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Kitzbüheler Anzeiger

Oh du (schein-)heilige Fastenzeit

Margret Klausner

Bald sind wir schon im dritten Monat des Jahres und immer noch erstaunlich gut im Verzichts-Modus. Der Jänner war schließlich der perfekte Jahresauftakt. Unser moralisches Aufwärmprogramm. Denn kaum war das letzte Silvester-Glaserl ausgetrunken, wurde der „Dry January“ ausgerufen. Nüchtern betrachtet „a trockene Baustell‘“, aber die Generalprobe für alles, was noch kommt. Und wer einmal schwächelte, konnte sich damit trösten, dass es eh nur das Warm-up war.

Dann kam Fasching: ein kurzes, frittiertes Intermezzo mit dem Krapfen als letzte Bastion der Unvernunft. Eine puderzuckrige Versuchung, bevor die Fastenzeit offiziell eingeläutet wurde.

Vierzig Tage Verzicht
Ursprünglich als Vorbereitung auf Ostern gedacht. Innehalten. Nachdenken. Beten. Sich selbst prüfen. Weniger Lärm, mehr Sinn. Da ging‘s um Entbehrung, Zurückhaltung, um Bewusstseinsbildung und um die Frage: Was brauche ich wirklich?

Heute wirkt es eher wie ein öffentliches Zur-Schau-Stellen der eigenen Askese. Ja, man verzichtet, aber nur wenn genügend Publikum zuschaut. Detox hier. Detox da – mit täglichem Status-Update und treuer Followerschaft. So bleiben wir also zuckerfrei, ohne Fleisch, Gluten oder Plastik. Und Kaffee gibt’s auch nur noch mit moralischem Beipackzettel ...

Dabei ging‘s früher gar nicht darum, den Körper zu optimieren oder eine perfekte Vorher-Nachher-Story zu liefern, sondern darum, die äußeren Reize einmal nach innen zu lenken.

Apropos Reiz
Ich persönlich finde ja: Wenn schon Fasten, dann Handyfasten. Digital Detox. Endlich mal ein Verzicht, der Sinn macht. Kein unkontrolliertes Dauerscrollen mehr, kein „die Flammen dürfen nicht erlöschen“-Druck und keine anonymisierten Kommentare von Menschen, die ein Fischstäbchen als Profilbild nutzen. Einfach Handy aus – und plötzlich hört man sie wieder: die eigene Kaffeemaschine. Und die eigenen Gedanken.

Mein Essverhalten aber bleibt. Meine Zuckerzufuhr auch. Das ist kein Luxus, sondern mein gesellschaftlicher Beitrag für ein friedvolles Miteinander. Denn was hilft es meinem Umfeld, wenn ich gleichzeitig faste und schlechte Laune verbreite? Ein Schokoriegel weniger macht mich nicht erleuchtet, höchstens unausstehlich. Aber auf sinnbefreite Dauerbeschallung kann ich gut und gerne verzichten.

Vielleicht heißt Fasten ja auch genau das: den Überfluss nicht weiter zu füttern. Vor allem nicht mit Aufmerksamkeit. Also Handy aus. Denkmodus an. Und der Schokoriegel darf bleiben. Zumindest für mich. Der ist mir nämlich heilig.

Das ist meine Meinung zu diesem Thema:

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