
Geteilte Meinungen bei den Kitzbüheler Schützen
Der Wunsch zweier Oberländer Schützenkompanien, Frauen mit Waffen ausrücken zu lassen, hatte bei den Tiroler Traditionsschützen für intensive Debatten gesorgt. Die Rollen bei den Schützen sind klar verteilt: Männer rücken mit Gewehren aus, Frauen sind als Marketenderinnen im Einsatz. Allerdings – darauf legt auch Hans Hinterholzer als Kommandant der Wintersteller Schützen Wert – nehmen die Frauen in den Kompanien wichtige Rollen ein, etwa auch in den Ausschüssen.
In den letzten Wochen wurde tirolweit per geheimer Briefwahl darüber abgestimmt, ob es eine entsprechende Änderung der Statuten geben soll. Das Ergebnis ist eindeutig: Fast 87 Prozent sprachen sich gegen Frauen an der Waffe aus.
Der Kommandant des Wintersteller Schützenbataillons, Hans Hinterholzer, begrüßt das Ergebnis. Im Bezirk Kitzbühel gibt es 16 Kompanien, in denen rund 850 Schützen aktiv sind. Er stellt klar: „Es stand selbstverständlich jedem frei, wie er abstimmt. Hier gab es meinerseits keine Empfehlung.“
Für ihn sind Frauen ein wichtiger Bestandteil der Schützentradition. „Wir brauchen und schätzen die Frauen, aber nicht als Waffenträgerinnen. Die Diskussion gibt es ja schon lange. Es wurden sogar Umfragen mit professionellen Moderatorinnen durchgeführt, um das Thema aufzuarbeiten.“ Seiner Erfahrung nach seien 99 Prozent der Marketenderinnen dagegen, dass Frauen mit Gewehren mitmarschieren.
Hopfensberger: Frage des Nachwuchses
Christoph Hopfensberger sieht das Wahlergebnis kritisch. Er ist bereits seit vielen Jahren Bildungsoffizier der Wintersteller Schützen und war auch an der Erstellung der „Kleinen Schützenfibel“ beteiligt. Er kann die Entscheidung nicht nachvollziehen: „Wir leben schließlich im 21. Jahrhundert. Da sollte Gleichberechtigung doch selbstverständlich sein. Wenn man schon davon redet, dann sollte sie auch überall gelten.“
Eigentlich zähle hier nur die Frage, ob die Frau mit Rock oder Lederhose ausrücken solle. „Zu sagen, Frauen können ja in den Kompanien eine Funktion bekleiden, ist sicher zu wenig. Außerdem brauchen wir ja auch Nachwuchs“, ist Hopfensberger überzeugt davon, dass Frauen mit Waffen ausrücken dürfen sollten.
Maria Pirnbacher ist Spielleiterin und Regisseurin der „Volksbühne Nuarach“ und war selbst zehn Jahre lang als Marketenderin bei den Schützen aktiv. Sie sieht die Entscheidung sehr kritisch, wie sie auch auf ihrem Instagram-Kanal klarstellt. Im Rahmen der Recherche zum Theaterstück „Anna Hofer“, das die Pillerseetaler im Sommer 2024 auf die Bühne gebracht haben, setzte sie sich intensiv mit der Rolle der Frau während des Freiheitskampfes auseinander.
„Die Frauen haben damals im Hintergrund sehr viel mehr getan. Sie waren sicher nicht nur mit dem Schnapspanzerl unterwegs.“ Sie hätten zum Aufbau des Landes sehr viel beigetragen, weiß Pirnbacher. „Die Tradition soll die Gegenwart stärken und für die Zukunft keine Kette sein“, stellte sie klar und sieht die Entscheidung der Schützen kritisch.