
Österreichweit einmalig: Erster patientenfreundlicher KI-gestützter Entlassungsbrief im Bezirkskrankenhaus St. Johann
Das Bezirkskrankenhaus St. Johann setzt künftig auf Entlassungsbriefe, die mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt werden – unter voller ärztlicher Verantwortung, mit zwei unterschiedlichen Versionen für Ärzte und Patienten und ohne Weitergabe sensibler Daten außerhalb des Krankenhauses. Am Donnerstag wurde die bahnbrechende Neuerung präsentiert.
Damit ist das Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol das erste Krankenhaus in Österreich, das einen KI-gestützten Entlassungsbrief regulär einführt. Gleichzeitig ist es das erste Haus im DACH-Raum, das mithilfe Künstlicher Intelligenz zwei zielgruppenspezifische Versionen eines Entlassungsbriefes ermöglicht: eine fachlich optimierte Version für weiterbehandelnde Ärzt:innen sowie eine leicht verständliche, patientenfreundliche Version für Patienten. Das alles ist in verschiedenen Fremdsprachen vorgesehen – ein wichtiger Mehrwert für eine stark touristisch geprägte Region wie den Bezirk Kitzbühel. Nach Abschluss einer intensiven Test- und Entwicklungsphase wird das System nun kontrolliert und schrittweise in den klinischen Alltag integriert. Ziel ist es, die neue Technologie verantwortungsvoll in bestehende Abläufe einzubetten und kontinuierlich weiterzuentwickeln – nicht eine sofortige Umstellung aller Entlassungsbriefe.
Mehr Zeit für Medizin – kürzere Wartezeiten bei der Entlassung
Krankenhäuser stehen angesichts steigender Patientenfrequenzen und eines hohen administrativen Aufwands vor großen Herausforderungen. Gerade der Entlassungsprozess ist für Patient:innen oft mit langen Wartezeiten verbunden. Entlassungsbriefe müssen erstellt, geprüft und freigegeben werden.
Hier setzt die KI-Unterstützung im Bezirkskrankenhaus St. Johann gezielt an: Durch die automatisierte Vorarbeit bei der Dokumentation kann dieser letzte Schritt im Krankenhausaufenthal deutlich beschleunigt werden. Patienten profitieren von klareren Informationen und perspektivisch kürzeren Wartezeiten, während Ärzte spürbar von administrativen Tätigkeiten entlastet werden.
„Künstliche Intelligenz ist für uns kein Ersatz für medizinische Expertise, sondern ein Werkzeug zur Entlastung. Sie kommt ausschließlich dort zum Einsatz, wo sie nachweislich Zeit spart, Qualität erhöht und den klinischen Alltag vereinfacht. Die medizinische Verantwortung bleibt dabei uneingeschränkt beim Fachpersonal“, betont Primar Peter Rainer.
Die gewonnene Zeit wirkt sich unmittelbar auf die Qualität der medizinischen Versorgung aus. Weniger Dokumentationsaufwand bedeutet mehr direkte Behandlungszeit, mehr ärztliche Routine und damit auch mehr Erfahrung im klinischen Alltag. Davon profitieren sowohl Patienten als auch das gesamte Versorgungssystem.
KI entlang des gesamten Behandlungspfades
Das Bezirkskrankenhaus St. Johann zählt seit 2008 zu den ersten vollständig digitalisierten Krankenhäusern Österreichs. Mit der Zusammenarbeit mit der Symptoma GmbH, einem international ausgezeichneten Anbieter von KI-Lösungen im Gesundheitswesen, wurde dieser Weg konsequent weitergeführt.
Ziel ist eine schrittweise KI-Unterstützung entlang des gesamten Behandlungspfades – von der Aufnahme über die Behandlung bis zur Entlassung. Im Klinikalltag erfassen Patienten ihre Beschwerden digital, die KI strukturiert die Angaben, stellt gezielte Rückfragen und unterstützt das Arztgespräch durch eine übersichtliche Zusammenfassung. Auf Wunsch wird das Gespräch KI-gestützt dokumentiert, der Ambulanzbefund vorbereitet und der Fall gesetzeskonform kodiert.
Der Entlassungsbrief wird anschließend KI-gestützt entworfen und von Ärzten geprüft und freigegeben. Auch hier gilt: Die KI unterstützt, entscheidet aber nicht. Symptoma-Gründer Jama Nateqi erklärt: „Das Zwei-Versionen-Prinzip beim Entlassungsbrief ist ein entscheidender Schritt für bessere Kommunikation zwischen Krankenhaus, Ärzt:innen und Patient:innen – fachlich präzise und zugleich verständlich. Die Möglichkeit, Inhalte künftig auch in mehreren Sprachen bereitzustellen, ist gerade für internationale Patient:innen ein großer Fortschritt.“
Datenschutz und Verantwortung als klare Leitplanken
Der Schutz sensibler Gesundheitsdaten hat im Bezirkskrankenhaus St. Johann oberste Priorität, wie die Datenschutz-Beauftragte Kristina Tomic betont. Die eingesetzte KI wird ausschließlich innerhalb der Krankenhausinfrastruktur betrieben. Es erfolgt keine Übertragung von Patientendaten in externe Clouds oder an Dritte. „Dieser Ansatz erfordert bewusst höhere Investitionen in lokale Infrastruktur. Für uns ist das die Voraussetzung, um Datensouveränität, Sicherheit und das Vertrauen der Patient:innen sicherzustellen", so Tomic. Alle KI-Projekte werden zudem wissenschaftlich begleitet. Die KI erstellt ausschließlich Vorschläge – medizinische Entscheidungen treffen ausschließlich Ärzt:innen.
Strategische Weiterentwicklung des Krankenhauses
Verwaltungsdirektor Christoph Pfluger unterstreicht die strategische Bedeutung des Projekts: „Unser Ziel ist es, die massive administrative Belastung im Krankenhaus nachhaltig zu reduzieren. Die KI-Unterstützung ist keine kurzfristige Maßnahme, sondern Teil einer langfristigen Strategie, die wir Schritt für Schritt umsetzen, um Prozesse effizienter zu gestalten und die Versorgungsqualität dauerhaft zu sichern.“ Gleichzeitig stärke der Einsatz moderner Technologien die Attraktivität des Bezirkskrankenhauses St. Johannals Arbeitgeber. Ein innovatives Arbeitsumfeld mit weniger Bürokratie ist ein entscheidender Faktor im Wettbewerb um qualifiziertes Gesundheitspersonal.
Attraktiver Arbeitgeber und Innovationsmotor
Ärzte, Pflegekräfte und Mitarbeitende arbeiten lieber in einem Umfeld, das administrative Belastungen reduziert, Innovation aktiv gestaltet und mit der Zeit geht, so die Erfahrung der Spitalsführung. Darüber hinaus sind die KI-Projekte bewusst als Modellprojekte angelegt. Die in St. Johann gewonnenen Erfahrungen sollen in weiterer Folge auch in anderen Krankenhäusern genutzt werden. Damit positioniert sich das Haus nicht nur als regionaler Versorger für rund 80.000 Menschen, sondern auch als Innovationsmotor im österreichischen Gesundheitswesen.
Rückenwind aus Politik und Eigentümerschaft
Tirols Digitalisierungs-Landesrat Mario Gerber sieht im Projekt ein starkes Signal: „Mit diesem innovativen KI-Projekt zeigt das BKH St. Johann eindrucksvoll, wie digitale Technologien im medizinischen Alltag einen echten Mehrwert schaffen – sowohl für Ärzte als auch für Patienten. Damit übernimmt das BKH St. Johann eine Vorreiterrolle und unterstreicht Tirols Anspruch, Digitalisierung verantwortungsvoll und praxisnah einzusetzen. Der erste KI-generierte Arztbrief ist ein wichtiger Schritt hin zu einer modernen, effizienten und zugleich verständlichen Kommunikation im Gesundheitswesen.“