
Andrea Achrainer vom Netzwerk Handwerk.
Handwerk braucht Zukunft
Im Bezirk Kitzbühel lebt eine jahrhundertealte Handwerkstradition, die die Identität und Lebensqualität der Region entscheidend prägt. Gleichzeitig stehen viele Betriebe heute vor großen Herausforderungen. Der Nachwuchsmangel wird immer spürbarer, die Anforderungen steigen und die Konkurrenz durch global produzierte Billigwaren nimmt zu. Andrea Achrainer aus Hopfgarten vom Verein Netzwerk Handwerk setzt sich dafür ein, dass regionale Kompetenzen, Wissen und Können im Handwerk erhalten bleiben. „Handwerk ist das Rückgrat unserer Region“ sagt Andrea Achrainer. Ohne engagierte, gut ausgebildete Menschen werde es beispielsweise immer schwerer, Gebäude instand zu halten und handwerkliche Qualität zu sichern.
Nachwuchs dringend gesucht
Der Bedarf an Lehrlingen und Fachkräften ist in vielen Gewerken enorm. Zahlreiche Handwerksbetriebe im Bezirk könnten sofort zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufnehmen, finden allerdings kaum geeignete Bewerber. Dabei zeigt sich klar: Das Bild des Handwerks hat sich geändert, doch es muss erst wieder in den Köpfen ankommen: Moderne Werkstätten arbeiten heute mit digitalen Werkzeugen, hochwertigen Materialien und häufig in enger Zusammenarbeit mit Architektur und Design. Analog und digital stehen sich im Handwerk nicht im Weg. Genau hier setzt das Netzwerk Handwerk an.
Um junge Menschen früh zu begeistern, organisiert das Netzwerk regelmäßig Workshops für Kinder und Jugendliche. Bei diesen Aktionen können Kinder mit Holz, Lehm, Metall, Textilien oder anderen Materialien kreativ arbeiten und erste Erfahrungen mit handwerklichen Tätigkeiten sammeln, verbunden mit ökologischen Fragestellungen wie Kreislaufwirtschaft, Upcycling oder Recycling im Handwerk. Mit dieser Praxisarbeit sollen frühe Berührungspunkte zum Handwerk geschaffen werden, um langfristig Interesse und Wertschätzung für handwerkliche Berufe zu fördern.
Handwerk sichtbar machen
Handwerk bildet eine zentrale Säule regionaler Wirtschaft und Kultur. Jedes Produkt, das vor Ort entsteht, bleibt in der Region und stärkt lokale Strukturen. Das betrifft Bauunternehmen genauso wie Schneidereien, Tischlereien, Restauratoren oder spezialisierte Werkstätten. Viele Betriebe sind seit Generationen regional verwurzelt und tragen dazu bei, dass bauliche und kulturelle Besonderheiten der Region erhalten bleiben.
Um dieses Wissen nicht zu verlieren, bemüht sich das Netzwerk Handwerk mit verschiedensten Formaten um mehr Sichtbarkeit und öffentlichen Diskurs zum Thema Handwerk. Ziel ist es, Bewusstsein zu schaffen und den Wert qualitativ hochwertiger regionaler Handwerksarbeit wieder stärker ins öffentliche Blickfeld zu rücken. Denn je sichtbarer das Handwerk wird, desto eher findet es auch wieder jene gesellschaftliche Anerkennung, die es verdient.
Ein Schatz, den es zu bewahren gilt
Die Vielfalt des Handwerks im Bezirk Kitzbühel ist bemerkenswert: Von traditionellen Familienbetrieben bis zu modernen Werkstätten mit innovativen Methoden reicht das Spektrum. Dieses Zusammenspiel erlaubt es, regionale Baukultur, traditionelle Techniken und kreative Innovation nebeneinander existieren zu lassen.
Für Andrea Achrainer ist klar, dass die Region an einem Wendepunkt steht. Wenn Wissen, Fertigkeiten und Materialien nicht konsequent weitergegeben werden, könnte es bald unmöglich sein, historische Gebäude fachgerecht instand zu setzen oder traditionelle Bautechniken anzuwenden. Es geht dabei nicht nur um handwerkliche Fertigkeiten, sondern auch um die Fähigkeit, regionale Baukultur langfristig zu erhalten.
Deshalb sei es so wichtig, das Handwerk sichtbar zu machen, junge Menschen zu motivieren, zu begeistern und die Wertschätzung in der Bevölkerung zu erhöhen. Nur wenn Betriebe ausreichend Nachwuchs finden und regionale Qualität anerkannt wird, kann die Handwerkslandschaft im Bezirk Kitzbühel auch in Zukunft bestehen und weiterhin jene Rolle spielen, die für Identität, Geschichte und Lebensqualität der Region so wesentlich ist.