
Eine Schule für Tsinjavina in Madagaskar
Ein Jahr lang haben die Menschen im Tal von Tsinjavina gebaut – das meiste davon mit den eigenen Händen. An diesem Tag steht das Haus fertig da, und das ganze Dorf ist gekommen. Mit ihm die Lehrkräfte, Vertreterinnen und Vertreter der Provinz und die Patrone des Projekts, Axel Naglich und Thomas Priglinger. Aus der Eröffnung wird ein Fest, das den ganzen Tag dauert. Und für die Kinder des Tals beginnt damit etwas, das ihre Eltern nie hatten: ein eigener Schulweg.

Die Schule und eigene Grundversorgung
Bisher gab es im Tal rund um Tsinjavina keine Schule. Jetzt steht sie mitten im Dorf: zwei Klassenzimmer, dazwischen ein überdachter Freibereich, der Unterrichtsraum und Versammlungsort in einem ist, und im Obergeschoss eine Wohnung für eine Lehrkraft.
In den beiden Klassen lernen jeweils 16 Kinder, altersgemischt, von der Vorschule bis in die Grundschuljahre: Lesen, Schreiben, Rechnen und weitere grundlegende Bildungsinhalte. Wird der Platz knapp, wird im Schichtbetrieb unterrichtet – dann finden bis zu 50 Schülerinnen und Schüler Platz.
Und noch etwas ist hier alles andere als selbstverständlich: Die Schule hat ihr eigenes Wasser. Ein Brunnen, ein Hochbehälter mit Pumpe und nach Geschlechtern getrennte Sanitäreinheiten gehören dazu. Strom und Licht liefert eine Solaranlage mit Batteriespeicher – damit endet der Tag im
Schulhaus nicht mit dem Sonnenuntergang: Abend-Unterricht, Fortbildungen und Zusammenkünfte der Dorfgemeinschaft sind möglich.

Kosten und Finanzierung
Rund 50.000 Euro hat alles zusammen gekostet: Bau, Einrichtung und Ausstattung, der Brunnen, eine Fäkal-Senkgrube, die Solaranlage mit Batteriespeicher und Beleuchtung. Und eine rund 300 Meter lange Baumallee zwischen Dorf und Schule, die den Kindern in einigen Jahren Schatten auf dem Schulweg geben wird.
Getragen wurde das Projekt vom Rotary Club Kitzbühel, vom Land Tirol und von privaten Spenderinnen und Spendern, deren Großzügigkeit den Bau möglich gemacht hat. Eine Tafel am Schulgebäude erinnert an die Förderung durch das Land Tirol.

Vertrauensvolle Partner vor Ort
Damit aus einem Gebäude dauerhaft eine Schule wird, braucht es Menschen vor Ort. Geführt wird sie von VOZAMA, einer Nichtregierungsorganisation aus dem nahe gelegenen Fianarantsoa, der zweitgrößten Stadt Madagaskars. VOZAMA betreut in der Region mehr als 600 Schulen und hat den Bau in Tsinjavina von Anfang an begleitet. Künftig soll das Haus mehr sein als eine Schule: auch Ausbildungszentrum für Lehrkräfte und Treffpunkt für das Dorf.
Ein Huhn oder dessen Gegenwert – so viel tragen die Eltern zum Schulgeld bei. Wer auch das nicht aufbringen kann, erhält ein Stipendium; den restlichen Teil der Kosten übernimmt VOZAMA.
Die Lehrkräfte wählt VOZAMA aus, bevorzugt Frauen. So entstehen zusätzliche Erwerbsmöglichkeiten, und die wirtschaftliche Stellung der Frauen in der Region wird gestärkt.

Die Menschen in der Region
Die meisten Familien im Tal leben von dem, was ihre Felder hergeben, dazu etwas Viehzucht. Sie wohnen in einfachen Lehm- oder Ziegelhäusern und haben häufig viele Kinder; Strom und sauberes Wasser sind die Ausnahme. Das Essen reicht meist, ist aber wenig abwechslungsreich. Was fehlte, war ein Ort, an dem die nächste Generation etwas lernen kann. Diesen Ort gibt es jetzt.