebe und Infrastruktur setzen ein starkes Zeichen – auch wenn nur 14 Prozent der investierenden Betriebe derzeit auf wachstumsfördernde Erweiterungsinvestitionen setzen.

Gründungslust ungebrochen
Ein Blick auf die Statistik zeigt: Tiroler lassen sich nicht entmutigen. 2024 wurden 2.980 neue Unternehmen gegründet – die Gründerzahlen bleiben damit auf konstant hohem Niveau. Viele Start-ups und Spin-offs aus Tirol sind mittlerweile national wie international erfolgreich unterwegs.

Betriebsnachfolge als Schlüsselfaktor
Mehr als 50.000 Unternehmen prägen Tirols Wirtschaft. Doch steigende Unternehmensinsolvenzen bereiten Sorgen. Gleichzeitig stehen bis 2029 rund 5.700 Betriebe zur Übergabe an. „Die nächste Generation soll die Chance haben, das eigene Unternehmen erfolgreich weiterzuentwickeln, anstatt die Türen für immer zu schließen“, betont Mattle – selbst früher Unternehmer.

Damit diese Übergaben gelingen, haben Land und Wirtschaftskammer fünf konkrete Vorschläge an die Bundesregierung formuliert, um steuerliche, bürokratische und finanzielle Hürden zu senken. WK-Präsidentin Thaler unterstreicht: „Wir wollen, dass auch Betriebsübernehmer dieselben Vorteile genießen wie Neugründer. Das stärkt die Nachfolge und damit den Wirtschaftsstandort Tirol.“

Die Palette der Forderungen reicht von einer sofortigen Abschreibungsmöglichkeit in den ersten drei Jahren, über einen „Lohnnebenkosten-Vorteil“ für Übernehmer bis hin zu einer deutlichen Anhebung des Freibetrags für Veräußerungsgewinne. Auch ein Sondersteuersatz von 20 Prozent bei Betriebsverkäufen und ein „Nachfolge-Beteiligungsfonds“ bei der Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft sollen Übernahmen attraktiver und leichter finanzierbar machen.

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Tirols Wirtschaftskammerpräsidentin Barbara Thaler und Bezirksobmann Hermann Huber haben viele Pläne.

Der Staat soll mehr Kapital mobilisieren, um die Betriebsnachfolge zu erleichtern
Wenn eine Betriebsübernahme stattfindet, müssen Nachfolger oft Fremdkapital aufbringen. Gerade zu Beginn ist die Aufbringung von Kapital eine große Hürde. Daher soll eine neue Form der Finanzierung helfen, Anreize für eine Übernahme und Investitionen zu schaffen. Nachfolger von kleinen und mittleren Betrieben sollen künftig durch einen neu zu schaffenden Nachfolge-Beteiligungsfonds, welcher bei der Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft m.b.H. (aws) angesiedelt sein könnte, bei der Übernahme eines Unternehmens mit zusätzlichem Kapital finanziell unterstützt werden. Die Nachfolgersollen bis zu zehn Jahre Zeit haben, die Anteile des Beteiligungsfonds zurückzukaufen.

Wirtschaft & Betriebsübergaben in Tirol

  • Neugründungen: 2.980 neue Unternehmen im Jahr 2024
  • Betriebsbestand: Über 50.000 Unternehmen in Tirol
  • Übergaben bis 2029: Rund 5.700 Betriebe
  • Österreichweit: 41.700 Übergaben bis 2027 (26 % aller KMUs)
  • Serviceangebote: Beratungsscheck beim Notar, One-Stop-Shop in den Bezirksstellen, monatliche Recht-praktisch-Sprechtage

Serviceorientierung vor Ort
LH Anton Mattle hat die Gewerbereferate der Bezirkshauptmannschaften aufgerufen, als „Möglichmacher“ zu agieren. Diese Referate seien ein wichtiger Ansprechpartner bei Betriebsübergaben, betont Mattle. Sie sind Anlaufstelle für Gewerbeanmeldungen und Betriebsanlageverfahren. „Im Rahmen des Tirol-Konvent haben wir uns der Serviceorientierung verschrieben.

Auch wenn die gesetzliche Grundlage für das Gewerberecht auf Bundesebene geregelt wird, liegt der Vollzug bei den Bezirkshauptmannschaften“, erklärt LH Mattle. Bei Übernahmen sollen Unternehmen nicht nur auf rechtliche Hürden hingewiesen, sondern aktiv unterstützt werden. Ziel sei es, Beratung vor Strafe zu stellen, unnötige Bürokratie abzubauen und Übergeber wie Übernehmer in allen Fragen eng zu begleiten. Zudem sammelt der Landeshauptmann von den durchführenden Mitarbeitern eingebrachte Vorschläge, inwieweit das Gewerberecht auf Bundesebene verbessert werden könne.

Wirtschaftskammer als starker Partner
Die Wirtschaftskammer Tirol bietet rund um das Thema Betriebsnachfolge bereits zahlreiche Services und wird ihr Angebot hier in den nächsten Jahren stark ausbauen, wie Präsidentin Barbara Thaler betont. Checklisten und Leitfäden zeigen die wichtigsten Punkte bei Übergaben auf, zu Rechtsfragen werden Beratungen angeboten und über die Nachfolgebörse können Unternehmen, wenn notwendig, eine potenzielle Nachfolge suchen.

Im Bezirk Kitzbühel fanden 2024 zwölf Nachfolgesprechtage mit 25 individuellen Beratungen statt. 2025 gingen bislang ebenfalls zwölf solche Tage mit 15 Beratungen in Szene. Die Kammermitglieder können kostenlos eine Stunde beim Notar in Anspruch nehmen. Außerdem werden viele Fragen vom Gewerberecht über Betriebsanlagen bis zur Sozialversicherung in einem Termin geklärt. Wie Kitzbühels Obmann Hermann Huber betont: „Gerade im Bezirk Kitzbühel sind wir stark vom demografischen Wandel betroffen. Umso wichtiger ist es, dass wir den Generationenwechsel aktiv begleiten.“

„Gerade im Bezirk Kitzbühel sind wir stark vom demografischen Wandel betroffen. Umso wichtiger ist die Begleitung des Generationenwechsels.“
WK-Obmann Hermann Huber

Österreichweiter Handlungsbedarf
Bis 2027 stehen österreichweit 41.700 kleine und mittlere Betriebe vor einer Übergabe – fast 26 Prozent aller Klein- und Mittelbetriebe. Tirol liegt dabei auf Platz zwei der Übernahmeintensität. Die Wirtschaftskammer begegnet dieser Herausforderung mit praxisnahen Veranstaltungen wie der jährlichen Großveranstaltung „Die optimale Betriebsnachfolge“. Hier erhalten Übergeber und Übernehmer rechtliche, steuerliche und organisatorische Informationen aus erster Hand.

Vorträge über rechtliche und steuerliche Fragen
Die Veranstaltung 2024 bot neben Beratungen durch Notare, Vorträge zu den wichtigsten Schritten einer Nachfolge, rechtlichen und steuerlichen Fragen aber auch zu arbeitsrechtlichen Besonderheiten. Infostände zu Förderungen, Betriebsanlagen und der Nachfolgebörse rundeten das Angebot ab, damit die Unternehmensübergabe nicht in einem finanziellen und persönlichen Desaster endet.

Fünf Vorschläge an den Bund
Um Betriebsübergaben zu erleichtern, fordern Land Tirol und Wirtschaftskammer:

  • Sofortabschreibung für Investitionen in den ersten drei Jahren
  • Lohnnebenkosten-Vorteil auch für Übernehmerinnen und Übernehmer
  • Freibetrag für Veräußerungsgewinne ab 2027 auf 45.000 Euro erhöhen
  • Sondersteuersatz von 20 Prozent für Gewinne über dem Freibetrag
  • Nachfolge-Beteiligungsfonds bei der Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft
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