
Nikolaus mit Leib und Seele
Aus seinem rot-goldenen Buch liest er die großen und kleinen Schandtaten der jungen Jochberger vor. Er spricht mahnende Worte und verteilt anschließend kleine Geschenke, während der Krampus im Hintergrund furchteinflößend mit den Ketten rasselt. Der Besuch des Nikolaus im elterlichen Wohnzimmer hat für viele Kinder auch heute noch nichts an seiner Faszination verloren. „Der Nikolaus wird alle Jahre schon sehnsüchtig erwartet – nach wie vor mit großem Respekt“, wie Fritz Noichl
lächelnd zu erzählen weiß.
Krampus rasselt mit den Ketten
In der Gestalt eines katholischen Bischofs stapft der ehemalige Schützenkommandant und Langzeit-Obmann der Jochberger FPÖ alljährlich am Abend des 5. Dezember durch den Schnee und besucht auf Wunsch der Eltern die Kinder zu Hause. Wie es die Tradition will, im roten Samtumhang, mit weißem Rauschebart, Bischofsstab und Mitra – und in Begleitung eines Krampus. Fürchtet sich ein Kind vor dem zotteligen Begleiter, muss dieser draußen bleiben.
Seit einem Zwischenfall vor vielen Jahren wartet der Krampus bevorzugt im Auto, wie von Noichl schmunzelnd zu erfahren ist. „Damals sollte ein Teufel mit Ketten und Rute vor einem Kinderzimmerfenster hin- und hergehen und damit einem Buben ein bissl Angst einflößen. Stattdessen hat der Krampus die Aufmerksamkeit von fünf Schäferhunden des benachbarten Hundezüchters auf sich gezogen.“
Krampus floh vor Schäferhunden
Der Krampus brachte sich panikartig vor den bellenden und knurrenden Vierbeinern in
Sicherheit und floh ins Auto. Was er nicht wusste: „Die Hunde waren ohnehin im Zwinger und konnten ihm nichts anhaben“, lachte Noichl.
Er selbst begann seine Langzeit-Karriere als Nikolo ungewöhnlich früh im jungen Alter von 18 Jahren. Weil er zu jener Zeit bei der Heimatbühne Kitzbühel Theater spielte, habe ihn der Jochberger Bürgermeister kurzerhand engagiert, schildert Noichl. Seine „Lehrzeit“ verbrachte er zunächst im örtlichen Altersheim, wo er die Senioren mit seinem Besuch erfreute. Dann kamen immer mehr Familien dazu, bis Fritz Noichl schließlich als einziger Nikolaus von Jochberg übrig blieb.
„Die Kinder, die ich als junger Nikolaus aufgesucht habe, sind mittlerweile Großeltern geworden. Jetzt freuen sich ihre Enkel, wenn ich komme.“
Fritz Noichl, Langzeit-Nikolaus in Jochberg
Straffe Organisation
Von frühestens 16 Uhr bis spätestens 19.30 Uhr absolviert er bis heute seine Hausbesuche. Um zeitliche Kollisionen zu vermeiden, ist im Vorfeld eine ausgeklügelte Organisation notwendig, denn der Nikolaus kommt pünktlich auf die Minute ins Haus. Geschenke und Texte zum Vorlesen müssen zu diesem Zeitpunkt fixfertig hergerichtet sein. Auf verspätetes Eintreffen von Familienmitgliedern könne er keine Rücksicht nehmen, hält der erfahrene Nikolaus fest. „Andernfalls kann ich die Termine der nachfolgenden Hausbesuche nicht einhalten. Sie würden sich zeitlich nach hinten verschieben“.
Spenden für karitativen Zweck
Mittlerweile ist sein ehrenamtlicher Einsatz – Spenden stellt er stets für karitative Zwecke im Dorf zur Verfügung – schon generationsübergreifend. „Die Kinder, die ich als junger Nikolaus besucht habe, sind jetzt Großeltern. Jetzt freuen sich ihre Enkel, wenn ich ins Haus komme.“
Mitglieder der eigenen Familie stehen ihm unterstützend zur Seite. Im Krampuskostüm steckt entweder Sohn Helmut oder einer der Enkel. „Nur den Nikolaus wollen sie nicht geben“, bedauert Fritz Noichl, der weitermachen will, solange es ihm die Gesundheit erlaubt. Wohl zur Freude seiner Urenkelin, die im Vorjahr den Nikolaus auf Anhieb als ihren „Urli-Opa“ entlarvte.

Fritz Noichl, Jahrgang 1954, ist im Jochberger Dorfleben überaus aktiv: Der FPÖ-Langzeit-Obmann (1986-2015) war 24 Jahre im Gemeindevorstand vertreten, davon 12 Jahre als Vizebürgermeister. 27 Jahre war er Hauptmann der Schützenkompanie, außerdem ist er Mitglied im Kameradschaftsbund, bei den Eisschützen sowie passionierter Nikolaus.