
Wirtschaft
Es geht besser, aber Bauchweh ist noch da
Will man die aktuellen Befindlichkeiten der Tiroler Wirtschaft in einem Satz zusammenfassen, dann lautet er so: „Die Lage ist besser, aber sie ist noch nicht gut.“ Genau so formulierte es auch Wirtschaftskammerpräsidentin Barbara Thaler bei der jüngsten Präsentation des aktuellen Konjunkturbarometers. Und: „Wenn es keine großen geopolitischen Verwerfungen mehr gibt, erwartet die WK Tirol für 2026 ein reales Wirtschaftswachstum von rund 1,5 Prozent“, unterstrich Thaler.
Der aktuelle Blick auf‘s Barometer zeigt: Während sich einige Branchen wie z.B. der Tourismus optimistisch zeigen, sind andere, hier vor allem der Bau, noch immer nicht aus dem Stimmungsloch heraußen.
Industrie etwas erholt, Tourismus top
Der Geschäftsklimawert – das ist der Mittelwert zwischen der aktuellen Lage und den Erwartungen für die kommenden sechs Monate – spricht eine deutliche Sprache. Der Tourismus ist mit 36 Prozentpunkten der Spitzenreiter. Die Branche profitierte von einer robusten Nachfrage im gehobenen Segment, die sich von der allgemeinen Teuerung bislang weniger beeindrucken lässt. Etwas aufatmen kann darüber hinaus die Industrie. Hier bewegte sich der Geschäftsklimawert besonders stark – blickt man auf die Situation im Vorjahr: „Die Industrie verzeichnet mit einem Plus von knapp 57 Prozentpunkten eine Erholung gegenüber der Situation im Vorjahr. Volkswirtschaftlich deutet dies auf eine gewisse Normalisierung der Lieferketten und eine Stabilisierung der Energiepreise hin, die 2024 noch für massive Verunsicherung sorgten.
Sorgenkind bleiben aber die hohen Arbeitskosten und damit die fehlende preisliche Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Geschäft“, heißt es dazu in der aktuellen Konjunktur-Erhebung. Auch der Handel drehte ins Plus. Robust zeigt sich zudem die Sparte Information und Consulting, mit einem Geschäftsklimawert von 31 Prozentpunkten. Der Geschäftsklimawert in Gewerbe und Handwerk ging von 24 Prozentpunkten auf zwölf zurück. „Während das Gewerbe 2024 noch von vollen Auftragsbüchern aus der Post-Corona-Zeit zehrte, schlagen nun die Bau-flaute und die sinkende Kaufkraft zeitversetzt auf die Gewerbe-Betriebe durch“, so die Studienanalyse.
Auch die Baubranche ist nach wie vor angeschlagen: Zwar hat schlägt das Barometer im Vergleich zum Vorjahr um rund 32 Punkte höher aus, dennoch verbleibt der Bau mit -6 Prozentpunkten als einzige Branche beim Geschäftsklimawert im negativen Bereich. Die Verkehrsbranche ist darüber hinaus eine der wenigen Verlierer im Zeitvergleich (-10 Prozentpunkte). Steigende Treibstoffpreise, Mautgebühren und hohe Lohnabschlüsse treffen auf noch instabile Nachfrage.
„Momentum der Skepsis“ bei Nachfrage
Was die aktuelle Nachfrage betrifft, gehen Tourismus sowie die Sparte „Information und Consulting“ voran. Auch die Industrie erfreut sich über ein Plus von 15 Prozent in den Auftragsbüchern. Die Bauwirtschaft liegt bei minus zwei Prozent. Die Auftragserwartung gibt Auskunft darüber, wie Unternehmen die nächsten sechs Monate beurteilen. Dabei zeigt sich ein „Momentum der Skepsis“, so Thaler: In den klassischen Branchen – Tourismus, Industrie, Bau und Handel – liegen die Erwartungen klar unter der derzeitigen Geschäftslage. Lediglich technologie- und wissensbasierte Dienstleistungen (IC) sowie der Verkehrssektor weisen ein positives Momentum auf. „Viele Unternehmen verzeichnen aktuell starke Aufträge, blicken jedoch angesichts globaler Unsicherheiten vorsichtig auf die kommenden Monate“, so Thaler. Dementsprechend fällt auch der Ausblick auf das vor uns liegende Jahr aus.
Ausblick auf 2026 weniger pessimistisch
Insgesamt zeigt sich bei den Tiroler Leitbetrieben im Hinblick auf die Wirtschaftsentwicklung 2026 eine spürbar verbesserte Stimmung gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil der pessimistischen Einschätzungen ging von über 40 auf rund 25 Prozent zurück, während der Optimistenanteil auf 17 Prozent anstieg – der höchste Stand seit Beginn der Energiekrise. Dennoch überwiegen die skeptischen Erwartungen.