
Eine Botschaft des Erinnerns
Die Alte Gerberei in St. Johann wurde im Rahmen der YoungSTAR CINEALE zum Ort eines eindrucksvollen Zusammentreffens zwischen Jugendlichen und einem der letzten lebenden Zeitzeugen des KZ Gusen.
Stanisław Zalewski, 100 Jahre alt, wurde live zugeschaltet und stand den Schülern mehrerer Klassen der Oberstufe des BORG und der Tourismusschulen eine Stunde lang Rede und Antwort. Zudem wurde ihnen der Dokumentarfilm „Botschaft des Erinnerns“ gezeigt, der seine Geschichte und seine Erinnerungen eindrucksvoll festhält.
Zalewskis Botschaften an die Jugend
Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Vom ersten Moment an herrschte volle Konzentration. Die Schüler stellten zahlreiche Fragen – zu seinen Erlebnissen in den Lagern, zu seinem Leben danach und zu seiner Haltung gegenüber der Welt von heute. Man spürte, wie sehr sie von seiner Ruhe, Klarheit und Offenheit beeindruckt waren.
Er erzählte, dass es ihm lange schwerfiel, über seine Vergangenheit zu sprechen. Im KZ hätten ihn seine täglichen Gebete getragen: der Gedanke, dass er zu seiner Familie zurückkehren müsse. Gewalt lehnt er bis heute strikt ab, und er meidet Filme über den Zweiten Weltkrieg. Sein damaliger Widerstand sei ein moralischer gewesen – ohne Waffen, getragen vom Willen, die Würde der Menschen zu bewahren.
Ein Neuanfang nach dem Krieg
Nach 1945 stand Zalewski vollkommen vor dem Nichts. Sein Elternhaus war zerstört, geblieben war ihm nur eine Sommeruniform von amerikanischen Soldaten. Mit viel Fleiß baute er sich als Automechaniker ein neues Leben auf. Politik spiele heute keine Rolle mehr für ihn, sagte er. Was ihn jedoch beschäftige: dass die Wertschätzung zwischen den Menschen verloren zu gehen drohe.
Ein Satz, der bleibt: Zum Abschluss zitierte Zalewski einen polnischen Poeten: „Es ist nicht an der Zeit, den Rosen nachzuweinen, wenn die Wälder brennen.“
Ein Vormittag, der die Jugendlichen sichtbar berührt hat – und eine Begegnung, die nachwirkt.