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Kitzbüheler Anzeiger
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Eisbaden im Kitzbüheler Schwarzsee: Christine Obernauser und Peter Hirzinger steigen beinahe täglich in "ihr" Eisloch.

Rein ins Eisloch: Was ist so schön daran?

Jedes Mal, wenn Christine Obernauer und Peter Hirzinger in Bikini, Badehose und Badeschlapfen im Stadtbad durch den Schnee stapfen, trauen so manche Spaziergänger ihren Augen nicht. Aber keine Angst – es ist keine Fata Morgana, die den Passanten erschienen ist und es handelt sich auch nicht um Außerirdische, sondern lediglich um zwei passionierte Eisbader, die ungerührt ihrem Hobby frönen. Beinahe jeden Tag und bevorzugt am frühen Morgen, wenn das sonst so belebte Ufer des winterlich verschneiten Kitzbüheler Naturjuwels von Stille umgeben ist.

Den verblüfften Blicken der wenigen Zaungäste folgen dann teils neugierige Fragen. Vor allem dann, wenn das Paar bereits in „seinem“ Eisloch steht und das eisige Wasser auf sich wirken lässt.

Schlechtes Wetter? Gibt es nicht

Beim Eisbaden ist es den beiden egal, ob es dicke Flocken vom Himmel schneit, eine Nebeldecke über dem Gewässer liegt oder die Quecksilbersäule auf 15 Grad unter den Gefrierpunkt gesunken ist: Schlechtes Wetter gibt es für sie nicht.

Zwei Minuten bleibt Christine jedes Mal im Wasser, eine halbe Minute länger genießt ihr Lebenspartner Peter das im wahrsten Sinne des Wortes erfrischende Nass. Wir haben die beiden an einem Badetag begleitet.


Kitzbüheler Anzeiger: Raus aus dem warmen Bett und rein in den eiskalten See. Gestern bei minus 14 Grad, heute im dichten Schneetreiben. Wie viel Überwindung kostet euch das jeden Tag in der Früh?

Christine Obernauer: Gar keine Überwindung. Ganz im Gegenteil: Wir freuen uns jeden Tag darauf. Wenn es schneit, ist es ganz besonders schön.

"Zwei Minuten im Eisloch sind reine Meditation. Das wirkt wie eine Stunde Joggen."

Peter Hirzinger

Das Eisloch aufhacken, sich im Schnee bis auf die Badehose ausziehen, in das Eisloch steigen und zwischen den Eisschollen ausharren, das ist für viele Menschen nicht nachvollziehbar. Von euch höre ich richtig tiefe Seufzer, wenn ihr im Wasser seid. Warum tut ihr euch das an?

Peter Hirzinger: Wir seufzen, weil es fein ist. Im Wasser fühlt man sich frei und dabei kann man die herrliche Natur genießen. Es ist reine Meditation, der Alltagsstress fällt total ab. Wir chillen und sind danach gut aufgelegt. Nach zwei Minuten im See fühlt man sich so gut wie nach einer Stunde Joggen. Abgenommen habe ich dadurch aber trotzdem nichts (lacht).

Was gehört zu einem richtigen Eisbader-Outfit?

Christine Obernauer: Eine Mütze ist ein Muss. Außerdem Badelatschen, weil wir damit in das Eisloch steigen. Das Gehen im Schnee ist für uns eher unangenehm. Wenn es so richtig kalt ist, passiert es sogar, dass die Badelatschen danach am Boden anfrieren.

Kein Kälteschock nach dem Eisbad

Und nach dem Bad? Sofort anziehen und ab ins Warme? Kommt dann der Schüttelfrost?

Christine Obernauer: Nein, gar nicht. Wir wickeln uns ins Badetuch ein und genießen für ein paar Minuten das prickelnde Gefühl. Das ist besonders schön bei Sonnenschein, wenn man sich an die warme Holzwand der Badekabine lehnen kann. Nach dem Bad wird die Haut richtig stark durchblutet und feuerrot. Erst dann ziehen wir uns an. Wir haben uns extra dicke Jumpsuits (Einteiler, Anmerkung der Redaktion) angeschafft, darüber kommt ein Wintermantel und dann geht‘s ab nach Hause zum Frühstücken.

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Nichts für Warmduscher: Das tägliche Bad im Eisloch – bei jedem Wetter.

Während sich andere bei arktischen Temperaturen so warm wie möglich anziehen, steigt ihr ins Eisloch. Seid ihr jemals davon krank geworden?

Peter Hirzinger: Nein, bisher nicht ein einziges Mal. Wir haben uns gut darauf eingestellt und gehen eigentlich das ganze Jahr über in den See. Mittlerweile ist es schon unsere vierte Saison, in der wir das machen.

"Wir gehen nur mit Badelatschen ins Wasser. Manchmal frieren sie danach im Schnee an."

Christine Obernauer

Eisbaden boomt gerade. Wie seid ihr dazu gekommen?

Christine Obernauer: Wir haben früher unsere Joggingrunden immer mit einem Sprung in den See beendet – oftmals bis Anfang oder sogar bis Mitte November. Irgendwann haben wir das Baden in den Winter ausgedehnt und sind dabei geblieben. Das kalte Wasser hat uns einfach getaugt. In Kitzbühel sind wir nicht die einzigen. Es gibt eingefleischte Eisbader, die machen das schon seit vielen Jahren.

Eisbären oder Warmduscher? Hat sich euer Kälteempfinden durch das Eisbaden mit den Jahren insgesamt verändert?

Christine Obernauer: Wir haben uns an tiefere Temperaturen gewöhnt. Daheim brauchen wir weniger Warmwasser.

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Das Hacke muss immer mit: Das Bade-Eisloch friert über Nacht zu und muss am nächsten Tag von Peter Hirzinger wieder freigemacht werden.

Über euren YouTube-Channel lasst ihr die Öffentlichkeit an eurem Bade-Vergnügen teilhaben. Warum?

Peter Hirzinger: Weil das Eisbaden so schön ist. Wir freuen uns schon über 313 Follower, aber auch über viele Klicks. Einige haben unsere Videos auf
YouTube gesehen und das Eisbaden bereits ausprobiert. Aber Achtung. Es braucht unbedingt eine Abklärung mit dem Arzt, bevor man ins Wasser steigt. Eisbaden ist nicht für jeden geeignet.

Gibt es eigentlich Leute, die euch, angesichts eures ungewöhnlichen Hobbys, für ein bisschen verrückt erklärt haben?

Peter Hirzinger: Sind wir vermutlich auch, sonst würden wir es nicht tun (lacht).

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