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Kitzbüheler Anzeiger

Ein ganzes Dorf in Sippenhaft

Margret Klausner

Gequält und schließlich mit einer Schneeschaufel erschlagen – die grausame Tötung einer Katze hat Tausende Menschen tief erschüttert. Der Fall zeigt aber auch die dunkle Seite Sozialer Medien und die gefährliche Dynamik eines vermeintlich rechtsfreien Raums im Internet.

Innerhalb kürzester Zeit baute sich in den Sozialen Netzwerken eine massive Hasswelle auf. Menschen wurden ohne Beweise an den öffentlichen Pranger gestellt, in Kommentaren wurde tausendfach nach Vergeltung gerufen, selbst vor Morddrohungen schreckten manche Nutzer nicht zurück.

Die Folgen treffen vor allem auch die Familien, Freunde und das gesamte Umfeld der Verdächtigen. Besonders das Brixental bekam die Wucht dieser noch nie dagewesenen Welle zu spüren. Mit Brixen wurde stellenweise gleich ein ganzes Dorf kollektiv verurteilt. Bürgermeister, Gemeindemitarbeiter und Vereine gerieten an die Grenzen des Belastbaren.

Die vier Beschuldigten werden sich vor Gericht verantworten müssen. Und ja: Es ist verwerflich, einem Tier solches Leid zuzufügen. Doch über Schuld und Strafe entscheidet in einem Rechtsstaat nicht der Mob im Internet, sondern ein ordentliches Gericht.

Gerade in Zeiten Sozialer Medien braucht es mehr denn je Augenmaß, Verantwortung und Menschlichkeit. Angehörige, Freunde oder ganze Dorfgemeinschaften unter Generalverdacht zu stellen, ist ebenso falsch wie gefährlich. Sippenhaft hat in unserer modernen Gesellschaft keinen Platz mehr – weder auf der Straße noch im digitalen Raum.

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