01.05.2019
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Neue Regelung für Hundehalter

Das Land Tirol hat einen Maßnahmenkatalog für „mehr Sicherheit für Menschen und artgerechte Haltung für den Hund“ erarbeitet. Vor dem Hundekauf soll in Tirol künftig eine Schulung absolviert werden. In bestimmten Bereichen wie Spielplätzen oder Schulen soll tirolweit die Leinen- und Maulkorb­pflicht gelten – nicht nur für Listenhunde.

Bezirk | Der Hund gilt als der beste Freund des Menschen. Doch das Zusammenleben verläuft nicht ganz reibungslos – immer wieder kommt es zu gefährlichen Vorfällen mit Hunden. Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf, zuständig für das Tiroler Landespolizeigesetz, zieht eine Zwischenbilanz über die bisher in Tirol geplanten Maßnahmen: „Mehr Sicherheit für den Menschen und trotzdem die artgerechte Haltung für den Hund – diesen Spagat gilt es zu meistern.

Hier sage ich ganz klar: Keine Schnellschüsse und Überschriften, sondern fachlich fundierte Regelungen! Wir halten jede Woche Rücksprache mit Experten, mit denen wir gemeinsam einen Maßnahmenkatalog erarbeiten. Es geht insbesondere um Aufklärung, etwa in Form von Schulungen für Hundehalter und eine tirolweite Leinen- und Maulkorbregelung. Dem Modell der ‘Listenhunde‘ stehen wir auf den Rat aller Fachleute hin kritisch gegenüber.“

Schulung vor Hundeanschaffung

Neo-Hundehalter sollen künftig einen verpflichtenden Sachkundenachweis zur Hundehaltung bei der Anmeldung eines Hundes bei der Gemeinde erbringen. In Zusammenarbeit mit der Fachgruppe der Hundebetreuer in der Wirtschaftskammer Tirol will die Landesrätin Schulungen für Hundehalter organisieren, bei denen sie diese Sachkunde erwerben können. Die Schulungen sollen von zertifizierten und gut ausgebildeten Hundetrainern durchgeführt werden. „Unsicherheit und falsche Haltung stellen bei Hunden die größte Gefahr dar. Wer einen Hund hält, hat aber eine Sorgfaltspflicht zu erfüllen. Das Wissen dafür ist für die Vermeidung von Beißvorfällen unverzichtbar. Hunde sind so zu beaufsichtigen oder zu halten, dass Dritte durch sie nicht gefährdet werden“, so Zoller-Frischauf.

Begeistert von diesem Maßnahmenplan zeigt sich der Kitzbüheler Hundetrainer Christian Schlatter: „Schulung vor dem Hundekauf finde ich super, Sachkundenachweis auch, vielleicht wäre eine Unterstützung von Ersthundebesitzern bei der Erziehung im ersten Lebensjahr noch eine sinnvolle Ergänzung.“ Der Hundetrainer spricht sich auch noch für eine Überprüfung des Mensch-Hunde-Teams nach einem Jahr aus, wie z.B. die Begleithundeprüfung oder die neue Prüfung von dogaudit (www.dogaudit.at/pruefungsordnungen). Für Schlatter wäre es auch denkbar, einen Wesenstest einzuführen.

Tirolweite Regelung bei Leine und Maulkorb

Bestimmte Bereiche, in denen Leinenzwang und/oder Maulkorbpflicht gelten, sollen im Landespolizeigesetz definiert werden und für alle Gemeinden Tirols gelten. LRin Zoller-Frischauf: „An öffentlichen Orten und sensiblen Einrichtungen, etwa in Verkehrsmitteln, im Bereich von Kinderspielplätzen, Schulen und bei Veranstaltungen, sollen Hunde an der Leine beziehungsweise auch ergänzend mit Maulkorb geführt werden.“ Weitere Bereiche können nach Bedarf von der jeweiligen Gemeinde per Verordnung ausgewiesen werden.

„Die Leinenpflicht an bestimmten Orten gibt es ja schon, die Maulkorbpflicht finde ich personlich nicht wirklich notwendig“, sagt Hundetrainer Christian Schlatter, denn seiner Ansicht nach wird diese Maßnahme die verantwortungslosen Hundehalter auch nicht zur Vernunft bringen. „Wichtig ist, dass jetzt endlich was gemacht wird, allerdings sollte dies in ganz Österreich einheitlich sein, damit es auch wirklich Sinn macht“, zieht Schlatter Bilanz über die geplanten Maßnahmen.

Informationsbroschüre des Landes

Das Land Tirol wird die bereits bestehende Broschüre „Damit dein Hund allen Freude macht“ neu auflegen. Darin werden unter anderem die Pflichten von Hundehaltern sowie Ratschläge für die Vorbereitung auf einen Hundekauf, zum richtigen Verhalten bei Vorfällen und Unfällen, zum Thema Hunde und Kinder und der Hundeausbildung aufgelistet.

Skepsis gegenüber Modell „Listenhunde“

Das Modell der „Listenhunde“ sieht LRin Zoller-Frischauf kritisch: „Die meisten Bisse erfolgen laut Statistik von Hunderassen, die nicht auf solchen Listen stehen. Der erwünschte Sicherheitszuwachs tritt durch Rasselisten nicht ein, entsprechende Verordnungen wurden in europäischen Städten reihenweise zurückgenommen. Es besteht auch die Gefahr, dass neue Rassen gezüchtet werden oder auf Rassen mit ähnlichen Eigenschaften ausgewichen wird, um die Listen zu umgehen. ‚Listenhunde‘ sind daher wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen. Da sind sich alle Hundeexperten einig.“

Keine einheitliche Ausbildung von Hundetrainern

„In Tirol gibt es keine einheitliche, klare Ausbildung für Hundetrainer, vielmehr sieht es in unserem Land nach einem Fleckerlteppich aus!“, weiß die Tierschutzsprecherin der neuen SPÖ Tirol, LAbg. Claudia Hagsteiner, die selbst Hundebesitzerin ist, nur zu gut. Der Vorschlag „Sachkundenachweis“ gehe aber in die richtige Richtung.

Die neue SPÖ Tirol verfolgt unterdessen ein Anreizmodell für einen „freiwilligen Hunde-Führschein“. „Nur wer viel Zeit mit seinem Hund verbringt und eine gute Ausbildung absolviert, kann den eigenen Hund auch dementsprechend gut führen. Das Problem mit dem Hund ist immer am anderen Ende der Leine zu suchen!“, betont Hagsteiner abschließend.
Elisabeth M. Pöll

 
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