Zum Inhalt springen
Job AnzeigerImpulsTrendig MagazinServus
Kitzbüheler Anzeiger

Schulsystem: (Nicht) genügend

Margret Klausner
Es gab da mal eine Kaiserin, die hatte eine abgefahrene Idee. Kinder sollten lernen: Rechnen. Schreiben. Lesen. Wissen für alle – statt Bildung für einige wenige. Geregelter Unterricht, einheitliche Strukturen, ein System dahinter. – Revolutionär!
Würde Maria Theresia heute durch eine Schule spazieren, wäre sie vermutlich dennoch überrascht. Nicht wegen der Tablets, Whiteboards oder digitaler Klassenbücher, sondern weil sie verdammt vieles wiedererkennen würde.
Läuft. Seit 1774
Fächer. Klassen. Stundenplan. Lehrplan. Stoff. Prüfung. Note. Klar, Schule hat sich weiterentwickelt. Der Unterricht ist vielerorts moderner, offener und kreativer geworden. Nur das System dahinter beweist erstaunliches Durchhaltevermögen: Ein vordefinierter Stoff – ein festgelegter Zeitrahmen zur Vermittlung – und dann die Überprüfung, wie viel davon hängen geblieben ist.

Am Dienstag ist Schularbeit. Wenn der Knoten erst am Mittwoch platzt, ist das zwar pädagogisch interessant, notentechnisch aber halt Pech. Und um 8.20 Uhr können bitte alle Englisch.

Zukunft schwänzt Lehrplan
Dabei ist die Welt rund um die Schule nicht sitzengeblieben: Bestehende Berufe verschwinden, neue entstehen. Lebensläufe verlaufen nicht mehr linear. Wissen ist jederzeit verfügbar und oft schon wieder überholt, bevor wir überhaupt bis drei zählen können.

Natürlich sollen Kinder weiterhin lesen, schreiben, rechnen und sich allgemein bilden. Und ja – sie dürfen sich auch mit Dingen beschäftigen, die sie wenig(er) interessieren oder die ihnen schlicht nicht liegen. Soll ja auch im Erwachsenenleben gelegentlich mal vorkommen ...

Stoff durch. Zukunft offen
Aber reicht es heute, Wissen in Fächer zu packen, stundenweise zu portionieren, um es bei Prüfungen möglichst vollständig wieder abzuliefern?

Stellt das Leben seine Prüfungsaufgaben eigentlich auch kapitelweise?

Schön - ein bissl was tut sich eh schon: neue Lernformate, Doppelstunden und mehr Platz für Projekte abseits des Stundenplans. Sehr gut. Denn vielleicht müsste unser Schulsystem noch viel stärker Raum schaffen für das, was zwischen all den Fächern liegt: Zusammenhänge erkennen, Informationen einordnen, Quellen prüfen, Inhalte verifizieren, Fragen stellen, eigene Lösungen finden, scheitern und es noch einmal versuchen. Damit aus all dem Stoff irgendwann mehr wird, als Stoff.

Maria Theresias System hatte einen entscheidenden Vorteil: Es passte zu den Anforderungen seiner Zeit. Vielleicht sollten wir genau das auch probieren und unser Schulsystem selbst einmal zur Prüfung antreten lassen:

Ist unser Lernen noch zeitgemäß? – Begründe deine Antwort. Du hast 50 Minuten.
Danach läutet’s.

Das ist meine Meinung zu diesem Thema:

Ja, ich möchte künftig einen Newsletter vom Kitzbüheler Anzeiger erhalten.

Ich akzeptiere die Datenschutzbestimmungen.