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Kitzbüheler Anzeiger
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Wolfgang Ambros ist mit Waidring seit Jahrzehnten eng verbunden. Sein Kultsong "Schifoan" ist hier aber nicht entstanden.

50 Jahre "Schifoan": Noch immer ein Kultsong?

Man schrieb das denkwürdige Jahr 1976, als der damals knapp 24-jährige Wolfgang Ambros, mit seinen rebellischen Rocksongs schon längst ein Star der österreichischen Musikszene, nach einem legendären Skitag einen ebenso legendären Song erschuf – „Schifoan“.

Entstanden aus dieser Euphorie ist er nicht nur Ambros‘ erfolgreichster Song, sondern österreichisches Kulturgut geworden. Eine Hymne des Wintersports, die über Generationen nichts an Faszination eingebüßt hat. Anders ist es nicht erklärbar, dass Kinder heute Seite an Seite mit den Eltern und Großeltern textsicher und aus vollster Kehle „Schiiiifoan“ mitsingen – ob auf einem Ambros-Konzert oder bei einer Skihüttengaudi. Fazit: An diesem Song kam und kommt niemand vorbei – egal, ob Skifahrer oder nicht.

Daheim in Waidring schildert uns der Ausnahmekünstler wann und warum „Schifoan“ entstanden ist und wie es ihm jetzt, nach einem halben Jahrhundert, mit diesem Kultsong auf der Bühne ergeht. Denn verlangt wird er vom Publikum noch immer, sogar im Sommer.

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Bild aus vergangenen Tagen: „Schifoan“ mit Wolfgang Ambros auf der Waidringer Steinplatte (2004).

Kitzbüheler Anzeiger: Sie sind mit Waidring seit Jahrzehnten eng verbunden, vor 16 Jahren haben Sie sich hier sogar dauerhaft niedergelassen. Ist „Schifoan“ womöglich in Waidring entstanden?

Wolfgang Ambros: Nein, zu diesem Zeitpunkt kannte ich Waidring nur vom Vorbeifahren. Schifoan ist auch nicht im Stubaital oder in Zell am See entstanden, wie man vermuten könnte, sondern nach einem Skiurlaub in Zauchensee, irgendwann im Februar 1976.

Schifoan ist seit Jahrzehnten die Hymne des Wintersports. War das Wedeln für Sie tatsächlich das Leiwandste, was man sich nur vorstellen kann?

Die Initialzündung kam von Hansi Hinterseer. Wir kannten uns von meinen Stopps beim Stanglwirt in den Siebzigerjahren. Hansi vermittelte mir damals völlig neu konzipierte Kneissl-Ski und gab mir auch gleich Tipps fürs Skifahren. Damit fuhr ich dann nach Zauchensee, wo mir auf der Piste der berühmte Knopf aufgegangen ist. Erst da hat mich die Leidenschaft fürs Skifahren richtig gepackt.

"I bleib am Montag a no do – das hat sich schon das eine oder andere Mal so ereignet.“

Wolfgang Ambros

So nach dem Motto: Wenn der Schnee staubt und die Sonn scheint, ist alles Glück in mir vereint?

Genau. Es war Sonntag, am späten Nachmittag. Die Sonne war gerade beim Untergehen, ich stand allein auf dem Gipfel und ich hab noch einmal ins Tal geschaut. Dann die letzte Abfahrt. Und plötzlich habe ich es gespürt, es hat auf einmal alles gepasst. Meine Ski und ich – wir waren eins. Ich musste mich nicht mehr plagen, es ging alles von allein. Es war magisch.

„I foar no ned z‘Haus, i bleib am Montag a no do – eine wahre Begebenheit?

An diesem Sonntagabend leider nein, ich musste dringend nach Wien zurück. Später ist es schon einige Male passiert, dass ich meine Abreise Sonntagabend kurzfristig verschoben habe (schmunzelt). Der erste am Berg war ich allerdings nie.

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Austropopper mit Heinz Kienpointner (2. v. l.) in Waidring: Wolfgang Ambros (links.), Joesi Prokopetz, Manfred Tauchen (rechts) in den frühen Achtzigern. Foto: Privatarchiv Kienpointner

Wann ist Schifoan eigentlich entstanden?

Noch in derselben Nacht. Ich saß am Küchentisch in meinem Elternhaus in Wolfsgraben und schrieb um 2 Uhr in der Früh den Text. Die Musik hatte ich schon im Kopf. Es war eine Sache von zwei oder drei Stunden.

Hat der neue Song bei Ihren Fans gleich eingeschlagen?

Nein, gar nicht. Die Single kam erst kurz vor Weihnachten 1976 auf den Markt. Es war eine große Enttäuschung für mich, dass sie in Österreich so unwillig angenommen wurde. Sogar meine Freunde haben den Song engstirnig bewertet. ‚Das ist nimmer der Wolferl. Das ist ein Schlager‘, haben sie damals gesagt. Heutzutage wäre das nicht so tragisch, damals war das ein Urteil.

„Als Schifoan erschienen ist, hieß es: Das ist nimmer der Wolferl. Das ist ein Schlager.“

Wolfgang Ambros

Heute ein Kultsong, früher zunächst ein Flop. Warum?

Schifoan war ganz anders als alle meine Songs davor. Da gab es „Da Hofer“, „Gemeindebau“, „Zwickt‘s mi“ „Die Kinett‘n“, „Zentralfriedhof“ und plötzlich erschien Schifoan, im Reggae-Sound und mit volkstümlichen Elementen, alles arrangiert von Christian Kolonovits. Die Klarinettenstimmen wurden von Synthesizern erzeugt. Das war damals neu.

Buckelpisten und Tiefschnee geliebt

Wann ist der Stern von Schifoan schließlich aufgegangen?

Der Song war schon zwei Jahre alt, ich hatte ihn aus dem Programm gestrichen. Auf einem Konzert in Deutschland verlangte das Publikum plötzlich lautstark nach Schifoan. Ich konnte mich nicht mehr genau erinnern, wie der Song ging und mit der Band war er nicht einstudiert. ‚Ich versuch‘s halt‘, sagte ich zu meinem Publikum. Da entstand die Version, bei der ich mich allein mit der Gitarre begleitete. Von da an setzte sich Schifoan durch, anders wäre es vermutlich in der Versenkung verschwunden.

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Mit dem ehemaligen Waidringer Langzeit-Bürgermeister und Skischul-Chef Heinz Kienpointner verbindet Wolfgang Ambros seit Jahrzehnten eine innige Freundschaft. Foto: Archiv Kienpointner

Was bedeutete der Skisport für Sie persönlich?

Ich habe die Buckelpisten und den Tiefschnee geliebt. Der Skisport hat mich nie mehr losgelassen, seinetwegen bin ich nach Tirol gezogen. Ich habe Ende der Siebzigerjahre sogar in der Skischule Rote Teufel unter Chef Toni Sailer gearbeitet, obwohl ich das zu diesem Zeitpunkt finanziell gar nicht mehr nötig hatte. Später hab ich in der Skischule in Waidring bei meinem Freund Heinz Kienpointner ausgeholfen. Ich bin mit Kindern, aber auch mit Erwachsenen aus Holland, England oder Deutschland gefahren. Es war für mich immer das Leiwandste, die steilen, weißen Pisten hinunterzuwedeln. Später, beim Carven, konnte man sich plötzlich in jeder Schräglage bewegen. Das war eine ganz neue Dimension auf Skiern.

Ist Schifoan noch immer Teil Ihres Bühnenprogramms?

Schifoan ist auf meinen Konzerten immer die allerletzte Nummer. Das wissen meine Fans und sie warten schon darauf. Ich habe im Laufe meines Lebens mehrere hundert Songs geschrieben, Schifoan ist der erfolgreichste von allen. Ich bin demütig und dankbar, dass mir dieser Erfolg vergönnt ist.

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