
Der Winter ist keine Bank, der Sommer aber auch nicht
Das Beratungsunternehmen Prodinger veröffentlichte kürzlich seinen „Markt- und Trendreport Hotellerie Österreich 2026“. Die österreichische Hotellerie startet demnach heuer mit einer widersprüchlichen Ausgangslage: Die Nachfrage ist stabil, viele Betriebe sind gut gebucht, dennoch bleibt die wirtschaftliche Stimmung verhalten. Ursache dafür ist weniger der Markt als eine über Jahre gewachsene strukturelle Verschiebung von Kosten und Erträgen. 2026 markiert damit keinen klassischen Aufschwung, sondern den Übergang in eine neue Betriebslogik.
„Wandel im Wintertourismus“
Besonders deutlich zeige sich der Wandel im Wintertourismus, so Prodinger. Was lange Zeit als verlässlicher Ertragsanker galt, entwickelt sich zunehmend zum Risikofaktor. Steigende Kosten für Beschneiung, sinkende Planungssicherheit und klimatische Schwankungen belasten vor allem Destinationen in tieferen und mittleren Lagen. Die winterliche Wertschöpfung konzentriert sich immer stärker auf Jänner und Februar: „Der März hingegen entwickelt sich zunehmend zum Problemmonat, unabhängig davon, wie Ostern fällt.“ Künftig werden Kreditentscheidungen, Förderungen und Investitionen stärker an Resilienz, Saisonenverteilung und stabilen Cashflows ausgerichtet sein. Viele Betriebe stehen damit vor der Wahl, den Winter neu zu positionieren oder ihr Angebot bewusst über den klassischen Skifokus hinaus zu erweitern.
Parallel dazu wächst der Sommertourismus mengenmäßig deutlich und liegt vielerorts über dem Niveau von 2019. Wirtschaftlich bleibt dieser Zuwachs jedoch hinter den Erwartungen zurück. Viele Hotels sind strukturell auf das ertragreiche Wintergeschäft ausgerichtet und für Sommermonate mit geringeren Durchschnittsraten überdimensioniert. Zwar sind die nominalen Umsätze pro Nächtigung in den vergangenen Jahren gestiegen, inflationsbereinigt sind die realen Erträge jedoch stark gesunken. Ein erheblicher Teil der Wertschöpfung wurde durch die Teuerung aufgezehrt.
Stabile, aber kaum wachsende Nachfrage
Für 2026 sei insgesamt von einer stabilen, aber kaum wachsenden Nachfrage auszugehen. Insbesondere aus dem deutschen Markt sind keine zusätzlichen Impulse zu erwarten, wie Prodinger analysiert. Der klassische Skiurlaub wird weiterhin gebucht, gespart wird jedoch bei Zusatzleistungen. Immerhin zeichne sich auf der Kostenseite ab 2026 eine gewisse Entspannung ab. Mit sinkender Inflation kehrt mehr Planungssicherheit zurück, wenngleich Entlastungen zeitverzögert wirken. Der Arbeitsmarkt bleibt die größte Herausforderung. Erste Stabilisierungstendenzen bei den Betriebsergebnissen sind erkennbar, allerdings auf einem deutlich niedrigeren realen Ertragsniveau. Auf Angebotsseite gewinnen Budget-, Economy- sowie Boutique- und Lifestyle-Konzepte weiter an Bedeutung.
Insgesamt lautet die Kernanalyse der Prodinger Tourismusberatung: „2026 ist kein Jahr für kleinschrittige Anpassungen oder kosmetische Korrekturen. Die alpine Hotellerie steht vor der Aufgabe, bestehende Modelle grundlegend zu hinterfragen und neu auszurichten.“