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Kitzbüheler Anzeiger
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Am Neubauweg in St. Johann wurde eine neue Mittelinsel mit Parkleitsystem errichtet.

Mit smarter Technik gegen das Chaos

Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz ist aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken – auch auf den Straßen sind KI-gestützte Verkehrs- und Parkleitsysteme längst gang und gäbe. Die Gemeinde St. Johann – und hier vor allem der Leiter der IT, Stefan Brandtner, sowie der Leiter der Abteilung Tiefbau, Alexander Hronek – haben sich in den vergangenen Jahren intensiv mit diesem Thema befasst. Gerade in St. Johann mit den vielen Schulen, dem Bezirkskrankenhaus oder auch der Kaserne steht das Thema Verkehr stets im Mittelpunkt.

Statt kostspieliger baulicher Maßnahmen entschieden sich die St. Johanner früh für einen digitalen Ansatz. Herzstück des seit rund zwei Jahren laufenden Systems sind etwa 25 im Ortsgebiet installierte Kameras mit KI-Erkennungssoftware, die den Verkehr erfassen. Erstmals standen damit realitätsnahe und laufend aktuelle Verkehrsdaten zur Verfügung. Nun wurde das System um einen weiteren Meilenstein erweitert, wie Alexander Hronek informiert.
Kameras erfassten gefährliche Situationen

Vor wenigen Wochen wurden am Neubauweg zusätzliche Maßnahmen umgesetzt. „Speziell im Zufahrtsbereich des BTV-Parkplatzes beziehungsweise der Schulen wurden durch die KI-Kameras immer wieder gefährliche Situationen erfasst“, schildert Hronek. „Auf Basis dieser Daten und der darauffolgenden Gespräche mit Verkehrsplanern wurde das Projekt schließlich ausgearbeitet.“ Besonders in diesem Bereich sei es unter anderem durch Geisterfahrten entgegen der Einbahnregelung brisant. Er selbst habe mehrfach beobachtet, wie Verkehrsteilnehmer falsch in diesen Bereich einfuhren, so Hronek.

Als Reaktion darauf wurde eine Mittelinsel errichtet, die den Verkehr klar trennt, die Geschwindigkeit reduziert und Ein- sowie Ausfahrt eindeutig kanalisiert. Eine zweite Verkehrsinsel im Bereich der Feuerwehrzone verhindert zusätzlich unerlaubtes Ein- und Ausfahren über diesen Abschnitt. Ergänzend wurde eine neue Straßenlaterne installiert, um die bislang schlecht ausgeleuchtete Kreuzung sicherer zu machen. Ziel ist es, mehr Abstand zwischen Autos, Radfahrern und Fußgängern zu schaffen – insbesondere zum Schutz von Schulkindern. Weitere Maßnahmen betreffen die Schließung einer problematischen Ausfahrt über den Radweg im Bereich der Tiroler Versicherung, die aus Sicherheitsgründen mit Pollern gesperrt wurde.

Digitales Parkleitsystem

Parallel dazu wurde das digitale Parkleitsystem weiter ausgebaut. Mehrere große sogenannte Überkopf-Anzeigetafeln, die bereits seit längerer Zeit im Einsatz sind, zeigen die Gesamtzahl freier Parkplätze im Ort an und leiten zu wichtigen Zielen. Zusätzlich informieren mehrere kleinere digitale Tafeln im Ortskern über die aktuelle Auslastung einzelner Parkflächen. Auch am Neubauweg wurde auf der Verkehrsinsel ein Parkleitsystem errichtet. Dieses soll vor allem Besucher von St. Johann gezielt lenken: Ist der BTV-Parkplatz voll, wird als Alternative der rund 100 Meter entfernte Brunnen-Parkplatz angezeigt.

Bestimmte zentrale Parkplätze werden dabei bewusst nicht beworben, um Langzeitparker in periphere Bereiche zu lenken und den Verkehr aus dem Ortszentrum herauszuhalten. Unterstützt wird diese Strategie durch eine Anpassung der Parkgebühren, die Kurzzeitparken im Zentrum fördert und Tagesparker gezielt auf günstigere Außenparkplätze verweist.

Erste Auswertungen zeigen, dass sich das Parkleitsystem bewährt hat: Periphere Parkplätze werden besser genutzt, der Parkplatzsuchverkehr im Ortskern ist rückläufig. Auch der morgendliche Verkehr konnte durch angepasste Schulbeginnzeiten entzerrt und Staus deutlich reduziert werden. Die jüngst errichteten Verkehrsinseln sind erst seit kurzer Zeit in Betrieb, ihre Wirkung wird nun laufend evaluiert, so Hronek.

Digitales Verkehrssystem sorgt für Sicherheit in St. Johann

Bereits seit mehreren Jahren setzt die Marktgemeinde St. Johann auf ein KI-gestütztes Verkehrsoptimierungs- und Leitsystem, das bei seinem Start vor einigen Jahren einzigartig in Österreich war. Ziel des Projekts ist es, den stetig zunehmenden Verkehr – täglich passieren bis zu 30.000 Fahrzeuge die Loferer Bundesstraße – besser zu steuern, unnötige Fahrten zu vermeiden und die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Initiiert wurde das Projekt vom Leiter der IT-Abteilung Stefan Brandtner und dem für Straßen zuständigen Alexander Hronek – beide Mitarbeiter der Gemeinde – sowie Andreas Franze von Regio Tech. Statt kostspieliger baulicher Maßnahmen entschied man sich früh für einen digitalen Ansatz. Herzstück des Systems sind 25 im Ortsgebiet installierte Kameras mit KI-Erkennungssoftware, die den Verkehr erfassen und Fahrzeugarten wie Autos, Fahrräder, E-Scooter oder Fußgänger unterscheiden. Gespeichert werden ausschließlich anonymisierte Daten, Datenschutzbedenken bestehen laut Gemeinde nicht.

Erstmals standen damit realitätsnahe und laufend aktuelle Verkehrsdaten zur Verfügung. Diese bildeten die Grundlage für konkrete Maßnahmen: So wurde etwa rund um die Schulen am Neubauweg ein digitaler Zwilling der Kreuzung erstellt, um verschiedene Verkehrsvarianten zu simulieren. Die Auswertung zeigte, dass eine Entzerrung des morgendlichen Verkehrs die Sicherheit deutlich erhöht. In der Folge wurden die Schulbeginnzeiten angepasst – eine Maßnahme, die sich bewährt hat.

Auch in der Kaiserstraße führten die Analysen zu Änderungen: Das Rechtsabbiegen bei der Ecke Café Rainer wurde untersagt, nachdem sich dort wiederholt gefährliche Situationen ergeben hatten. Ergänzend wurde ein sogenannter Knotenstrombelastungsplan erstellt, der etwa auch bei der Verkehrsführung rund um den Recyclinghof hilft und Anpassungen bei Öffnungszeiten ermöglicht.

Seit über einem Jahr informieren zudem digitale Anzeigentafeln an vier zentralen Punkten über freie Parkplätze, Straßensperren oder aktuelle Verkehrslagen. Die Daten dafür liefern die Kameras in Echtzeit. Die Erkennungsgenauigkeit des Systems konnte von anfänglich rund 90 auf mittlerweile 99 Prozent gesteigert werden. Erste Updates haben zudem die Lesbarkeit der Tafeln und die Parkplatzregelungen weiter verbessert.
Das Projekt gilt als Leuchtturm der Digitalisierung und wurde vom Land Tirol entsprechend gefördert. Auch Landesrat Mario Gerber bescheinigt dem System regionale wie überregionale Bedeutung. Das Potenzial sei noch lange nicht ausgeschöpft, betonen die Projektverantwortlichen. Mit der stetigen Erweiterung des Systems wurden immer weitere Schritte gesetzt. Sofern es die budgetären Rahmenbedingungen erlauben, geht es in den nächsten Jahren weiter. Die laufend aktualisierten Verkehrsdaten sind für Interessierte über eine „Storymap“ auf der Website der Gemeinde öffentlich einsehbar.

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