
Kunstwelt trauert um "Meni"
Die Künstlerin Philomena „Meni“ Pichler, geboren am 26. Juli 1947, ist am 5. Jänner in Wien verstorben. Mit ihrer Kunst schuf sie ein eigenständiges und unverwechselbares Lebenswerk. In ihrem „Bilderwald“ aus Stangenbildern lebt ihre Sicht auf die Welt weiter – still, kraftvoll und voller Tiefe. Ihre Werke bleiben als Vermächtnis und Erinnerung.
Bereits in jungen Jahren entdeckte Philomena Pichler ihre Leidenschaft für die Malerei. Als Autodidaktin begann sie ihren künstlerischen Weg und entwickelte sich zu einer erfolgreichen Malerin mit internationaler Anerkennung.
Schon 1964 erhielt sie als 17-Jährige den Anerkennungspreis des Kölner Stadtanzeigers. Es folgten Ausbildungsseminare bei Prof. Opperer und Prof. Otte in Salzburg sowie bei Prof. Gerald Nitsche in Innsbruck. In Wien absolvierte sie drei Semester Lithografie (Steindruck) bei Doz. Wojtek Krzywoblocki, bei Lebzelter und bei Dr. Kodera.
Verbundenheit mit Kitzbühel Aktiv
Eine besondere Auszeichnung und Wertschätzung ihrer künstlerischen Kreativität erhielt sie im Jahre 2017 durch die Aufnahme als „Ordentliches Mitglied“ im Künstlerhaus Wien, der Gesellschaft für Künstlerinnen und Künstler Österreich.
Seit dem Frühjahr 1988 war sie Mitglied beim Verein Kitzbühel Aktiv und war damit eine der ersten Mitglieder in diesem Künstlerverein.
Klaus Wendling, Vorsitzender von Kitzbühel Aktiv, würdigte ihr Wirken und ihre Persönlichkeit in bewegenden Worten: „Philomena Pichler war in unserem Verein kein ganz normales Mitglied. Sie war für uns schon etwas ganz Besonderes. Unter anderem, weil sie eines der ersten Mitglieder bei unserem Künstlerverein war, über all diese Jahre, also über 37 Jahre, unserem Verein die Treue gehalten hat und eine Künstlerin mit viel Leidenschaft und weltweiter Anerkennung war.
„Philomena Pichler war in unserem Verein kein ganz normales Mitglied. Sie war für uns schon etwas ganz Besonderes.“
Klaus Wendling, Kunstverein Kitzbühel Aktiv
Sie war ein großartiger Mensch. Sie war schon bei unserer ersten Ausstellung im Sommer 1988 im Foyer der Aquarena Kitzbühel dabei und hat schon damals auf Anhieb vom kunstinteressierten Publikum viel Anerkennung erhalten. Auch wenn es uns sehr schwer fällt, wir versuchen nicht traurig zu sein, dass eine sehr schöne und intensive Zeit mit unserer „Meni“ zu Ende geht, wir versuchen glücklich zu sein, eine schöne, lange Zeit mit „Meni“ gehabt zu haben, auch wenn jetzt das Ende für uns unvorbereitet und viel zu früh kam. Trotz des schmerzlichen Abschieds überwiegt die Dankbarkeit für die lange gemeinsame Zeit und das entgegengebrachte Vertrauen.“
Auf die Frage, was sie unter Kunst verstehe, antwortete Philomena Pichler einmal: „Kunst ist für mich: Gegenstände, die mich zum Denken anregen.“
Obwohl sie künstlerisch schon früh über die Grenzen ihrer Heimat hinausblickte, blieb Tirol lange der Mittelpunkt ihres Lebens und malerischer Tätigkeit.

In ihrem „Bilderwald“ aus Stangenbildern lebt ihre Sicht auf die Welt weiter.
Kunst als Einladung zum Denken
Neben zahlreichen nationalen Ausstellungen in Österreich – unter anderem in Wien, Kitzbühel, St. Johann, Dornbirn, Velden und bei der Internationalen Kunstmesse ART Innsbruck – war sie auch international erfolgreich. Bereits 1972 errang sie den 1. Preis bei einem international ausgeschriebenen Malwettbewerb im Museum Rades Hamburg. Weitere Auszeichnungen folgten bei den Tiroler Kulturtagen sowie 1989 bei der International Art Competition. Ab den 1990er-Jahren stellte sie unter anderem in Deutschland, Ungarn, Italien, Frankreich und den USA aus.
Anfang der neunziger Jahre wagte Philomena Pichler in Wien einen neuen Start, und der künstlerische Erfolg blieb nicht aus.
Mit ihrem seit dem Jahre 2002 entstehendem „Bilderwald“ bestehend aus 400 Bäumen, jeder Baum ein Unikat, ging Philomena Pichler wieder einmal einen Schritt zur Objektkunst, wobei sie sich jedoch immer als Malerin treu blieb, verwendete sie doch schon vorhandene Bilder dafür.
Ihre aus dem Boden wachsenden Bäume strotzen weiterhin vor Lebenskraft und Freude, sie sind die bunte Vielfältigkeit, detailverliebter Natur, aus der Philomena Pichler ihre Inspiration bezog. Die feinen, oft amüsanten Details der Einzelobjekte fügen sich in der Gruppe zu einem harmonischen, aber lebhaftem Ensemble zusammen und so wird man des Schauens und Staunens nicht müde.
Sie sagte vor vielen Jahren bei einem Interview unter anderem Folgendes: „Es wäre schön, wenn sich alle Menschen mit der Kunst beschäftigen würden, denn es ist so etwas Wunderbares. Nicht nur meine Kunst, sondern Kunst ganz allgemein soll den Menschen Freude bereiten“.