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Kitzbüheler Anzeiger
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Sandra Maischberger, Sabine Pitscheider und Markus Mörth (v.l.).

Riefenstahl löst intensive Debatte aus

Beim Filmfestival Kitzbühel wurde der Dokumentarfilm Leni Riefenstahl im Stadtmuseum gezeigt, das bis auf den letzten Platz gefüllt war. Viele Besucher mussten stehen. Das große Interesse zeigt, wie stark die Auseinandersetzung mit einer der umstrittensten Frauen des 20. Jahrhunderts nach wie vor bewegt.

Der Film untersucht, warum die Bildwelten von „Triumph des Willens“ und „Olympia“ heute wieder so präsent sind und ob damit auch ihre problematischen Botschaften zurückkehren. Grundlage sind neue Materialien aus ihrem Nachlass: private Filme, Fotos, ein unveröffentlichter Making-of-Dreh, Entwürfe zu ihren Memoiren sowie aufgezeichnete Telefongespräche und Briefe.

Leni Riefenstahl in Kitzbühel
Ab 1943 lebte Leni Riefenstahl in Kitzbühel, angezogen vom mondänen Ruf der Stadt. Sie mietete sich im Seebichl ein und wurde dort mehrfach festgenommen. Eine Festnahme endete mit ihrer Freilassung aufgrund einer Beziehung zu einem Vernehmer, zu dem sie später weiter Kontakt hielt. Geschichten über angebliche Feuer vor dem Seebichl, in denen Material verbrannt worden sei, sind nicht belegt. Sicher ist hingegen, dass ihr Archiv aus rund 700 Kisten besteht, die sie über Jahrzehnte selbst ausgedünnt hat. Viele Dokumente fehlen, ihre Kalender setzen erst 1944 ein. Im Film wird außerdem erzählt, dass ihr Vater sie als Jugendliche einsperrte, nachdem er sie beim Stehlen erwischt hatte, was laut Diskussion ihr späteres Muster aus Aussitzen, Lügen und Verdrängen geprägt haben könnte.

Kontroverse Diskussion
Nach der Vorführung diskutierten Filmproduzentin Sandra Maischberger und Historikerin Sabine Pitscheider gemeinsam mit Festivaldirektor Markus Mörth über Riefenstahls Biografie und ihre politische Verantwortung. Sandra Maischberger betonte, dass Leni Riefenstahl keine Opportunistin war, sondern früh Sympathien für faschistische Ideen entwickelte, lange bevor sie Adolf Hitler traf und nachdem sie „Mein Kampf“ gelesen hatte.

In späteren Interviews wich Riefenstahl kritischen Fragen oft aus oder reagierte laut und aggressiv. Dieses Verhalten bezeichnete die Produzentin als „Riefenstahl-Prinzip“, eine Mischung aus Manipulation, Selbsttäuschung und konsequenter Verdrängung.

Riefenstahls Filme wurden von der NSDAP finanziert, dennoch setzte sie mit „Olympia“ neue filmische Maßstäbe. Ihre Aufnahmen der Athleten, die dynamischen Kamerabewegungen und die heroische Inszenierung der Körper prägen die Bildsprache des Sports bis heute. Gleichzeitig steht diese Ästhetik in enger Verbindung zur Ideologie des Regimes, zu dem sie sich bewusst in Beziehung setzte. Ihre eigentliche Leidenschaft galt den Bergen und der Natur, deren monumentale Formen sich in ihrem idealisierten Menschenbild spiegelten, während sie Menschen oft nur als Mittel für ihre Ziele betrachtete.

Mahnung für die Gegenwart
Am Ende richteten Sandra Maischberger und Sabine Pitscheider den Blick auf die heutige Zeit und warnten davor, dass politische Strömungen, die man lange überwunden glaubte, wieder an Zustimmung gewinnen. Die Auseinandersetzung mit Riefenstahls Werk sei daher nicht nur ein historischer Rückblick, sondern ein wichtiger Beitrag zur Wachsamkeit gegenüber Entwicklungen, die sich wiederholen könnten. Der Nachmittag hinterließ einen nachhaltigen Eindruck und zeigte, wie stark die Verbindung zwischen Kitzbühel und Riefenstahl weiterhin zur kritischen Betrachtung anregt.

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