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Kitzbüheler Anzeiger
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Warum wir eine neue Fehlerkultur brauchen.
Ein Gastkommentar von Maria Sevignani

Finde den Fehler!

Es beginnt schon in der Volksschule. Die ersten Schreib- und Rechenversuche werden stolz dem Lehrpersonal übergeben. Und dann? Rotstift-Alarm! Ein Fehler hier, einer da.
Man zeigt sofort, was falsch gemacht wurde, streicht es (rot) an, korrigiert es und macht es so zum Hauptthema. Und das, was richtig war? – Ist ohnehin selbstverständlich.
Und so lernen wir schon früh: Fehler sind etwas ganz, ganz Fürchterliches!

Alarmstufe „Rot“

Diese „rote Linie“ in der Fehlerkultur prägt auch unseren Alltag: In der Schule, im Job, in der Freizeit – immer ist da jemand mit scharfem Blick (und rotem Stift), der eifrig notiert was daneben ging. Wir loben nun mal nicht, wir kritisieren. Die Präsentation war souverän? Ja – aber auf Folie zwölf war ein Tippfehler! Die Verkäuferin ist sehr kompetent? Ja - aber manchmal auch sehr unfreundlich. Der Kuchen schmeckt super? Ja - aber der Rand war ein bisschen angebrannt...

Toleranz: Fehlanzeige

Kein Wunder, dass wir alle Angst haben, Fehler zu machen. Deshalb wird lieber dreimal geprüft, abgesichert, abgesegnet – und wenn alles passt, noch einmal drüber geschaut. Sicher ist sicher! Bloß kein Risiko eingehen! Wer sich auf sicherem Terrain bewegt, kann schließlich nicht stolpern.
Aber vielleicht auch nicht vorankommen? Innovation? Kreativität? Entwicklung? Alles Nebensache – Hauptsache, keine Fehler! Ob Edison die Glühbirne gleich beim ersten Versuch zum Leuchten gebracht hat? Wahrscheinlich hätte er mit unserer heutigen Fehlerkultur irgendwann frustriert hingeworfen und Kerzen verkauft...

Neue Fehlerkultur

Auch im politischen Weltgeschehen scheint es, als wären Fehler das Maß aller Dinge. Statt darüber zu reden, wie Herausforderungen gemeinsam gelöst werden können, wird erst einmal betont, wer wann was falsch gemacht hat. Und das, worum es eigentlich geht, bleibt oft auf der Strecke: Lösungen, Fortschritt, echte Veränderung.
Kaum werden neue Ideen präsentiert, dauert es nicht lange, bis Stimmen laut werden, die vor allem eines tun: Fehler suchen. Fehlentscheidungen der Vorgänger? Ein gefundenes Fressen! Dabei wäre es doch vielleicht produktiver, sich darauf zu konzentrieren, was funktioniert – und dort anzusetzen?

Was wir brauchen, ist also eine Kultur, die nicht nur Fehler markiert, sondern auch Erfolge feiert. Eine Welt, in der nicht nur bemängelt wird was falsch war, sondern in der auch mal jemand mit einem leuchtenden Stift hervorhebt: „Das war richtig gut!“ Denn: Wer nur Fehler sucht, wird auch nur Fehler finden.

Und falls jemand glaubt, das sei naive Träumerei – kein Problem! Hauptsache, wir haben mal darüber nachgedacht. Oder war das vielleicht doch ein Fehler?

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