
Rainer Noichl ist seit 30 Jahren für den Kitz Race Club verantwortlich:
Hinter den Kulissen des Kitz Race Club
Es ist Mittwochvormittag, noch bevor sich der Trubel der Hahnenkamm-Woche seinen Weg durch Kitzbühel bahnt. Keine Promis, kein Blitzlicht, keine drängenden Gäste. Stattdessen Baulärm, Stapler, Funkgeräte. Im Kitz Race Club sind hunderte Handwerker mit den letzten Arbeiten beschäftigt. In ein paar Stunden ist Eröffnung.
Mittendrin ein Kitzbüheler: Rainer Noichl empfängt den Kitzbüheler Anzeiger für einen exklusiven Rundgang und einen Blick hinter die Kulissen. „Ich bin hier der Hausmeister“, sagt er lachend und untertreibt damit deutlich.
Seine berufliche Heimat fand er lange fernab der Gamsstadt: Formel 1, internationale Top-Events, weltweite Einsätze für die WWP Group. Eigentlich wollte er nie „dahoam“ arbeiten. Doch Harti Weirather fragte immer wieder. Irgendwann sagte Noichl zu. „Ich habe ihm gesagt, ich mache das zwei Jahre. Es ist dann ein bissl länger geworden.“ Heute, 30 Jahre später, ist er das Gesicht und der Taktgeber des Kitz Race Clubs.
Vom Friseur bis hin zu den Toiletten
Was Ende der 1990er-Jahre als einfaches Satteldach-Festzelt begann, hat sich zu einem temporären Großbauwerk entwickelt: 4.000 Quadratmeter, zwei Stockwerke, zehn Meter hoch, 170 Meter lang.
„Der Kitz Race Club zählt weltweit sicher zu den Top vier Hospitalities, die es im Sport gibt.
Rainer Noichl, Direktor Infrastruktur WWP
jede Stütze verkleidet, jede Fläche gestaltet – kein Meter erinnert daran, dass man sich eigentlich in einem Zelt befindet. Zigarrenlounge, Champagnerlounge, Beauty- und Friseursalon, eigene Schneiderei, großzügige Küchenlandschaften inklusive eigener Patisserie. Sogar die Toiletten sind ein Erlebnis für sich: alles funktioniert automatisch, „das Beste vom Besten“ – bringt es Noichl auf den Punkt.
Das große Thema heißt Logistik. Nichts hier gehört WWP, alles ist angemietet, modular, wiederverwendbar. 170 LKWs liefern rund 1.800 Tonnen Material an – minutiös geplant.
Logistik als Königsdisziplin
Weil das Gelände ein Golfplatz ist, sind Kräne tabu. Alles wird außerhalb von Kitzbühel umgeladen, beim Streifalm-Lift wieder abgeladen und mit Staplern herangeschafft. 40.000 Gerüstteile, 60 Kilometer Kabel, 170 Quadratmeter LED-Wände, eine Spitzenlast von 2,2 Megawatt Strom – abgesichert durch ein eigenes autarkes Aggregat.
Gebaut wird ab 1. Jänner: 16 Tage lang, bis zu 18 Stunden täglich. Rund 220 Personen sind allein mit dem Aufbau beschäftigt. Am Freitag öffnet der Race Club offiziell. Am Samstag schließt er um 16 Uhr für vier Stunden.

So schaut es unter dem Mega-Zelt aus: 1.490 Tonnen Gerüst und 40.000 Teile tragen die Konstruktion am Fuße der Streif.
„Bei uns ist jeder Gast gleich. Sonderwünsche gibt es keine – nicht einmal für Hollywoodstars oder Staatsoberhäupter.“
Rainer Noichl
Denn da wird die komplette Einrichtung umgebaut für den großen Galaabend. Am Sonntag ist davon schon wieder nichts mehr zu sehen, und der Betrieb läuft normal weiter. „Es gibt eigentlich keinen Moment, wo niemand arbeitet. Meistens ist es so: Kaum sind die Toiletten fertig geputzt, kommt vorne schon der erste Gast bei der Tür herein.“
Unter der Woche ist der Race Club längst mehr als Partyzone: Talkrunden, Meetings, exklusive Veranstaltungen – fast ein kleines Kongresszentrum. Selbst Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums Davos nutzten diese Woche die Räume für wichtige Gespräche.
Ohne Einladung geht gar nichts. Der Großteil der Tickets liegt bei langjährigen WWP-Kunden, rund 250 Karten gelangen in den freien Verkauf – handverlesen. „Da wird genau geschaut. Nicht jeder, der gern gesehen werden will, kommt auch rein.“ Egal ob Hollywoodstar oder Politiker: Sonderwünsche gibt es nicht.
Der Samstagabend: Gänsehaut garantiert
Der emotionale Höhepunkt ist und bleibt die Kitz Race Party am Samstagabend. Stargast war heuer Rita Ora. Doch trotz aller Stars stehen andere im Mittelpunkt: die Sieger der Streif.
Wenn sie einmarschieren, stehen mehr als tausend Gäste Spalier, applaudieren, feiern. „Da bekommen selbst die härtesten Abfahrer Gänsehaut“, sagt Noichl.
„Der Höhepunkt ist der Auftritt der Hahnenkamm-Sieger. Sie sind die großen Stars des Galaabends.“
Rainer Noichl
Jeder Rennfahrer hat jederzeit freien Zutritt, zahlt nichts. Fehlender Smoking? Kein Problem – Schneiderei und Ausstatter helfen aus. Diese Idee geht auf Harti Weirather zurück, selbst einst Skifahrer. Der Sport, nicht der Promi, steht im Zentrum.
71 Köche und Patissiers, 220 Servicemitarbeiter, Technik im Millionenwert, riesige Lagerräume über zwei Stockwerke, eigene Backstage-Bereiche für Staracts. In der Champagner- und Zigarrenlounge gibt es „alles, was man sich vorstellen kann“ – im höchsten Preissegment.
Nach den Rennen beginnt sofort der Rückbau. Zwölf bis 13 Tage dauert es, dann verschwindet der Luxus so schnell, wie er gekommen ist. Für Rainer Noichl ist klar: 2027 wird sein letztes Hahnenkammrennen. Bis dahin bleibt er – „bis der letzte Gast gegangen ist“.

Rainer Noichl ist seit 30 Jahren für den Kitz Race Club verantwortlich – ihm vertraut auch Thomas Weirather, Lead Business Development bei WWP.