
Aufschnaiter kehrt hörbar zurück
Der in Kitzbühel geborene Benedikt Anton Aufschnaiter war Anfang des 18. Jahrhunderts einer der bedeutendsten Komponisten des süddeutsch-österreichischen Raums. Beim Barockkonzert in der Landesmusikschule wurde nun spürbar, welch hohes Ansehen er einst genoss. Kulturreferent Fritz Eller begrüßte das Publikum herzlich und betonte die Bedeutung, diesem fast vergessenen Sohn der Stadt wieder eine Bühne zu geben.
Ein Komponist von europäischem Rang
Aufschnaiter wirkte viele Jahre in Passau, wo er eine der höchsten musikalischen Positionen seiner Zeit innehatte. An den Wiener Hof wie sein berühmter Zeitgenosse Johann Joseph Fux gelangte er zwar nicht, obwohl er dem Kaiser Werke widmete. Dennoch wurden seine Kompositionen europaweit gespielt und geschätzt. Besonders bemerkenswert ist seine stilistische Ausrichtung: Während der Alpenraum musikalisch stark von Italien geprägt war, orientierte er sich mutig am französischen Stil – einer Ästhetik, die politisch nicht unumstritten war, musikalisch aber für Eleganz, Klarheit und rhetorische Kraft stand.
Einblicke vor Konzertbeginn
Vor dem Konzert gaben Musikwissenschaftler Franz Gratl und Dirigent Marian Polin Einblicke in Aufschnaiters Karriere und in die Besonderheiten seiner Musik. Anschließend präsentierten zwei Musiker des Ensembles jene Instrumente, die um 1700 neu und technisch anspruchsvoll waren – darunter die barocke Oboe und das Horn, deren besondere Bauweise und Klangfarben die Musik dieser Zeit maßgeblich prägten.
Die Kombination aus Hintergrundwissen und praktischen Klangbeispielen führte das Publikum mitten hinein in jene Epoche, in der Barockmusik als „sprechende“ Musik verstanden wurde.
Das Puzzle der Geschichte
Das Dokumentationszentrum Benedikt Anton Aufschnaiter in Kitzbühel arbeitet seit rund zwei Jahren daran, das verstreute musikalische Erbe des Komponisten zusammenzuführen. Musikwissenschaftlerin Cornelia Erber beschreibt ihre Arbeit als eine detektivische Suche, deren Spuren weit über Tirol hinausreichen: „Es ist wie ein großes Puzzle – die Teile liegen in ganz Europa, und langsam entsteht wieder ein Bild.“ Auch das noch erhaltene Geburtshaus in Kitzbühel liefert einen stillen Hinweis auf die Wurzeln eines Musikers, dessen Wirkung sich über viele Länder erstreckte.
Im Konzert zeigte die Innsbrucker Hofmusik, wie lebendig und kraftvoll Barockmusik heute klingen kann. Das junge Ensemble setzt sich intensiv mit Tirols musikalischem Erbe auseinander und möchte deutlich machen, dass diese Werke keineswegs zur „zweiten Reihe“ gehören. Mit sichtbarer Spielfreude präsentierten die Musiker Werke von Georg Muffat, Gottfried Finger und Johann Joseph Fux, bevor Aufschnaiters „Serenada della Pace“ als farbenreiches, festliches Schlussstück erklang und den Abend eindrucksvoll abrundete.
Ein kultureller Schatz für die Region
Das Konzert machte deutlich, dass Aufschnaiter kein Randphänomen der Musikgeschichte ist, sondern ein europäischer Künstler von Rang. Seine Wiederentdeckung ist eine kulturelle Chance für Kitzbühel – und ein klingender Blick auf ein Kapitel regionaler Geschichte, das lange im Schatten stand.