
Brauchtum lebendig gehalten
Für Gudrun Leitner-Hölzl sind die Donnerstage vor Weihnachten fix verplant. „Vor Kurzem hätten wir von der Firma aus unsere Weihnachtsfeier gehabt, aber die musste ich dankend absagen, weil das einer jener Donnerstage ist, an denen wir als Anklöpflergruppe von Weiler zu Weiler ziehen, um die Menschen mit unseren Liedern zu erfreuen“, erzählt die Westendorferin.
Zu dritt, inklusive Gitarre, ist die Gruppe unterwegs. „Unser dienstältestes Mitglied ist bald 80 Jahre alt und lebt dieses Brauchtum seit nahezu sieben Jahrzehnten“, berichtet Leitner-Hölzl nicht ohne Stolz.
Ganz so lange ist sie selbst noch nicht Teil der jetzigen Konstellation, doch in rund 13 Jahren gemeinsamen Anklöpfelns haben sich bereits zahlreiche Erinnerungen angesammelt. „Man erlebt schon viel“, sagt sie schmunzelnd. „Abgesehen davon, dass ich nach der Adventzeit meist ein paar Kilo mehr auf die Waage bringe, weil man überall so herzlich mit Köstlichkeiten empfangen wird, erinnere ich mich besonders gern an ungewöhnliche Auftrittsorte.“
Hirtenspiel mitten im Stall unter den Tieren
Ein Erlebnis ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: „Einmal kamen wir genau zur Melkzeit zu einer bäuerlichen Familie und haben unser Hirtenspiel kurzerhand im Stall aufgeführt. Dort standen auch einige Esel – authentischer hätte die Kulisse nicht sein können, und sie hat auch uns sehr berührt.“
Auch Katrin Schweiger zieht jedes Jahr mit ihrer Gruppe durch Kirchberg und motiviert dafür stets aufs Neue die Mitglieder von „Pura Vida“. Ihr traditionelles „Klöpfegewand“ besteht aus einem vom Vater vermachten Filzhut und einem Wetterfleck ihres Schwiegervaters, ergänzt durch einen eigens angefertigten Bart. Für Schweiger ist das Anklöpfeln heute weit mehr als die bloße Verkündigung der Geburt Jesu. „Gerade in unserer Zeit merkt man, wie wichtig Zusammenrücken und Zusammenhalt wieder geworden sind“, sagt sie.
„Vor Kurzem hätten wir von der Firma aus unsere Weihnachtsfeier gehabt, aber die musste ich dankend absagen, weil das einer jener Donnerstage ist.“
Gudrun Leitner-Hölzl
Heuer habe sich die Gruppe etwas Besonderes einfallen lassen. „Wir tragen ein an die heutige Zeit angepasstes Hirtenspiel vor, in dem es heißt: ,Denk amoi ausse, heid kimb grod de Weihnachtszeit. Denk an de onan Leit, es war woi Zeit domois wia heid‘“, fasst Schweiger die Botschaft zusammen. Gerne erinnert sie sich auch an ihre eigene Jugend zurück. Besonders begehrt sei damals der Besuch bei einer Lehrerin gewesen.
„Dort hinzugehen war ein Privileg. Wir durften uns auf einen sündhaft teuren Teppich setzen und uns mit Tee aus feinstem chinesischen Porzellan aufwärmen – da haben wir Augen gemacht, so etwas kannten wir nicht“, erzählt sie schmunzelnd.
Auch Gudrun Leitner-Hölzl hat noch eine Anekdote parat. „In einem Spruch der Anklöpfler heißt es ja: ,Heid is de Klepfenocht, heid damma singa, feascht hobs ins an Brondwei gem, wissts es des nimma‘ – und das wurde uns nicht selten zum Verhängnis, weil uns nach einem Schnapserl plötzlich die altbewährten Lieder nicht mehr eingefallen sind. Aber die Zuhörer nehmen das zum Glück mit Humor.“
Waren es früher meist Mandarinen, Äpfel oder gelegentlich eine Tafel Schokolade, so erhalten die Anklöpfler heute vor allem Geldspenden. Und darin sind sich die beiden traditionsbewussten Frauen einig: „Da kommt ein beachtlicher Betrag zusammen, und es ist schön zu wissen, dass man damit Gutes tun kann und die Spenden zu hundert Prozent in der Region bleiben.“