Der Stammtisch, der zum Mythos wurde
Richtig ruhig wird es beim Stanglwirt das ganze Jahr über nicht – auch wenn die meisten Gäste davon kaum etwas mitbekommen. Doch die Hahnenkamm-Woche ist selbst für die großevent-erprobte Maria Hauser und ihr Team noch einmal eine ganz andere Dimension. „Für alle heißt das jetzt 24/7 Vollgas“, sagt sie. Gemeint sind damit nicht nur die 366 fixen Mitarbeiter im Haus, sondern auch jenes Netzwerk, das sich im Hintergrund wie ein zweites Uhrwerk dazuschaltet: Aushilfen, Techniker, Aufbauteams, regionale Firmen, Vereine, Marketingbetreuer und Security-Kräfte. Allein das Thema Sicherheit ist längst eine eigene Welt – über 60 Sicherheitsmitarbeiter stehen während dieser Woche im Einsatz.
Die Vorbereitungen begleiten den Stanglwirt das ganze Jahr hindurch und gipfeln schließlich in einer rund zweiwöchigen Aufbauphase. In dieser Zeit verwandelt sich das Areal in eine weitläufige Party-Landschaft mit fünf Schauplätzen: Reithalle mit Bühne, Tenne, Tanzboden, Lipizzaner-Lounge und Erdinger Hütte. Dazwischen entstehen neue Wege, Übergänge und Verbindungsgänge – so viele, dass selbst langjährige Stammgäste zwischendurch kurz die Orientierung verlieren.

Am Morgen ist die Party verschwunden
Ein Sinnbild für den Aufwand ist die Doppelstock-Altholzhütte: „Was der Käfer auf der Wiesn für 14 Tage aufbaut, haben wir nur für einen Abend“, sagt Hauser. Dazu kommen mehrere Bühnen, Bars und DJ-Spots – damit auch der „Klassikgast“ überall Möglichkeiten hat.
Und dann ist da noch die „zweite Schicht“, die kaum jemand sieht: die Zeit nach der Party. Wenn um vier oder fünf Uhr früh die letzten Töne verklingen, beginnt das große Verschwindenlassen. Hauser nennt sie „Zauberfeen“ – jene Teams, die in wenigen Stunden aus einer Festhalle wieder ein Hotel machen. „Wenn die Leute zum Frühstück aufstehen, sieht man nichts mehr.“
„Dass die Region jedes Jahr so hinter der Weißwurst-Party steht und mitfiebert, das freut mich am meisten.“
Maria Hauser


Eine Geschichte, die man nicht erfinden kann
Wenn 2.800 Gäste feiern, träumen viele auch vom „einfach dableiben“. Nur: Betten wachsen auch beim Stanglwirt nicht über Nacht aus dem Boden. Gut erinnert sich Maria Hauser an die Zeiten, als ihr ehemaliges Kinderzimmer zum Promi-Schlafzimmer umfunktioniert wurde. Sogar die Spa-Kabinen müssen hin und wieder für Übernachtungsgäste herhalten (nicht als verkaufte Zimmer, sondern als Notlösung für enge Freunde).
„Die Weißwurst-Party war kein Marketing-Gag. So etwas kann nur das Leben schreiben. Und der Geist ist bis heute derselbe geblieben. “
Maria Hauser
Der Kern der Weißwurstparty ist bis heute ihre Entstehungsgeschichte – und Maria Hauser erzählt sie so, als würde sie noch immer selbst staunen. Anfang der 1990er-Jahre pflegte der Stanglwirt eine enge Verbundenheit mit dem ÖSV: Die Abfahrer und das gesamte Team kamen traditionell vor dem Streif-Klassiker zum Essen. 1991 gab es das erste „Weißwurstessen“, ab 1992 war es unter dem Namen „Weißwurstparty“ bekannt. „Das war kein Marketing-Gag“, betont Hauser. „So etwas kann nur das Leben schreiben.“ Und genau darin sieht sie den Grund, warum die Resonanz über die Jahre nicht kleiner, sondern größer geworden ist.


Umbruch zum 20. Jubiläum
Es gab auch eine Phase, in der die Party zu kippen drohte: zu voll, zu beliebig, zu wenig Tracht, zu geringe Qualität. „Heillos überfüllt“, nennt es Hauser – und erzählt ehrlich von der Zeit, als ohne strenge Limits verkauft wurde. Kurz vor dem 20-Jahr-Jubiläum zog sie die Konsequenz: 2011 übernahm sie federführend die Organisation und stellte alles um: Die Tickets wurden limitiert, es gab klare Regeln und die Tracht wurde zum verbindlichen Dresscode. Gleichzeitig wurde massiv in Kulissen aus Altholz und urige Optik investiert.
Am emotionalsten wird Maria Hauser, wenn sie nicht über Stars spricht, sondern über Einheimische. „Dass die Region so voll dahintersteht und mitfiebert“, sagt sie, sei das Schönste.
Vor Kurzem etwa habe der Kindergarten St. Johann angerufen und um Servietten gebeten – weil man dort am Freitag eine eigene „Weißwurstparty“ veranstalten will. „Das hat mich im Herzen berührt“, sagt Hauser. „Dass die Kleinsten der Kleinen schon mitfiebern.“


Die originale Stanglwirt-Weißwurstparty fand heuer übrigens zum 33. Mal statt. Sie wartet mit Zahlen auf, die selbst erfahrene Event-Profis kurz schlucken lassen: 8.000 Champagner-Weißwürste, rund 8.000 Brezen und 30 Kilo süßer Senf werden verspeist. Dazu kommen tausende Flaschen Bier, Wasser, Rosé-Sekt und Champagner. Über 400 Mitarbeiter sind im Einsatz, insgesamt arbeiten rund um die Party bis zu 500 Menschen mit.
Erlebnisse, die man mit Geld nicht kaufen kann
Musikalisch setzt der Stanglwirt auf ein Programm, das Tradition und Popkultur zusammenführt: Diesjähriger Hauptact war Dick Brave, der beim Stanglwirt sein Comeback feierte. Ein Highlight, das Maria Hauser schon seit Jahren im Kopf hatte. „Wenn du jemals als Dick Brave auf die Bühne zurückkehrst, dann musst du das unbedingt bei uns machen“, hatte sie zu Sasha damals gesagt. „So etwas kann man mit keinem Geld der Welt kaufen“, weiß sie. Ganz besonders gilt das für den alljährlichen Besuch von Arnold Schwarzenegger. „Heute hat unser Stammtisch 2.800 Mitglieder“, sagt Maria Hauser und lächelt dabei. „Aber das Schönste ist, der Geist dieses Stammtisches ist über all die Jahre derselbe geblieben.“
Die besten Bilder der Weißwurstparty 2026











