
Bürger, Bäuerin, Edelmann und einiges mehr
Vor vollem Haus wurden im Museum Kitzbühel kürzlich die neuen Sonderausstellungen eröffnet – so umfang- und abwechslungsreich wie selten zuvor. Die erfolgreiche Schau „Handwerk Fotografie“ wird bis April 2026 verlängert und um neue Elemente ergänzt. Anlässlich „150 Jahre Giselabahn“ präsentiert das Museum einen eigenen Schauraum, zudem zeigt eine kleine Ausstellung im Eingangs- und Foyerbereich die winterliche Arbeit der Bauern sowie weihnachtliches Brauchtum. Neu eröffnet wurde außerdem „Bürger, Bäuerin, Edelmann“, eine semipermanente Ausstellung, die voraussichtlich fünf Jahre zu sehen sein wird.
„Mit ,Bürger, Bäuerin, Edelmann. Das alte Kitzbühel und sein Wandel im 19. Jahrhundert‘ schließen wir eine Lücke. Viele dieser Themen konnten wir bisher nur am Rande zeigen“, erklärte Marianne Erber, stellvertretende Leiterin des Hauses, im Rahmen der Vernissage. Das Team rund um Direktor Wido Sieberer und Marianne Erber entschied sich für eine Erzählweise aus der Perspektive der Kitzbühelerinnen und Kitzbüheler. Fünf Kapitel geben Einblicke in adelige Herrschaft, bäuerliche Arbeit, Bergbau und Handwerk bis hin zum Wandel zur Tourismusstadt. Zu sehen sind unter anderem Objekte zur harten bäuerlichen Arbeitswelt, zu religiösen und heidnischen Bräuchen sowie eine Ofenkachel mit einem Bild von Martin Luther, die beim Bau der Hahnenkammbahn entdeckt wurde.
Besondere Frauenperspektiven eröffnen etwa die Geschichte von Anna Ruch (Hotel Tiefenbrunner) oder Edith Semperbonis detailgenau rekonstruiertes „Ladei“ aus der Wegscheidgasse, das den Schlusspunkt der Ausstellung bildet.
Workshops zur Filmentwicklung
Der neue Schauraum „Schöner wird’s nicht mehr – wir kehren um“ widmet sich Kitzbühels unverwechselbarer Eisenbahnschleife um die gesamte Stadt. Direktor Wido Sieberer schildert den Titel der Ausstellung augenzwinkernd: „Als in den 1870er-Jahren die im Volksmund nach der Erzherzogin Gisela benannte Eisenbahn von Wörgl über das Brixental in Richtung Kitzbühel geführt wurde, sei es landschaftlich immer schöner geworden und als man bemerkt habe, dass es schöner nicht mehr werden könnte, habe man beschlossen umzukehren.“ Heuer wird das 150-Jahr-Jubiläum der Giselabahn begangen, der Verbindung zwischen Wörgl und Salzburg.
Die Schau „Handwerk Fotografie“ wurde indes um eine Dunkelkammer erweitert. Dort finden in den kommenden Wochen auch Workshops zur Filmentwicklung statt.

Kostenlose Führungen an den Donnerstagen
Bei seiner Eröffnungsrede gab Kitzbühels Kulturreferent Fritz Eller dem Publikum noch einen Hinweis mit: „Hinter all den Bürgern, Bauern und Edelmännern in Kitzbühels Geschichte steht die natürliche Intelligenz, also keine KI, und die war in der Regel weiblich. Ohne diese Frauen hätte es viele große Leistungen, die unseren Herren zugeschrieben worden sind, nicht gegeben.“
Zwischen 27. November und 11. Dezember ist das Museum zusätzlich jeden Donnerstag bis 20 Uhr geöffnet; um 18 Uhr findet eine kostenlose Führung durch „Bürger, Bäuerin, Edelmann“ und den Giselabahn-Schauraum statt. Zu bezahlen ist lediglich der Eintritt.








