Ausgetickt – wenn die Zeit stillsteht
Welche Blüten der Spardruck inzwischen treibt, zeigt die Diskussion rund um die kaputte Fassadenuhr am St. Johanner Bahnhof. Der Bahnhof wurde gemeinsam mit der Giselabahn im Jahr 1875 eröffnet und prägt seit mittlerweile 150 Jahren das Ortsbild. Gerade deshalb ist die Uhr weit mehr als nur ein technisches Detail an der Fassade.
Dass die stehengebliebene Uhr inzwischen sogar in den sozialen Medien diskutiert wird, zeigt deutlich: Auch im Handy-Zeitalter gehört der klassische Blick zur Bahnhofsuhr für viele Fahrgäste nach wie vor ganz selbstverständlich dazu. Sie ist Orientierungspunkt, Symbol für Pünktlichkeit und Teil des vertrauten Erscheinungsbildes.
Einige Tausend Euro würde die Reparatur kosten – Geld, das die Verantwortlichen der ÖBB offenbar nicht mehr investieren wollen, sondern lieber den Weg des geringsten Widerstandes gehen und die Uhr abmontieren. Allerdings kann nicht alles, das sich in Zahlen ausdrücken lässt, ausschließlich nach betriebswirtschaftlichen Kriterien bewertet werden.
Gerade Bahnhöfe verlieren vielerorts zunehmend ihren Charakter. Historische Elemente verschwinden, digitale Anzeigen ersetzen gewachsene Strukturen. Die Bahnhofsuhr von St. Johann mag kein lebensnotwendiges Infrastrukturprojekt sein – sie ist aber ein Stück Identität und Alltagskultur.
Vielleicht wäre es deshalb an der Zeit, nicht nur über Einsparungen zu sprechen, sondern auch darüber, welchen Wert solche sichtbaren Zeichen von Geschichte und Heimatgefühl für eine Gemeinde haben.