
Projekt "Kellerwiese" stößt auf Widerstand
In Kitzbühel spitzt sich der Konflikt um das geplante Mitarbeiterwohnhaus auf der Kellerwiese zu. Die SPÖ, Grüne und die Liste Unabhängige Kitzbüheler (UK) stellen sich vehement gegen das Vorhaben und haben eine Unterschriftenaktion gestartet.
Grund für den jetzigen Vorstoß ist die in der kommenden Woche geplante Sitzung des Bauausschusses. „Die Verantwortlichen der Gemeinnützigen Tiroler Wohnbau wollen im Rahmen der Sitzung die Pläne präsentieren“, wissen Vizebürgermeister Walter Zimmermann (SPÖ), StR Traudi Nothegger (UK) sowie GR Rudi Widmoser (Grüne). Demnach sollen auf dem rund 8.700 Quadratmeter großen Grundstück 170 Wohnungen entstehen. Zimmermann, Noth-
egger und Widmoser haben sich daher über Parteigrenzen hinweg zusammengeschlossen und die Petition mit dem Titel „Stoppen wir gemeinsam den Bauwahnsinn Kellerwiese“ initiiert. Sie kritisieren vor allem die aus ihrer Sicht überdimensionierte Größe des Projekts. Das geplante Gebäude mit 170 Wohneinheiten sei völlig überzogen, sind sie überzeugt. Es sei ein Ghetto zu befürchten.
Mangelnde Transparenz
Zudem werfen sie der Stadtführung mangelnde Transparenz vor: Seit einem Grundsatzbeschluss sei ein Jahr vergangen, ohne dass es detaillierte Informationen oder offizielle Planunterlagen gegeben habe. Die Initiatoren der Unterschriftenaktion haben Visualisierungen erstellen lassen, die die Dimension des Wohnbaus verdeutlichen sollen. Diese wurden nach den bisher vorliegenden Informationen erstellt, wie Widmoser betonte. Bereits zuvor hatte es ein erstes, „überdimensioniertes“ Projekt gegeben, so die Initiatoren. Der Bauausschuss lehnte das Vorhaben damals ab. Ende 2023 wurde eine kleinere Variante thematisiert.
Das Trio fordert nun unter anderem eine grundsätzliche Bedarfsprüfung. Mit insgesamt 406 Wohneinheiten, die bis 2026 verfügbar sein sollen, sei der Bedarf bereits gedeckt, erklärten sie. Zudem sei das Gebäude hauptsächlich für Saisonarbeitskräfte gedacht. Sie befürchten daher bis zu sieben Monate Leerstand pro Jahr. Statt eines Großkomplexes wünschen sich SPÖ, Grüne und UK kleinere Einheiten oder alternative Nutzungen wie sozialen oder generationenübergreifenden Wohnbau. „Es ist uns wichtig, bevor das Projekt im Bauausschuss behandelt und im Dezember-Gemeinderat durchgewinkt wird, noch einmal klar Stellung zu beziehen, warum wir dagegen sind“, sagt SPÖ-Vizebürgermeister Walter Zimmermann. Kritik an den Plänen kam umgehend von der Liste Fritz, aber auch von den Grünen.
Entrüstet über die Art der Kritik zeigt sich Bürgermeister Klaus Winkler: „Ich finde es empörend, dass eine Petition gegen ein Mitarbeiterwohnhaus mit falschen Darstellungen und falschen Bildern gestartet wird. Das führt nur zur Verunsicherung in der Bevölkerung. Warum sich hier die SPÖ als Anhängsel der UK hergibt, ist mir ohnehin völlig unverständlich.“ Fakt sei, dass durch dieses Mitarbeiterwohnhaus viele Wohnungen, die jetzt von Tourismusangestellten bewohnt werden, wieder frei würden und dadurch der Druck auf den angespannten Wohnungsmarkt in Kitzbühel genommen werde. „Dies führt letztlich auch wieder zu günstigerem Wohnraum für die einheimische Bevölkerung. Dass sich ausgerechnet die SPÖ dagegen ausspricht, ist schon eigenartig. Zudem will die SPÖ und UK dort anstelle von Mitarbeiterwohnungen Wohnraum für einheimische Familien schaffen. Das ist für mich das absolut falsche Signal“, so Winkler.
Wohnungen für einheimische Familien, eingezwängt zwischen Bahn und stark frequentierter Straße, könne er nicht befürworten. „Für solche Wohnprojekte bin ich sicher nicht zu haben, weil das eindeutig der falsche Platz für einheimische Familien ist“, betont der Stadtchef. Demgegenüber sei der Standort für ein Mitarbeiterwohnprojekt ideal. Der Boden sei dort schon versiegelt, es werde also keine Grünfläche geopfert. Es könne auch keine Rede von einem Ghetto sein. Es stehe dort bereits ein großes Gebäude, das höher sei als das geplante Mitarbeiterwohnhaus. „Es ist also auch falsch, wenn behauptet wird, dass dieses Projekt überdimensioniert ist. Wir haben auch in anderen Ortsteilen einen verdichteten Wohnbau mit ähnlicher Baumassendichte.
Weiters möchte ich betonen, dass die Vergabe der Mitarbeiterwohnungen durch die Stadt erfolgt. Die Behauptung, dass hier eine Gruppe bevorzugt wird, ist kompletter Blödsinn. Zudem haben wir mit der gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft Tiroler Wohnen einen seriösen Partner, der dieses Projekt ganz im Sinne der Stadt Kitzbühel abwickeln wird.“
Die Verantwortlichen der Tiroler Wohnbau erklären dazu: „Wir befinden uns mitten in der Planung, um die Bedingungen des Gemeinderates, wie das ansprechende Design, zu garantieren. Wir sehen das Projekt als Beitrag zur Entlastung des Wohnungsmarkts und berücksichtigen soziale Aspekte in der Planung. Details werden dem Bauausschuss präsentiert. Bisher kolportierte Dimensionen und Visualisierungen stammen nicht von uns und entsprechen nicht unseren Ansprüchen.“