
Der Dorfplatz vor dem Gemeindeamt in Fieberbrunn soll neu gestaltet werden. Jetzt gibt es Diskussionen rund um die Grundverhandlungen.
Dorfplatz: Vereinbarung wurde beschlossen
Monatelange Verhandlungen gingen diesem Beschluss in der jüngsten Fieberbrunner Gemeinderatssitzung voraus: Die Gemeinde überlässt dem benachbarten Grundbesitzer rund 135 Quadratmeter Grund für einen Gastgarten, während der Gehweg erhalten bleibt. Im Gegenzug darf die Gemeinde eine gleich große Fläche am Parkplatz nutzen, wodurch der Dorfplatz erweitert wird. Die Vereinbarung gilt für 20 Jahre und beinhaltet eine Kündigungsmöglichkeit.
Die Vereinbarung hatte besonders seitens der Grünen für Kritik gesorgt. „Ich stehe absolut hinter dieser Vereinbarung, die gemeinsam mit der Familie besprochen worden ist. Es ist ein guter Kompromiss“, betonte Bürgermeister Walter Astner.
Fleckl: Entschuldigung für falsche Darstellung
Hinter der ausgehandelten Lösung steht auch Vize-Bgm. Thomas Wörgetter (JUFI) sowie GV Michael Wörgetter (Gemeinsam für Fieberbrunn) – im Gegensatz zu Vize-Bgm. Hannes Fleckl (Grüne), der bereits im Vorfeld Kritik geäußert hatte. „Ich muss mich allerdings entschuldigen, dass ich medial die unrichtige Darstellung gemacht habe, dass bei einseitiger Vertragskündigung das Grundstück nicht in den Gemeindebesitz zurückgeht.“ Das stimme so nicht. Er bedankte sich für die langen Verhandlungen, nichtsdestotrotz sieht er die Causa weiterhin kritisch.
Zwar wolle auch er das Projekt möglichst rasch umgesetzt sehen, doch hätte er anstelle eines derartigen Vertragsabschlusses eine Verschiebung oder Adaptierung des Projektes bevorzugt. Die geplante Bühne sollte seiner Ansicht nach multifunktional und verkleinerbar sein. Stattdessen werde ein Pavillon errichtet, der ganzjährig steht, aber seiner Meinung nach zwei Drittel des Jahres ungenutzt bleibt. „Deshalb kann ich dem nicht zustimmen.“
Mit 12 Ja-Stimmen wurde die Vereinbarung beschlossen. Die Grünen stimmten dagegen bzw. enthielten sich der Stimme. Im Sommer soll die erste Baustufe abgeschlossen sein.
Dorfgestaltung: Grüne Kritik an Verhandlungen
Im Herbst des Vorjahres wurde in Fieberbrunn stolz das Siegerprojekt zur „Dorfkernerneuerung“ präsentiert. Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität zu steigern, den Dorfkern attraktiver zu gestalten und den Verkehr durch die Einrichtung einer Begegnungszone zu beruhigen. Der erste Teil der Umsetzung umfasst die Neugestaltung des Dorfplatzes mit Veranstaltungsbühne sowie einen Abschnitt der Dorfstraße. Dafür wurde ein Kostenrahmen von 1,5 Millionen Euro festgelegt.
Jetzt, rund ein halbes Jahr später, sind die notwendigen Grundstücksverhandlungen nahezu abgeschlossen. Während Bürgermeister Walter Astner die Verhandlungen als sehr positiv ansieht, ist Vizebürgermeister Hannes Fleckl (Grüne) alles andere als einverstanden. Seiner Ansicht nach haben die Gemeindeverhandler nachgegeben und den Grundeigentümern zu viele Zugeständnisse gemacht: „Wir sind mit großen Ambitionen gestartet. Übrig geblieben ist davon eine große Bühne am neu gepflasterten Dorfplatz, der Verlust eines Grundstücks und keine Ideen, wie wir den Durchzugsverkehr durch unser Ortszentrum verringern können. Überdies verschenkt die Gemeinde Fieberbrunn nun auch noch ihr Familiensilber. Ich kann es nicht fassen“, zeigt sich Fleckl verärgert, der von eimem „schlechten Deal“ spricht.
Nur wenige Monate im Jahr nutzbar
Nach zähen Verhandlungen plane die Gemeinde nun, ein Grundstück von rund 130 Quadratmetern einem Grundeigentümer zu überlassen, um dafür eine ebenso große Fläche angrenzend an den Dorfplatz auf eigene Kosten pflastern zu dürfen und diese nur wenige Monate nutzen zu können, erklärt Fleckl. Zusätzlich übernehme die Gemeinde einen Teil der Errichtungskosten. Die Vereinbarung gelte zudem nur für 20 Jahre.
„Es ist traurig, wenn wir ein neues Dorfzentrum schaffen wollen, den zentralen Platz aber nicht nutzen können. Zu oft haben wir nachgegeben und uns abhängig gemacht. Die Forderungen sind einfach zu hoch. Man muss nicht alles auf Biegen und Brechen umsetzen. Die Gemeinde sollte den Mut haben, Nein zu sagen und besser zu verhandeln“, fordert Fleckl.
Astner hingegen widerspricht vehement und bewertet die Verhandlungen positiv: „Wichtig ist die Rückabwicklung. Die Vereinbarung ist auf 20 Jahre ausgelegt, danach haben beide Seiten das Recht, den Vertrag zu kündigen, und das Eigentum würde wieder an die Gemeinde zurückgehen.“
Gemeinderat muss noch zustimmen
Die Gemeinde gehe in diesem Projekt verantwortungsvoll mit ihrem Eigentum um. Von einer „Verscherbelung“ könne keine Rede sein. Ziel sei eine hochwertige, allgemein akzeptierte Gestaltung des Dorfplatzes unter Berücksichtigung öffentlicher und privater Interessen. Der betroffene Grundeigentümer sei seit Jahrzehnten ein verlässlicher Partner und habe seine Flächen stets unkompliziert zur Verfügung gestellt.
In der nächsten Gemeinderatssitzung sollen die Vorschläge abgesegnet werden. Die Mehrheit des Vorstandes habe bereits zugestimmt, informiert Astner. Die Grünen werden auch im Gemeinderat dagegen stimmen.