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Kitzbüheler Anzeiger
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Willi Steindl sitzt jedes Jahr selber am Steuer des Oldtimer-Traktors. Der „Kung Fu Panda“ begeisterte im Vorjahr die Zuschauer. Foto: TVB Brixental

Ort der Woche: „Jede Figur ist auf ihre Weise schön und einzigartig“

Über eine halbe Million blühende Dahlien, Nelken, Gerbera und Sonnenblumen werden jährlich Mitte August in kunstvolle Kreationen verwandelt. Liebevoll gestaltete Märchenfiguren, Fabelwesen oder auch Figuren aus Filmen begeistern alljährlich am 15. August im Zentrum von Kirchberg tausende Besucher, die sich an den kreativen Wagen kaum sattsehen können.

Bereits seit über 30 Jahren zählt der Blumencorso zu den Höhepunkten im Kirchberger Sommer. Nicht nur ein Fest für die Gäste, sondern vor allem auch für das gesamte Dorf, wie Willi Steindl betont. Der Tourismusverbandsobmann ist zugleich Obmann des MSC (Motorsportclub Unterland), der den Corso seit über drei Jahrzehnten organisiert.

Start mit ein paar geschmückten Oldtimern

Willi Steindl trat in die Fußstapfen seines Vaters Paul († 2020), der die Veranstaltung gemeinsam mit Toni Kahlbacher, Toni Widmoser und weiteren Gleichgesinnten im Jahr 1994 aus der Taufe hob. Alles begann mit ein paar geschmückten Autos, die mit heimischen Blumen dekoriert wurden, erinnert sich auch Willi Steindls Mutter Ingrid, die vom ersten Tag an mit im Boot war. Die Musikkapelle Kirchberg schloss sich der Gruppe an und begleitete den bunten Corso.

In den nächsten Jahren wurde die Organisation des Blumencorso von „Schneewalzer“ Pepi Jenewein übernommen. Mit neuen Ideen brachte er frischen Wind in die Veranstaltung. Die Teilnehmer begannen, Motive aus Styropor zu fertigen und diese mit farbenfrohen Blüten aus Holland zu verzieren. Der Start der Parade wurde zur Talstation des Gaisbergliftes verlegt, und der Umzug führt seither durch den gesamten Ortskern.

„Der Vater hat sich in die Organisation richtig hineingekniet. Wir haben das als Familie immer mitgetragen“, erinnert sich Willi Steindl, der auch heute noch jedes Jahr am Lenkrad seines Oldtimer-Traktors mitfährt und sich gemeinsam mit seiner Familie monatelang Gedanken über eine passende Figur macht. Von einer Maus über eine Almhütte bis hin zu einer Kathedrale oder einem Elefanten war dabei schon alles vertreten.

Ingrid Steindl hat seit dem ersten Corso hunderttausende Blüten gesteckt. „Mein Mann Paul hat damals in Seefeld den Blumencorso gesehen und hatte dann die Idee, auch in Kirchberg so etwas zu organisieren“, erinnert sie sich. War bei den ersten Veranstaltungen noch vieles improvisiert, entwickelte sich das Fest rasch weiter. „Damals haben wir uns die Figuren noch in Seefeld ausgeliehen“, erzählt sie. Anfangs seien vor allem Hotelbetriebe beteiligt gewesen, inzwischen engagieren sich zahlreiche Institutionen und Firmen.

Bis zu 400 Blüten pro Quadratmeter

Die Teilnehmer überlegen schon Monate im Voraus, welche Motive sie gestalten wollen. Einige fertigen maßstabgetreue Skizzen an, andere bauen „frei Schnauze“ und messen die Figuren anschließend aus. Je nach Größe der Blüten kommen 300 bis 400 Blumen auf einem Quadratmeter zum Einsatz. Zwei Tage vor dem Corso werden sie in stundenlanger Arbeit von Teilnehmern, Freunden und Bekannten mit U-förmigen Drahtklammern in die Styroporfiguren gesteckt.

Die Blumen werden in Holland bestellt und wenige Tage vor dem Corso verteilt. Zudem gibt es eine rege Blumentauschbörse. Wie Ingrid Steindl betont, handelt es sich bei den importierten Blumen um ein „Abfallprodukt“, das in den Niederlanden entsorgt würde. Auch die Styroporfiguren werden nach der Veranstaltung recycelt.

„Unser Blumencorso ist einzigartig, weil er das ganze Dorf zusammenführt. Von jeder Familie ist jemand mit dabei“, erklärt Steindl. Natürlich sei es viel Arbeit, „aber wenn ich dann auf dem Traktor durchfahre und die Leute uns zuwinken, ist das schon etwas Einzigartiges“.

Eine Herausforderung ist jedes Jahr auch die Suche nach einer neuen Figur. „Es ist nicht ganz einfach, immer wieder etwas zu finden, das passt“, sagt Steindl und betont, „dass jede Figur auf ihre Weise einzigartig und schön ist.“ Aus diesem Grund haben die Organisatoren inzwischen bewusst auf Prämierungen verzichtet – nachdem es in den Anfangsjahren darüber immer wieder hitzige Diskussionen gegeben hatte.

Eines aber ist klar: „Politische Motive sind unerwünscht“, so Steindl, der sich bereits auf den 34. Blumencorso am 15. August 2026 freut.

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