02.04.2020
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Vom Kleid zur Schutzmaske

Das Land Tirol hat Schneiderinnen für die Herstellung von 100.000 Mundschutzmasken gesucht. Insgesamt sind nun 70 am Werk, mit dabei auch Maria Mercedes Hauser aus Kitzbühel.

Kitzbühel | Als der Aufruf von Innungsmeisterin Brigitte Huditz im Auftrag vom Land Tirol kam, überlegte Maria Mercedes Hauser nicht lange. Sie wollte helfen und sie kann helfen. Die Kitzbühelerin hat seit rund zwanzig Jahren ihr Atelier in der Ehrenbachgasse und anstatt Damenmode zu schneidern setzt sie nun auf Mundschutz.

Herstellung von 60 Masken pro Tag
Als erste Maßnahme galt es in ihrem Studio die ganzen Stoffe und Materialien wegzuräumen, damit mit der Maskenherstellung gestartet werden kann. Ambitioniert sind die Vorgaben - pro Tag müssen 60 Masken genäht werden, innerhalb einer Woche sind es 300 Stück. „Es werden mehr“, sagt Hauser zur aktuelle Lage.  Seit vergangenem Donnerstag hat sie das Material von der Wirtschaftskammer Tirol mit Stoff und Bändern erhalten, seitdem arbeitet sie dran.

Eine Kooperation für 15 bis 20 Arbeitstage
Am Ende der Woche werden alle Masken zur Qualitätskontrolle nach Innsbruck zurückgeschickt. Passt die Arbeit, dann bekommt die Kitzbüheler Modedesignerin weiteres Material zur Verarbeitung zugeschickt. Insgesamt werden für die Kooperation zwischen 15 bis 20 Arbeitstage gerechnet. Den Vorteil einer Maske erklärt Virologin Cornelia Lass-Flörl, indem eigene Sprech- oder Hustentröpfchen durch eine solche Maske gefiltert werden. Einen 100-prozentigen Schutz gebe es aber nicht.
Nach drei bis vier Stunden müsse die Maske gewaschen werden. Wichtig sei auch, die Maske nicht außen anzugreifen und eine entsprechende Händehygiene zu beachten.

Die Nähmaschine läuft auf Hochtouren
Obwohl die Kitzbühelerin über langjährige Arbeitserfahrung in Asien und Europa verfügt, beschreibt sie die jetzige Produktion von Schutzmasken als große Herausforderung. Einerseits die Menge der Masken und andererseits handelt es sich um ein medizinisches Produkt. Die Nähmaschine läuft auf Hochtouren, „Mein Fuß ist nun ein Gasfuß“, erzählt Hauser aus ihrem derzeitigen Arbeitsalltag. Außerdem muss jede Naht passen, denn mehrmaliges Waschen mit 90 Grad sowie keine ausgefransten Masken sind ein Muss.
Eine Kooperationsbedingung der Wirtschaftskammer ist daher, dass die Schneiderin vom Fach ist und ein Gewerbe hat. Außerdem hofft Hauser durch ihre Arbeit beitragen zu können, dass die Wertschätzung für Maßarbeit in Österreich steigt. Seit die Schutzmaskenpflicht am Montag verkündet wurde, steht auch ihr Telefon nicht mehr still. „Alle rufen mich wegen Masken an“. Die Designerin betont, dass es bei ihr aber keine Masken zu kaufen gibt.

Neue Perspektive nach der Krise
Arbeit hat die Schneiderin noch genug. Als Modedesignerin stellt sie Einzelstücke in der Damenmode her. Außerdem gibt sie Stil- und Stylingberatung sowie Hilfe beim Kleiderschrankentrümpeln.
„Ich schneidere aber auch gerne nach Bedarf, nicht nur exclusiv“, versichert die Kitzbühelerin. Derzeit hat sie es aber schwierig mit ihren Kunden, da kein Kundenkontakt und daher keine Anproben möglich sind. Optimistisch ist sie aber für die Zukunft: „Ich mach mir keine Sorgen“.
Verena Mühlbacher

Für die Geschickten: Eine Anleitung zur Herstellung einer Maske finden Sie in unserer Printausgabe auf Seite 48.

Bunt ist normalerweise der Arbeitsplatz von Maria Mercedes Hauser, derzeit jedoch Ton in Ton. Die Kitzbühelerin hilft bei der Herstellung von Mundschutzmasken, im Auftrag der Wirtschaftskammer für das Land Tirol. Foto: Hauser

 
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