
Plöcken: Basistunnel scheint vom Tisch zu sein
Es ist ein Damoklesschwert, das schon seit 40 Jahren über dem Bezirk hängt – der Bau eines Plöcken-Basistunnels. Auch die Variante eines „Scheiteltunnels“, die zuletzt diskutiert wurde, ließ in Kitzbühel die Alarmglocken schrillen. Der Kitzbüheler Gemeinderat sprach sich erst vor wenigen Wochen klar gegen den Plöckentunnel aus.
Jetzt lässt die Kärntner Landesregierung aufhorchen. Eine erste Entscheidung sei gefallen, so LH-Stv. Martin Gruber (ÖVP). Die Variante eines Basistunnels werde von Kärnten und Friaul nicht weiterverfolgt, informiert er. Über mehrere Monate hat eine von Gruber und der friulanischen Landesrätin Cristina Amirante eingerichtete bilaterale Arbeitsgruppe an einer Machbarkeitsstudie zum Plöckenpass-Ausbau gearbeitet. Kürzlich fand in Tolmezzo die Abschlusspräsentation statt.
Drei Ausbauvarianten (Basistunnel, Scheiteltunnel oder Alternativtrasse) sowie der Erhalt der Bestandsstrecke wurden in technischer, wirtschaftlicher und sicherheitsrelevanter Hinsicht untersucht und verglichen, um eine transparente Bewertung zu ermöglichen. Die Reihung der Experten sieht die Alternativtrasse an erster Stelle. Der Bau eines Scheiteltunnels wäre laut Experten schwer zu finanzieren. Von der Umsetzung eines Basistunnels und dem reinen Erhalt der Bestandsstrecke wird dagegen grundsätzlich abgeraten, stellt Gruber klar: „Auf Basis dieser Faktenlage haben wir gemeinsam beschlossen, die Variante des Basistunnels auszuschließen und daher nicht weiter zu verfolgen.“
LA Gamper: Klares Nein aus Brüssel
Auch FPÖ-LA Alexander Gamper hat sich intensiv mit dem Thema „Plöcken“ auseinandergesetzt: „Aus meiner Sicht ist dieser Plan tatsächlich vom Tisch. Meine Quellen in der EU in Brüssel haben mir bestätigt, dass der Scheiteltunnel sicher nicht finanzierbar ist, da es sich definitiv um kein hochrangiges Straßennetz handelt und es damit auch aus Bundes- und EU-Sicht uninteressant ist“, hat Gamper in Erfahrung gebracht. Nichtsdestotrotz gäbe es in der Region ein eklatantes Verkehrsproblem. „Ein Wermutstropfen aus meiner Sicht ist, dass wir mit dem Verlust dieses Projektes die Möglichkeit verlieren, unser Tiroler Straßennetz, darunter auch jenes im Bezirk Kitzbühel, besser unter die Lupe zu nehmen und ausbauen zu können“, so der FP-Politiker. Dazu gäbe es verschiedene Projekte auf EU-Ebene, an die man sich hätte anschließen können. „Ich werde jetzt versuchen, trotzdem über die JASPERS-Möglichkeiten die Flaschenhälse Lienz, Kitzbühel bzw. Kufstein bewerten zu lassen. Für mich als Abgeordneter wäre es wichtig, wenn wir in Zukunft solche regionalen Themen auch auf Länderebene besprechen“, so Gamper abschließend.
Hechenberger: Dank an Bürgerinitiativen
Einer, der immer gegen das Projekt angekämpft hat, ist der Kitzbüheler Georg Hechenberger, der klarstellt, „dass wir uns bei allen Bürgerinitiativen – von Osttirol bis Friaul/Julisch-Venetien – bedanken müssen. Sie haben nie aufgehört, dafür zu kämpfen, dass wir nicht unter die Räder kommen. Wir in Nordtirol haben dagegen lange ‚geschlafen‘, profitieren aber jetzt von deren unermüdlicher Arbeit.“ Genau diese Bürgerinitiativen würden nun aber auch eindringlich davor warnen, das Thema „Plöcken/Transit“ vorzeitig ad acta zu legen. Zu groß sei der Druck aus Italien und zu offensichtlich die europäischen Interessen an einer neuen Alpentransversale. „Das Plöcken-Transit-Thema begleitet uns seit über 40 Jahren. Seither hat sich der Verkehr über die Alpen verdreifacht, die Alternativrouten sind überlastet und sanierungsbedürftig. So schön es wäre, so naiv wäre es aber auch anzunehmen, dass ausgerechnet jetzt die Plöckentunnel-Transit-Uraltpläne endgültig ad acta gelegt würden.“ Ein weiterer Kämpfer gegen die Tunnelpläne ist auch GR Andreas Fuchs-Martschitz (UK): „Als ehemaliger Teilnehmer der Proteste freut es mich umso mehr, dass derzeit kein weiterer Ausbau droht, der zusätzlichen Transit nach Kitzbühel bringen würde.“