
Kitzbühel hat an Gästen zugelegt. Damit die Kurve im Sommer weiter ansteigt, sollen Angebot und Infrastruktur attraktiviert werden.
Mehreinnahmen für Infrastruktur und Gästekarte
Der Aufschrei der Vermieter blieb aus. Wer sich von der jüngsten TVB-Vollversammlung, die im Grand Tirolia tagte, eine hitzig geführte Debatte erwartete, wurde enttäuscht. Abgesehen von einigen wenigen kritischen Einwänden und Fragen, die vorgebracht wurden, schien der Großteil der Mitglieder durchwegs für die vorgeschlagene Anhebung der Ortstaxe von 3,50 Euro auf 5 Euro zu sein.
Mehrheit war für Anhebung
Das Abstimmungsergebnis spiegelte die Zustimmung der Vermieter deutlich wider: 95 Prozent, berechnet nach Stimmgruppen, bzw. 72 Prozent der abgegebenen Stimmen, sprachen sich demnach für die Anhebung der Nächtigungsabgabe auf das in Tirol zulässige Maximum von fünf Euro aus. Mit Stichtag 1. Februar 2026 wird die Erhöhung in Kraft treten.
Höchste Kurtaxe in Tirol
In Tirol ist Kitzbühel Tourismus damit – nach St. Anton, dem Ötztal und Kappl (Region Paznaun-Ischgl) – erst der vierte Verband, der den Schritt an die Obergrenze gegangen ist.
Wie berichtet, hatte der Aufsichtsrat schon im Vorfeld auf Grundlage eines einstimmigen Beschlusses den TVB-Mitgliedern die Erhöhung empfohlen. „Durch die Novelle der Tourismusfinanzierung – Absenkung der Pflichtbeiträge in jenen Branchen, die nicht direkt vom Tourismus profitieren – fehlen den Verbänden Einnahmen“, erläuterte Paul Tolloy, Leiter der Tourismusabteilung des Landes. Kompensiert würden die fehlenden Einkünfte durch die Anhebung der Ortstaxen.
„Für die DP World Tour wurde der Golfplatz Kitzbühel-Schwarzsee weiter verbessert und auf internationalen PGA-Turnierstandard aufgewertet.“
Christian Harisch, Obmann Kitzbühel Tourismus
Christian Harischs Angaben zufolge erhofft sich Kitzbühel Tourismus durch die neue Maßnahme künftig Mehreinnahmen von 1,2 Millionen Euro im Jahr, die vorrangig in die Attraktivierung der Sommersaison fließen sollen. Einen „Meilenstein“ stellt für den Obmann dabei die neue Sommercard dar. Sie soll den Gästen von Kitzbühel, Reith, Aurach und Jochberg den Zugang zum Berg erleichtern – in Form von kostenlosen Beförderungen durch die Bergbahn AG. Harisch: „Pro Tag und Person eine Berg- und Talfahrt ab dem ersten Tag des Aufenthalts“.
Gratis-Nutzung in vier Sommermonaten
Das Angebot gilt allerdings nicht über die gesamte Saison, sondern lediglich in vier von sechs Sommermonaten – im Mai und Juni sowie im September und Oktober. „Sonder- und Abendfahrten sowie der Transport von Bikes fallen nicht unter dieses Angebot“, so Harisch weiter. Für Zweitwohnsitze gelte es nicht.
Insgesamt ein Pilotprojekt, das auch Bergbahn-Chef Anton Bodner mit Spannung erwartet. Seine anfängliche Skepsis gegenüber diesem Vorhaben habe er längst überwunden. „Jetzt bin ich begeistert, weil wir ein Instrument für die Belebung der Vor- und Nachsaison geschaffen haben.“
Erweiterung auf Juli und August?
Die Vereinbarung zwischen der Bergbahn AG und Kitzbühel Tourismus wurde vorerst für den Sommer 2026 abgeschlossen. Bereits im Juli wolle man sich zusammensetzen, um über erste Erfahrungen aus den Monaten Mai und Juni zu diskutieren, hielt TVB-Obmann Harisch fest. „Erst dann wird man sehen, wie es weitergehen kann.Jetzt wäre das noch zu früh.“
Vermieter kritisierten Termin
Kritisiert wurde von den Vermietern hauptsächlich der Termin (1. Februar 2026) für die Umstellung auf die neue Kurtaxe. Schon in sechs Wochen und mitten in der Saison, wie bemängelt wurde. Der Zeitpunkt der Umstellung sei nicht optimal, räumte Harisch ein. „Wir brauchen jedoch die Einnahmen aus dem nächtigungsstarken Februar, andernfalls wäre eine Umsetzung 2026 nicht möglich gewesen.“
Wandern ist und bleibt die Nummer eins
Nicht nur für die neue Sommercard, sondern auch für die Infrastruktur (Ausbau Golfplatz Kitzbühel-Schwarzsee, Instandhaltung Wanderwegenetze, Bike-Infrastruktur, etc.) werden die Mehreinnahmen fließen, stellte Harisch klar. Für Gäste sei das Wandern noch immer die Nummer eins im Sommer.
„Die Forderung des Hotelvereins gibt es seit 20 Jahren. Dr. Harisch ist es jetzt als erstem gelungen, eine Einigung mit der Bergbahn AG zu erzielen.“
Viktoria Veider-Walser, Direktorin Kitzbühel Tourismus
Im Gespräch mit dem Kitzbüheler Anzeiger weist Veider-Walser ausdrücklich darauf hin, dass der Kitzbüheler Hotelverein schon seit 20 Jahren eine Integration der Bergbahn-Karte in die Gästekarte fordere. „Es ist Dr. Harisch als erstem und einzigen gelungen, mit der Bergbahn AG eine diesbezügliche Einigung zu erzielen.“