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Kitzbüheler Anzeiger
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Die Crews der Notarzthubschrauber waren über die Weihnachtstage im Dauereinsatz. Foto: BKH/Claudia Egger

Hubschrauber landeten im Minutentakt

Perfekt vorbereitet auf den erwarteten Ansturm an Unfallopfern während der Weihnachtstage waren nicht nur die Ärzte- und Pflegeteams des Bezirkskrankenhauses St. Johann, sondern auch das Rote Kreuz sowie die Teams der Rettungshubschrauber.

Die Bilanz nach der rund zwei Wochen dauernden Weihnachtssaison zeigt es deutlich: Die über 20 Unfallchirurgen im Bezirkskrankenhaus St. Johann hatten keine ruhige Minute. Auch in den Privatpraxen gaben sich die Patienten buchstäblich die Klinke in die Hand.

Gefühlt landeten die Notarzthubschrauber während der zwei Weihnachtswochen im Minutentakt auf dem Heli-Landeplatz am Dach des Bezirkskrankenhauses.

Die Zahlen, mit denen der Leiter der Abteilung für Traumatologie und Orthopädie, Primar Matthias Braito, aufwartet, sprechen eine klare Sprache: „Zwischen 20. und 29. Dezember haben wir 79 Hubschraubereinsätze registriert. Das ist ein Plus von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr.“ Zwischen Neujahr und dem 6. Jänner ging es in dieser Tonart unvermindert weiter.

1.456 Behandlungen in neun Tagen

Ein Plus von 19 Prozent zum Vorjahr gab es in der Ambulanz – insgesamt wurden rund um Weihnachten 1.456 Behandlungen durchgeführt. Stationär aufgenommen wurden zwischen 20. und 29. Dezember 132 Patienten, was einem Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Auffallend seien die vielen sogenannten stammnahen Verletzungen gewesen, etwa Schlüsselbein- oder Rippenserienbrüche. Aufgrund der geringen Schneelage kamen hingegen weniger klassische Kreuzbandrisse oder typische Unterschenkelbrüche vor. Nicht nur in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr wurde im Krankenhaus am laufenden Band operiert, auch bis zum 6. Jänner ging es unvermindert weiter. Derzeit sei es etwas ruhiger, doch in den kommenden Wochen dürfte es erneut rundgehen.

Nicht nur in der Unfallchirurgie herrschte Hochbetrieb – heuer waren auch die Internisten rund um die Uhr massiv gefordert. „Die starke Influenzawelle hat dazu beigetragen“, betont Primar Peter Rainer. Diese habe deutlich früher begonnen als üblich. Normalerweise trete sie von Mitte Jänner bis Februar auf, heuer seien die ersten Fälle bereits vor Weihnachten aufgetreten.

„Wir haben über Weihnachten rund 200 Patienten stationär aufgenommen“, informiert Primar Rainer. Dabei habe es sich überwiegend um Isolationspatienten gehandelt. Die Grippe gehe unter anderem mit hohem Fieber einher und könne sogar zu einer Lungenentzündung führen. Viele ältere Menschen seien so schwer erkrankt, dass sie sich nicht mehr selbst versorgen können und daher ins Krankenhaus kommen müssen. Er rät auch jetzt noch dazu, sich impfen zu lassen.

Doch nicht nur hinter der Ärzteschaft liegen anstrengende Wochen – auch im Pflegebereich wurde bis an die Belastungsgrenze gearbeitet. „Wir hatten so viel Arbeit wie noch nie. Nicht nur in der Unfallchirurgie, sondern auch auf der Inneren“, berichtet Pflegedirektor Harald Sinnhuber. An den Spitzentagen galt es, bis zu 230 Patienten erstzuversorgen. „Wir waren aber natürlich für den Ansturm gut gerüstet.“ Es seien alle verfügbaren Betten bereitgestellt worden.

Eine Rufbereitschaft gebe es zwar nicht, „jede Schichtleitung kann jedoch, wenn es notwendig ist, jederzeit Verstärkung anfordern“, erklärt Sinnhuber. Eine Herausforderung sei insbesondere der große Andrang auf der Internen Abteilung gewesen, dieser habe jedoch gut bewältigt werden können, so der Pflegedirektor.

Gastpatienten schulden über 10 Millionen Euro

Unter den Patienten im St. Johanner Spital waren naturgemäß auch viele Touristen aus aller Welt. Die Verwaltung hat immer wieder damit zu kämpfen, dass die anfallenden Kosten dieser Gastpatienten auch tatsächlich bezahlt werden. Das für den Tourismus gewichtige Argument – die hervorragende medizinische Versorgung – belastet die Krankenhäuser entsprechend.

Auch das Bezirkskrankenhaus St. Johann kämpft mit offenen Posten. Bis zu 18 Monate kann es dauern, bis ausländische Versicherungen die Rechnungen begleichen, wie Verwaltungsdirektor Christoph Pfluger erläutert. So waren per 31. Dezember 2024 noch 9.951.271,16 Euro unbezahlt, per 31. Dezember 2025 waren Rechnungen in Höhe von 10.580.555,40 Euro offen. Geld, das zwar kommt, derzeit aber natürlich im Budget fehlt.

Spitalsfinanzierung sorgt für Debatten

Die finanzielle Situation der Bezirkskrankenhäuser ist prekär – dieser Tage gehen beim Land die Wogen hoch. Wie mehrere Tiroler Medien berichten, fordern die Verantwortlichen des Krankenhauses Schwaz einen Sonderzuschuss und bringen sogar eine Übernahme durch das Land ins Spiel. Nicht nur die Schwazer Bürgermeister haben einen entsprechenden Beschluss gefasst, auch die Osttiroler Dorfchefs haben ihren Voranschlag nur unter Vorbehalt beschlossen.

Während etwa die Kufsteiner für das heurige Jahr mit einem Betriebsabgang von 13,2 Millionen Euro, die Schwazer mit 7,6 Millionen und die Lienzer mit 8,4 Millionen Euro rechnen, haben die St. Johanner einen Abgang von rund 4,7 Millionen Euro budgetiert. „Wir haben alle Eventualitäten miteinberechnet und vorsichtig budgetiert. Wir gehen davon aus, dass das Ergebnis schlussendlich besser sein wird“, stellt Verwaltungsdirektor Christoph Pfluger klar.

Bürgermeister Paul Sieberer, Obmann des Gemeindeverbandes, betont, „dass wir sehr wirtschaftlich arbeiten.“ Der Gedanke an eine Übertragung an das Land sei für ihn derzeit kein Thema. Sieberer bekräftigt jedoch, dass die St. Johanner für jede Kooperation offen seien: „Wenn uns das Land Vertrauen schenkt, dann sind wir bereit, Verantwortung zu übernehmen.“ Die derzeitige Finanzierungs-Diskussion verfolge er aber natürlich sehr genau

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