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Kitzbüheler Anzeiger

Die Puppe gehört mir. Punkt

Margret Klausner

Betrachtet man das Spiel mit der Macht, zeigt sich, dass es kein ausschließlich politisches Phänomen ist. Es beginnt nämlich schon viel früher. Im Kindergarten nämlich – zwischen Bauklötzen und Puppen – dort, wo Besitz erstmals verhandelt wird. Der einzige Unterschied zwischen Sandkiste und Weltpolitik liegt jedoch in der Anzahl der Scherben, die dabei zu Bruch gehen. Und darin, dass Erwachsene dabei meist Anzug und Krawatte tragen.
„Meins! Meins! Meins!“

... eines der ersten Wörter, die wir lernen. Unmissverständlich. Klar. Direkt. Später verfeinern wir es noch. Dann heißt‘s „historischer Anspruch“, „Sicherheitsinteresse“ oder „strategische Notwendigkeit“. Der Inhalt aber bleibt derselbe:

Ich will das. Und wenn ich es nicht bekomme, soll es niemand haben. Menschen mit Macht benehmen sich dabei oft wie kleine Kinder, die sich um eine Puppe streiten – nur, dass sie dabei nicht am Teppich, sondern an Konferenztischen sitzen. Sie fordern, sie drohen, sie stampfen gedanklich mit den Füßen. Kompromisse gelten als Schwäche. Rücksicht als Naivität. Und Verluste? Ein Kollateralschaden. Ein Wort, so sauber, dass man sich das Blut an den Händen gar nicht erst abzuwaschen braucht.

Nehmen ohne Geben.
Besitzen scheint immer mehr zum Selbstzweck zu werden. Nicht, weil es gebraucht wird oder weil es sinnvoll wäre – sondern weil ein Verzicht unerträglich scheint. Macht bedeutet nicht gestalten, sondern behalten. Oder besser gesagt: wegnehmen. Am liebsten alles. Sicherheitshalber. Man weiß ja nie. Kinder haben dabei übrigens einen moralischen Vorteil: Sie hören auf, wenn jemand weint. Und während die Kleinen irgendwann müde werden, kennen politische Machtkämpfe keinen Zapfenstreich.

Was die Macht mit uns macht.
Auffällig sind auch die Empfindlichkeiten der Mächtigen. Sie reißen sich alles unter den Nagel, reagieren aber beleidigt, wenn jemand fragt, warum. Kritik wird sofort als Angriff gewertet. Zweifel als Illoyalität. Und wer Menschlichkeit einfordert, hat „die Realität wohl nicht verstanden“.

Dennoch glaube ich, dass Macht uns nicht größer macht, sondern kleiner. Sie schrumpft den Horizont auf Besitz, Einfluss und Kontrolle. Alles andere wird zur Nebensache. Moral, Ethik, Verantwortung – egal. Hauptsache, die Puppe gehört mir. Auch wenn ihr danach ein Bein fehlt. Kinder lernen irgendwann, dass Spielen nur gemeinsam funktioniert. Erwachsene mit Macht scheinen diese Lektion verpasst zu haben. Und das ist bitter – denn wenn Erwachsene streiten, sind es selten nur Spielzeuge, die dabei zu Bruch gehen ...

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