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Kitzbüheler Anzeiger
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Amtsübergabe bei den Roten Teufeln Kitzbühel: Ernst Hinterseer (r.) übertrug die Leitung der legendären Skischule mit Saisonbeginn an den Reither Andreas Reicht.

Neues Kapitel für Rote Teufel

Sie gehören zum Ort wie der Hahnenkamm, die Gams und der rote Skilehrerpullover: die „Roten Teufel Kitzbühel“. Seit beinahe hundert Jahren prägt die Skischule das Bild des Wintersports in der Gamsstadt – nun beginnt ein neues Kapitel. Ernst Hinterseer hat die wohl berühmteste Kitzbüheler Skischule in die Hände von Andreas Reicht übergeben. Der Generationenwechsel war bereits länger geplant und gut vorbereitet.

„Ich musste nicht lange überlegen, als mir Ernst das Angebot gemacht hat“, erzählt Andreas Reicht. Der gebürtige Reither ist kein Quereinsteiger, sondern ein Mann aus den eigenen Reihen: Schon mit 16 Jahren absolvierte er seine erste Ausbildung zum Skilehrer, durchlief alle Stufen bis zum staatlichen Skilehrer und Skiführer, arbeitete als Trainer (u.a. von Linus Strasser), war Heimlehrer in St. Christoph und später technischer Leiter der Roten Teufel. „Ich bin da hineingewachsen. Für mich ist das nichts völlig Neues – nur die Verantwortung ist jetzt größer.“

Große Fußstapfen als Motivation
Seine Aufgabe ist keine leichte. Die Geschichte und Tradition der Skischule Kitzbühel Rote Teufel reicht bis ins Jahr 1927 zurück. Karl Koller legte den Grundstein, der Künstler Alfons Walde entwarf die berühmten Plakate, rote Pullover und Zipfelmützen wurden zum Markenzeichen einer ganzen Branche. Namen wie Sailer, Koller und Hinterseer machten die Skischule weit über Tirol hinaus bekannt. „Diese Tradition war für mich nicht abschreckend, sondern Motivation“, betont Reicht. „Mir ist bewusst, dass ich in große Fußstapfen trete.“

Ernst Hinterseer, der die Skischule von 2011 bis 2025 führte und großen Anteil an ihrem heutigen Erfolg hat, blickt mit Gelassenheit auf den Wechsel. „Irgendwann reicht’s. Man wird älter und dann ist es gut, wenn jemand übernimmt, der das Haus kennt, dem man vertraut und der die Philosophie weiterträgt.“

Das Skischulwesen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Große Erwachsenengruppen sind selten geworden, Individualunterricht ist gefragt. Gäste buchen kurzfristiger, bleiben kürzer und wollen in wenigen Tagen möglichst viel lernen, erinnert sich Hinterseer. Gleichzeitig steigen Anspruch und Tempo. „Die modernen Ski machen das Lernen schneller, aber auch gefährlicher“, erklärt Reicht. Sicherheit sei deshalb ein zentrales Thema.

„Ich freue mich darauf, den Winter von einer anderen Seite kennenzulernen und den einen oder anderen privaten Skitag zu erleben.“

Ernst Hinterseer, ehem. Skischulleiter

Die Herausforderungen haben sich geändert
Auch der Arbeitsmarkt hat sich gewandelt. Während früher viele Einheimische Skilehrer wurden, kommen heute zahlreiche Lehrkräfte aus dem Ausland. „Früher hat sich beinahe jeder Einheimische als Skilehrer etwas Geld dazu verdient. Heute macht das so gut wie niemand mehr. Das macht es für uns nicht einfacher. Es ist nicht schwer, genug Skilehrer zu finden, aber sie alle unterzubringen, das ist ein großes Problem“, gibt Reicht offen zu. Wohnraum ist zu einem der größten Engpässe geworden. Organisation, Personalmanagement und rechtliche Vorgaben sind inzwischen fast so anspruchsvoll wie der Skibetrieb selbst.

Bis zu 180 Skilehrer sind zu Hochzeiten bei der Skischule Kitzbühel Rote Teufel beschäftigt, in der übrigen Saison sind es immer noch an die Hundert.
Gleichzeitig haben sich die Gäste verändert. Sie kommen oft gestresster an, wollen in kurzer Zeit möglichst viel erleben, sind anspruchsvoller und vergleichen stärker. „Der Skilehrer ist für viele der wichtigste Ansprechpartner im Urlaub“, sagt Hinterseer. „Er entscheidet mit, ob Gäste wiederkommen.“ Kommunikation, pädagogisches Geschick und Verantwortung sind heute ebenso wichtig wie Technik.

Zeit als Skilehrer prägend für das Leben
Trotz aller Veränderungen bleibt der Kern gleich. „Wir wollen keine Eventagentur sein“, sagt Reicht. „Wir sind eine Skischule. Wir wollen den Menschen Skifahren beibringen – oder sie besser machen. Der persönliche Kontakt, die Sicherheit und die Freude am Skifahren stehen im Mittelpunkt“, betont Reicht.

Aber nicht nur die Gäste, auch die jungen Skilehrer profitieren von ihrer Zeit in Kitzbühel. Für viele von ihnen ist es das erste Mal, dass sie von zu Hause weg sind, sich den Alltag selbst organisieren müssen, mit Menschen arbeiten und für ihre Sicherheit verantwortlich sind. „Als Skilehrer lernt man fürs Leben. Zu Beginn sind die meisten eher schüchtern und zurückhaltend. Eine Saison macht ganz andere Menschen aus ihnen. Sie sind viel selbstbewusster, reifer und wissen, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen – nicht nur für die Sicherheit, sondern dafür, dass sich der Gast wohlfühlt und den Urlaub positiv in Erinnerung behält“, erzählt Hinterseer.

„Ich möchte die Tradition der Roten Teufel Kitzbühel in Ehren halten und freue mich auf die Herausforderungen der Zukunft.“

Andreas Reicht, neuer Skischulleiter

Skifahren bleibt ein großes Hobby
Auch wenn es der Skischule Kitzbühel Rote Teufel gut geht, warten in der Zukunft dennoch einige Herausforderungen auf Andreas Reicht: Klimawandel, veränderte Wetterlagen, steigende Kosten und zunehmende Digitalisierung verlangen Anpassungsfähigkeit. Schneesicherheit ist dank der modernen Beschneidung kein Thema mehr, aber das Vertrauen der Gäste in Qualität, Verlässlichkeit und Authentizität muss dennoch jedes Mal aufs Neue hart erarbeitet werden.

Ernst Hinterseer blickt der Zukunft unterdessen mit Freude entgegen. Als Skischulleiter blieb ihm kaum Zeit, um selbst über die Pisten zu wedeln. Das will er nun nachholen. „Seit ich 1989 als Skilehrer angefangen habe, hatte ich jeden Winter eine Sieben-Tage-Woche. Jetzt freue ich mich darauf, den Winter von einer anderen Seite kennenlernen und ab und zu auch einmal privat Skifahren gehen zu können. Natürlich stehe ich Andi weiterhin mit Rat und Tat zur Seite, denn von heute auf morgen ganz aufhören, das ist auch nicht so einfach.“

Geschichte: Die Roten Teufel von Kitzbühel

Die Wurzeln der Skischule Kitzbühel reichen bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zurück. Zu Beginn prägten zwei Skischulen den Ort, 1925 entstand die Idee, beide zu vereinen und die einheitliche Skischule Kitzbühel wurde gegründet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Sepp Sailer die Leitung und prägte sie über Jahrzehnte. 1950 übergab er die Skischule in den von Karl Koller gegründeten „Verein der Kitzbüheler Skilehrer und Bergführer“. In Zusammenarbeit mit dem Künstler Alfons Walde entstand das berühmte Motiv des „Roten Teufels“, die einheitlichen roten Pullover wurden zum Markenzeichen.

300 Skilehrer zur Hochsaison
In den folgenden Jahrzehnten wechselte die Leitung mehrfach: Toni Hofer wurde 1975 Skischulleiter, 1985 folgte Rudi Sailer. In den 1980er-Jahren erreichte die Skischule mit rund 300 Skilehrern und fast 100.000 Schülern pro Saison einen historischen Höchststand. Nach der Aufhebung des Skischulmonopols 1989 entstanden weitere Skischulen im Ort, dennoch behaupteten die Roten Teufel ihre führende Rolle.

2005 kam es zum erneuten Zusammenschluss der Kitzbüheler Skischulen unter dem Namen „Skischule Kitzbühel Rote Teufel“. Nach weiteren gesetzlichen Änderungen übernahm Ernst Hinterseer jun. im Jahr 2011 die Skischule und führte sie bis heuer.