Bezirk
Putzt du noch oder programmierst du schon?

Früher haben wir gekocht, geputzt und gemäht. Heute begleiten wir Prozesse. Wir sind zu den Projektmanagern unseres eigenen Haushalts geworden. Roboter als neues WG-Mitglied: Mithelfen nur noch dann, wenn es uns das Gerät befiehlt: „Anschluss prüfen!“, „Filter tauschen!“, „42 g Zwiebel hinzufügen!“. Ich warte noch auf den Tag, an dem mir mein Kühlschrank snappt, dass die Milch leer ist und ich mir gefälligst eine Kuh abonnieren soll.
Überall surrt, piepst oder blinkt es. Im Garten zieht der Rasenroboter seine Bahnen und mäht alles nieder, was nicht bei drei auf dem Baum ist – auch die Biodiversität.
Drinnen kreist der Staubsaugerroboter wie ein passiv-aggressiver Mitbewohner, der zwar keine Miete zahlt, aber verlangt, dass wir erstmal sämtliche Kabel vom Boden aufheben. Wir räumen die Wohnung auf, damit der Roboter sauber machen kann. Wer führt hier wen an der Leine?
Und dazwischen stehen wir in der Küche und starren andächtig aufs Display, während der Thermomix unser Risotto „on point“ gart. Kochen nach Zahlen – das ist wie Malen nach Zahlen. Nur für Leute mit Hunger.
Zwischenmenschlichkeit im SB-Modus
Die Technikwelle macht natürlich auch sonst nicht Halt. An der SB-Kasse führen wir Selbstgespräche mit einer Maschine, die genauso empathisch ist wie mein Bügeleisen. „Unbekannter Artikel im Einpackbereich!“
Das klingt weniger nach Shoppingspaß als nach polizeilichem Verhör. „Kontaktlos“ heißt nicht nur bargeldlos, sondern auch ohne Blickkontakt. Reden? – Optional. Effizienz ist schließlich der Endgegner der Gesprächigkeit. Und in den Restaurants rollen derweil Abräumroboter an uns vorbei. Tablett erkannt. Tablett entfernt. Mission erfüllt. Smalltalk? – Nicht systemrelevant.
Kundenservice aus der Cloud-Hölle
Besonders kryptisch wird‘s bei Beschwerdemails. Ich schreibe mit der leisen Hoffnung auf einen Dialog. Zurück kommt die digitale Ohrfeige: „Ihr Anliegen ist uns wichtig.“ Ich seh‘s förmlich vor mir, wie in irgendeinem Serverraum eine grüne LED kurz zustimmend blinkt.
Einen echten Menschen zu erreichen, ist ähnlich aussichtsreich wie eine Privat-
audienz beim Papst.
Also klicken wir uns weiter durch Chatbots und FAQ-Wüsten, bis wir vergessen haben, was wir eigentlich wollten. Und vielleicht ist das alles ja auch gut so. Die Maschinen übernehmen das Wiederholbare. Das Planbare. Das Berechenbare. Wir das Unberechenbare.
Und das Menschsein? – Üben wir noch.