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Kitzbüheler Anzeiger
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„Zwoa Brettln, a g’führiger Schnee“ und im besten Fall auch der Helm auf dem Kopf. Eine Verordnung für Kinder wird geprüft.

Debatte um Helmpflicht neu entfacht


Die Bilanz nach der rund zwei Wochen dauernden Weihnachtssaison zeigte es deutlich – ein Patienten-Plus von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr wurde in der Unfallambulanz des Bezirkskrankenhauses registriert. Dass die Zahl der Unfälle und Verletzungen beim Wintersport in Tirol seit Jahren kontinuierlich zunimmt, zeigt auch die Statistik des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit (ÖKAS). Im Winter 2023/2024 ereigneten sich in Tirol 2.155 Unfälle mit insgesamt 3.335 Verunfallten, darunter 2.378 Verletzte und 30 Todesopfer.

Liste Fritz fordert eine Helmpflicht

Für die Liste Fritz war das guter Grund, die ehestmögliche Einführung einer gesetzlichen Helmpflicht beim Wintersport für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 15. Lebensjahr durchzusetzen. Im Rahmen dieses Vorstoßes kam allerdings zu Tage, dass es in Österreich keine einheitliche Regelung gibt.
Mit Ausnahme von Tirol und Vorarlberg gilt nämlich für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 15. Lebensjahr beim Wintersport in allen anderen Bundesländern eine gesetzliche Helmpflicht. Diese Helmpflicht betrifft Minderjährige bis 15 Jahre und gilt beim Alpinskilauf, Snowboarden sowie bei anderen Wintersportarten wie Rodeln oder Skibobfahren.

Gesetzlich vorgesehene Kontrollen oder Strafen gibt es nicht. Dennoch können Bezirkshauptmannschaften, Polizei oder Pistenaufsichtsorgane auf die Einhaltung hinweisen. Experten betonen, dass Erwachsene keine Verpflichtung akzeptieren würden, Kinder jedoch aufgrund ihres eingeschränkten Gefahrenbewusstseins besonders geschützt werden müssen. Kommt es zu einem Unfall ohne Helm, können zudem versicherungsrechtliche Probleme entstehen.
Im Bezirk Kitzbühel könnte das unter Umständen für kuriose Situationen sorgen – so zieht sich ja nicht nur das Skigebiet Kitzbühel bis in den Pinzgau, grenzüberschreitend Ski fährt man auch auf der Steinplatte und in Fieberbrunn.

Der Landtags-Antrag wurde nicht beschlossen, sondern in den zuständigen Ausschuss verwiesen bzw. vertagt, kritisiert die Liste Fritz. Der für Sport zuständige LH-Stv. Philip Wohlgemuth erklärt dazu: „Der Schutz von Kindern und Jugendlichen beim Wintersport hat für mich oberste Priorität. Eine österreichweit einheitliche und verbindliche Helm-
pflicht wäre aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt. Aktuell wird auf Landesebene intensiv geprüft, wie eine gesetzliche Helmpflicht im Wintersport in Tirol bestmöglich umgesetzt werden kann. Auch weitere Wintersportarten, wie etwa das Rodeln, werden mitgedacht. Ziel ist es, eine praktikable, rechtssichere und vor allem wirksame Lösung zu erarbeiten, die einen echten Sicherheitsgewinn bringt.“

Die Umsetzung einer solchen Verordnung scheitert derzeit übrigens am Sportgesetz, das Ländersache ist. In Tirol fehlt bis heute ein entsprechendes Gesetz, weshalb es dort keine gesetzliche Helmpflicht, sondern nur Empfehlungen gibt. Stattdessen setzt das Land auf Bewusstseinsbildung, wodurch die Helmquote auf Skipisten mittlerweile sehr hoch sei. Während auf Skipisten Helme weitgehend akzeptiert sind, werden sie vor allem auf Rodelbahnen häufig nicht getragen. Eine gesetzliche Helmpflicht auf Skipisten, Rodelbahnen und Eislaufplätzen könnte die Sicherheitsregeln früh vermitteln sowie zur Entlastung des Gesundheitssystems beitragen, so Wohlgemuth.

Bergbahner: „Wir sind keine Pistenpolizei“

Auch wenn in Tirol keine Helmpflicht herrscht, empfehlen die Verantwortlichen der Bergbahnen im Bezirk Kitzbühel das Tragen eines Helms. Besonders in jenen Skigebieten, die ins Bundesland Salzburg übergreifen, ist das Thema nicht neu.

„Wir können das aber nicht sanktionieren“, stellt Christian Wörister von der Bergbahn AG Kitzbühel klar. Das Skigebiet reicht über den Pass Thurn bis nach Mittersill. Man könne nur lenken und informieren, sowie im Rahmen der Möglichkeiten das Tragen eines Helms für Kinder und Erwachsene empfehlen. „Wir sehen uns nicht als Pistenpolizei“, betont Wörister. Persönlich habe er überdies den Eindruck, dass vor allem jene ohne Helm auffallen.
Max Brandtner von der Waidringer Steinplatte – das Skigebiet liegt im Dreiländereck (Tirol, Salzburg und Bayern) – betont, dass allen Wintersportlern das Tragen eines Helms empfohlen wird. Nach seiner Einschätzung fahren über 90 Prozent der Skifahrer und praktisch alle Kinder mit Helm.

Kontrollen sind Aufgabe der Polizei

Kontrollen seien ausschließlich Aufgabe von Polizei oder Bezirkshauptmannschaften, stellt Brandtner klar. Die Verantwortlichen selbst könnten dies weder an den Kassen noch an den Anlagen leisten, da viele Gäste etwa nicht vollständig ausgerüstet ankommen. „An den Anlagen bei Vollbetrieb richten wir naturgemäß den Fokus auf die Durchgänge bzw. Drehkreuze sowie auf das sichere Ein- und Aussteigen“, so Brandtner.

Verantwortung beginnt beim Helm

Steigende Unfallzahlen und schwere Verletzungen zeigen, wie wichtig konsequenter Kopfschutz ist. Während Helme auf Skipisten längst Standard sind, bleibt das Risiko auf Rodelbahnen hoch – ein Plädoyer für klare Regeln und mehr Verantwortung.

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