Zum Inhalt springen
Job AnzeigerImpulsTrendig MagazinServus
Kitzbüheler Anzeiger

Bewährungsprobe für die Gesellschaft

Margret Klausner

Die Empörung im Fall Schmotzer ist groß. Der gewaltsame Tod des Katers in Brixen, festgehalten und verbreitet in einem Video, hat für Entsetzen gesorgt. Tierschützer – und nicht nur sie – reagieren mit Unverständnis auf die Freisprüche der vier Angeklagten. Das Urteil ist jedoch rechtskräftig und die Entscheidung des Gerichtes zu respektieren. Ob man es nachvollziehen kann oder nicht.

Die Bilder sind schwer zu ertragen: Eine Katze wird mit einem Bolzenschussgerät und einer Schneeschaufel gequält und schließlich mit einem Schnitt durch die Kehle getötet. Dazu eine laufende Kamera, das Lachen der Beteiligten und die Veröffentlichung des Videos. Moralisch ist dieser Vorgang kaum zu begreifen. Doch ein Gericht urteilt nicht über moralische Abgründe. Es hat zu prüfen, was nach geltendem Recht zweifelsfrei strafbar und wem eine Tat nachweisbar ist.

Gerade an dieser Stelle beginnt eine eigentliche Bewährungsprobe für unsere Gesellschaft. Empörung darf nicht in Hass umschlagen. Wer die Freigesprochenen, ihre Familien oder ihr Umfeld in den sozialen Medien bedroht, verteidigt damit weder den Tierschutz noch die Gerechtigkeit. Das Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ hat keinen Platz. Selbstjustiz bleibt Unrecht – auch wenn sie sich auf ein moralisch richtiges Anliegen beruft. Der Fall Schmotzer zeigt auch, wie rasch Mitgefühl in Menschenverachtung kippen kann.

Integrität zeigt sich nicht darin, nur dann Haltung zu bewahren, wenn es leichtfällt. Sie zeigt sich gerade dann, wenn Wut und Enttäuschung groß sind. Friedliche Mahnwachen, Petitionen sowie Initiativen können auf Missstände aufmerksam machen und Veränderungen anstoßen.

Das ist meine Meinung zu diesem Thema:

Ja, ich möchte künftig einen Newsletter vom Kitzbüheler Anzeiger erhalten.

Ich akzeptiere die Datenschutzbestimmungen.