
Auf den Spuren eines großen Sohnes
Bei großem Interesse lud Musikwissenschaftlerin Cornelia Erber vom Benedikt-Anton-Aufschnaiter-Dokumentationszentrum zu einem Stadtspaziergang auf den Spuren des berühmten Kitzbüheler Komponisten Benedikt Anton Aufschnaiter (1665–1742) ein.
Der Rundgang führte die Teilnehmer rund 360 Jahre zurück in eine Zeit, in der Kitzbühel bereits eine wohlhabende Bürgerstadt war. Kupfer und Silber aus dem Bergbau brachten Reichtum in die Stadt, Knappen und Händler prägten das Stadtbild, das sich bis heute kaum verändert hat.
Zeitreise durch das barocke Kitzbühel
Ausgangspunkt war der Platz vor dem Tourismusverband mit dem Maximiliansbrunnen. Von hier aus lassen sich sowohl das vermutete Geburtshaus Aufschnaiters als auch das Haus seiner Großeltern erkennen. Cornelia Erber zeichnete dabei ein lebendiges Bild des barocken Kitzbühels mit seinen Wirtshäusern, Bürgerhäusern und Kirchen. Stationen des Spaziergangs waren unter anderem das Berggericht als einziger Profanbau der Stadt, die Katharinenkirche mit ihrem Feuerwächterturm sowie die Spitalskirche, die im 19. Jahrhundert verkleinert wurde. Ein besonderer Halt galt der Liebfrauenkirche mit ihrem mächtigen Glockenturm und der berühmten 6.332 Kilogramm schweren Glocke, die als eine der klangschönsten des Landes gilt.
Benedikt Anton Aufschnaiter wurde am 21. Februar 1665 in eine angesehene Kitzbüheler Bürgerfamilie geboren. Der Großvater war Spielmann, der Onkel in der Kirchenmusik tätig. Die Eltern besaßen ein Regal, eine Heimorgel und führten ein Wirtshaus. Benedikt war das dritte von sechs Kindern und wuchs in einem streng katholischen Umfeld auf, geprägt von der Gegenreformation und großen Prozessionen.
Schon früh zog es den musikalisch Hochbegabten über Innsbruck nach Wien, wo er Jura studierte und einer Adelskapelle vorstand. 1705 wurde Aufschnaiter Domkapellmeister und Hofkomponist des Fürstbischofs von Passau Johann Philipp Graf von Lamberg, einem Vorfahren des heutigen Grafengeschlechts in Kitzbühel, das ihn vermutlich bereits in jungen Jahren gefördert hatte. In Passau wirkte Aufschnaiter 36 Jahre lang und schuf ein umfangreiches Werk von über 200 Kirchenkompositionen.
Aufschnaiter war Mitglied der Cäcilienbruderschaft, der Patronin der Kirchenmusik, und komponierte ihr bis zu seinem Tod am 24. Jänner 1742 jährlich eine Messe. Seine Musik gilt als erhaben, würdevoll und klanglich außergewöhnlich.
Die Pfarrkirche St. Andreas wurde im 18. Jahrhundert barockisiert und prägt gemeinsam mit dem Pfarrhof, dem ehemaligen Dominikanerkloster, dem heutigen Haus der Vereine und dem Stadtarchiv bis heute das barocke Stadtbild Kitzbühels.
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Der Stadtspaziergang machte eindrucksvoll sichtbar, wie lebendig das barocke Erbe der Stadt bis heute ist. Am 21. Februar um 11 Uhr findet der Spaziergang nochmals statt. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wichtig die wissenschaftliche Forschungsarbeit rund um Benedikt Anton Aufschnaiter ist. Vieles über das Leben dieses berühmten Sohnes der Stadt ist noch immer unerforscht, doch es besteht berechtigte Hoffnung, künftig noch mehr über diesen außergewöhnlichen Komponisten und seine enge Verbindung zu Kitzbühel zu erfahren.


