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Kitzbüheler Anzeiger
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Johannes „Hans“ Adelsberger ist mit Leib und Seele Touristiker und Gastronom. Foto: Christina Ehammer

Fusionierung im Nachhinein goldrichtig

Es war eine Vollversammlung des Tourismusverbandes Wilder Kaiser, die in Erinnerung blieb – jene, als Johannes Adelsberger vor drei Jahren stilecht im Kochgewand das Thema Personalnot in den Fokus rückte. Eine Episode, die jetzt auch in seiner letzten Vollversammlung dieser Tage in Ellmau sein Nachfolger Manfred Hautz wieder aufgriff und ihm zum Abschied eine Kochjacke schenkte, wie Adelsberger schmunzelnd erzählt. 25 Jahre war der Goinger mit Leib und Seele Obmann des Tourismusverbandes Wilder Kaiser (Going, Ellmau, Scheffau, Söll). Jetzt trat er in die zweite Reihe zurück.

Personalnot weiterhin großes Thema

Der Personalmangel ist für Adelsberger – selbst begeisterter Gastronom – auch drei Jahre später ein Thema, das ihn beschäftigt: „Es wird schwieriger, Personal zu finden, daher müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Wir müssen unsere Mitarbeiter dementsprechend behandeln – keine Samthandschuhe, aber es braucht Verlässlichkeit“, betont Adelsberger.

Er weiß, wovon er spricht. Schon mit 23 Jahren übernahm er den elterlichen Betrieb in Going. Während viele Gastgeber in den Folgejahren aufgestockt und vergrößert haben, ist er bewusst und bis heute bei diesem Grundstock geblieben: „28 Betten damals, 28 Betten heute. Damit sind wir gut gefahren“, betont er. Allerdings hat er immer wieder modernisiert. Die frühe Selbstständigkeit und das Vertrauen des Vaters, den er immer um Rat fragen konnte, stärkten sein Selbstbewusstsein und gaben ihm Rückhalt, wie er sagt. Relativ früh engagierte er sich auch in öffentlichen Ämtern – mit 28 Jahren startete er mit einer Funktion bei der Raiffeisenbank, wo er bis heute Aufsichtsratsvorsitzender ist. Im selben Jahr begann er seine Laufbahn beim Tourismusverband in Going. Die Freude daheim sei eher verhalten gewesen, erinnert er sich zurück: „Meine Frau Elke war anfangs nicht gerade begeistert – der Betrieb daheim, ich als Koch, sie mit Service, Wäsche und den beiden Kindern mehr als eingedeckt. Aber wir haben es gemeistert“, erinnert er sich.

1997 wurde Adelsberger erstmals zum TVB-Obmann gewählt, ohne zu ahnen, welche schweren Zeiten auf ihn zukommen würden. Herwig van Staa, als damaliger Landeshauptmann von Tirol, unterstützte in seiner Amtszeit Fusionen von Tourismusverbänden, um die Struktur zu straffen. Die Kritik seitens der Touristiker war groß – auch in Going war die Stimmung alles andere als gut. Auch Adelsberger war damals ein Gegner. Schlussendlich war es aber dann am 1. Jänner soweit – die TVBs von Going, Ellmau, Scheffau und Söll wurden zu einem Verband verschmolzen. „Das waren schon extreme Zeiten. Im Nachhinein muss ich zugeben, dass ich mich verschätzt habe. Etwas Besseres hätte uns nicht passieren können“, räumt Adelsberger ein. Es sei gelungen, sprichwörtlich die Kirchtürme niederzureißen. Er ist jedenfalls stolz darauf, dass der TVB Wilder Kaiser zu einer der wenigen Regionen gehört, in der es bereits das dritte Mal bei Neuwahlen eine Einheitsliste gegeben hat.

„Die vier Gemeinden unter dem Regionsdach des Wilden Kaisers – das haben wir gut hinbekommen und passen gut zusammen“, resümiert er. Es folgten insgesamt 16 Jahre Obmannschaft für die Region. „Ein guter Vorstand braucht als Obmann keinen, der auf den Tisch klopft, sondern einen Diplomaten an der Spitze“, fasst er zusammen. Die Zusammenarbeit auf Augenhöhe sei essenziell – innerhalb des Tourismusverbands, mit Partnern, Gemeinden und Bergbahnen.

Sommertourismus immer forciert

Schon früh forcierte Adelsberger die Bewerbung und die Erweiterung des Sommertourismus. Heute eine Selbstverständlichkeit – damals hagelte es für diesen Vorstoß durchaus Kritik. Heute ist der Sommertourismus ein wichtiges Standbein. Auch besondere Herzensprojekte wie die Neugestaltung des Badesees in Going oder die gemeinsame Wege-Infrastruktur, die weit über die Region hinaus übernommen wurde, zählt er zu den großen Meilensteinen seiner Obmannschaft.

Dass in Going in den letzten Jahren Betten verloren gegangen sind – der Schnablwirt und das Cordialhotel sind weggefallen – ist natürlich ein Wermutstropfen. Doch auch Privatzimmervermieter haben aufgegeben. Das hätten zwar größere Betriebe aufgefangen, doch Adelsberger ist überzeugt: „Wir brauchen die Leuchtturmbetriebe, aber wir brauchen auch die Kleineren.“ Der Erhalt der Stimmgruppe III – auch sein Betrieb fällt in diese Stimmgruppe – ist für ihn von essenzieller Wichtigkeit.

Der „Bergdoktor“ eint die ganze Region

Schmunzelnd erinnert sich Adelsberger an die ersten Erfolge des „Bergdoktors“ zurück. Ein „Mordstrara“ sei das gewesen – ist doch in der Serie Ellmau das Hauptdorf, der Dorfplatz von Going aber sozusagen das Zentrum. Heute spiele das jedoch keine Rolle mehr – der Zuschauer sehe das nicht so eng. Für ihn zähle die Region Wilder Kaiser, nicht mehr ein Ort allein.

Worauf kommt es denn in Zukunft an? „Dass wir den Ursprung des Tourismus nicht vergessen: Gastfreundschaft und Ehrlichkeit. Das sollten wir nicht aus den Augen verlieren“, so Adelsberger. „Die Triebfeder eines jeden Urlaubs ist die Erwartungshaltung. Wenn wir dieser nicht gerecht werden, haben wir ein Problem. Unsere Gäste möchten die Natur erleben, daher müssen wir darauf achten, diese zu erhalten und versuchen, dass wir hier gemeinsam unseren Platz finden“, resümiert er. Adelsberger bleibt übrigens als kooptierter Vorstand weiterhin im Tourismusverband und wird sich auch zukünftig für ein klares Bekenntnis zu einem nachhaltigen Tourismus einsetzen. Für die Zukunft wünscht er sich „ein ordentliches Miteinander, mehr Optimismus – auch bei den Jungen – und dass jeder seinen Teil beiträgt.“

„Was Besseres als die Fusionierung hätte uns nicht passieren können.

Johannes Adelsberger

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