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Kitzbüheler Anzeiger
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Marion Fischer (mit Blumenstrauß) und Christian Mathies (rechts) an der Kitzbüheler HAK/HAS mit Direktor Fritz Eller (links) den Organisatorinnen Anja Jöchl, Katrin Egger und Sarah Bacher (von links). Fotos: KitzHAK

Holocaust-Überlebende zu Besuch in der KitzHAK

Fritz Eller eröffnete die Veranstaltung für die rund 70 Schüler der Kitzbüheler Handelsakademie und Handelsschule mit den Worten: „Dieser Besuch ist mehr als eine Geschichtsstunde – er ist ein Auftrag an uns alle, wachsam zu bleiben und niemals zu vergessen.“ Der Direktor unterstrich damit die Bedeutung, jungen Menschen historische Realität nicht nur aus Schulbüchern, sondern vor allem durch persönliche Begegnungen näherzubringen.

An diesem Tag herrschte eine besondere Stimmung in der Aula: gespannte Stille, erwartungsvolle Gesichter. Die Holocaust-Überlebende Marion Fischer trat vor die Jugendlichen und begann zu erzählen – von einer Kindheit, die durch Hass und Gewalt zerstört wurde, von Angst, Hunger und dem Verlust ihrer Familie. „Ich wollte, dass ihr versteht, was Hass anrichten kann“, sagte sie mit fester Stimme, „und dass Liebe noch viel stärker ist.“

Begleitet wurde Marion Fischer vom Historiker Christian Mathies, der die Dimension des Holocausts und auch die Lebensstationen von Marion Fischer erklärte. „Erinnerung ist nicht Vergangenheit, sondern Verantwortung für die Zukunft“, betonte er.

„Wir sind Zeitzeugen einer Zeit, in der Extremismus und Fake News scheinbar salonfähig werden.“

Fritz Eller,
Direktor Kitzbüheler HAK/HAS

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Zeitzeugin Marion Fischer im Gespräch mit Historiker Christian Mathies (rechts).

Es war schon damals kein Honiglecken, Flüchtling zu sein“, betont Marion Fischer, geboren im Burgenland, 1938 gezwungen zur Flucht, aufgewachsen in Lagern des faschistischen Italien und knapp der Deportation ins KZ Auschwitz entkommen.Vier Jahre lang ist sie mit ihrer Familie in der Schweiz geduldet, dann wird sie nach Meran abgeschoben, ab 1951 ist Tirol ihre neue Heimat.

1988 verlässt Marion Fischer zeitweilig Innsbruck. Unbekannte hatten ihr kleines Geschäft in Innsbruck mit einem Judenstern beschmiert, sie am Telefon grob beschimpft.

Seit Jahren besucht Marion Fischer als Zeitzeugin Schulen in Tirol und Italien: „Es ist meine Pflicht, jungen Menschen meine Erfahrungen weiterzugeben und über mein Leben als jüdischer Flüchtling zu sprechen. Sie sind es, die unsere Erlebnisse weitergeben, wenn wir nicht mehr sind.“

Zum Abschluss richtete Direktor Fritz Eller einen eindringlichen Appell an die Jugendlichen: „Heute haben wir nicht nur Geschichte gehört – wir haben Verantwortung gespürt. Marion Fischer hat uns gezeigt, wohin Hass und Gleichgültigkeit führen können. Es liegt an uns, wie wir damit umgehen. Wir sind Zeitzeugen einer Zeit, in der Extremismus und Fake News scheinbar salonfähig werden. Jeder von uns trägt jetzt ein Stück dieser Erinnerung in sich – und mit ihr die Pflicht, für Menschlichkeit einzustehen!“

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