17.11.2019
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Klimaschutz ist auch im Abwasser

Die Abwasserreinigung ist das zentrale Thema beim Kitzbüheler Wassersymposium – heuer wurde auch viel über den Klimaschutz gesprochen, denn in einer Kläranlage kann sehr viel CO2 gebunden werden.

Kitzbühel | „Wir reden immer davon, dass wir die Klimaseite in den Griff bekommen und die Temperaturerwärmung regulieren können – das ist vorbei. Das haben wir verschlafen“, lautet die düster wirkende Ansage von Professor Norbert Dichtl von der TU Braunschweig beim neunten Kitzbüheler Wassersymposium im Rasmushof. „Die Menschheit hat zwar das Ozonloch mit dem FCKW-Verbot gut in den Griff bekommen, aber die Erderwärmung wird deutlich über drei, vier Grad hinausgehen und wir müssen uns jetzt damit beschäftigen diese zu beherrschen, um vernünftig weiterleben zu können“, so Dichtl weiter. Für ihn macht es Sinn die CO2-Emissionen zu minimieren, jeder in seinem Bereich, jedoch mit einem vernünftigen Maß. Laut Professor Dichtl kommen nur 20 Prozent des CO2-Ausstoßes vom Verkehr und daher ist die Diskussion um die E-Mobilität für ihn Quatsch. „Ein E-Auto braucht für 100 Kilometer 15 Liter Wasser, das vor allem für die Herstellung der Batterien aufgewendet wird“, sagt Dichtl und verweist auf die Ausbeutungen, die in Südamerika und Afrika für die Gewinnung der Batterie-Rohstoffe geschehen. CO2-Emissionen reduzieren, aber mit Maß, lautet sein Credo.

Rückstände bringen Herausforderung
Eine Herausforderung für die Zukunft sieht der Experte der TU Braunschweig, Professor Norbert Dichtl für die Kläranlagen in den  Rückständen von Medikamenten oder Chemikalien, die die Anlagen immer noch verlassen. Aber auch multiresistente Bakterien oder deren DNA verlässt diese noch. „Hier gibt es noch keine endgültige Lösung“, sagt Dichtl.
Mit einer Neuentwicklung von VTA, die Dichtl in seinem Vortrag erklärte, kann der Klärschlamm leichter und besser eingedickt bzw. entwässert werden. Der positive Effekt: Der Transport reduziert sich und die Aufwendungen, um den Schlamm loszuwerden, werden vermindert – mit dem Effekt, dass weniger CO2 ausgestoßen wird, da weniger Energie benötigt wird. So kann zum Beispiel allein bei der Kläranlage Kitzbühel der jährliche Co2-Ausstoß um bis zu 370 Tonnen vermindert werden. Nicht weniger als 32.000 Laubbäume wären nötig, um diese Menge des Treibhausgases zu binden.

Ein gehyptes Thema: Mikroplastik
Waschmaschinen haben kein Flusensieb mehr, daher gelangen Flusen und auch Mikroplastik in die Kläranlagen. Hier ist aber für die Stoffe auch schon Endstation, denn in gut funktionierenden Kläranlagen werden sie im Klärschlamm gebunden, erklärt Professor Matthias Barjenbruch von der TU Berlin, der sich mit der Materie Mikroplastik beschäftigt. In Österreich darf der Schlamm nicht auf Äcker ausgebracht werden, daher gelangt Mikroplastik nicht in den Kreislauf. Ganz anders sieht es mit dem Reifenabrieb aus, der auch Mikroplastik produziert. „Wir haben ein Projekt in Berlin am Laufen, bei dem wir an ‚Hot­spots‘ wie Ampeln Autos zählen. Durch das Bremsen und Beschleunigen entsteht ein Reifenabrieb und damit Mikroplastik. Das gleiche passiert in Kurven und ganz stark im Kreisverkehr. Die Straßenreinigung wäre hier sehr effektiv, wenn sie vor einem Regen passieren würde“, erläutert Matthias Barjenbruch.

Mit Energie auch CO2 einsparen
„Bis zu 30 Prozent Energie kann an Kläranlagen eingespart werden“, sagt Ulrich Kubinger, CEO der VTA Gruppe und spricht damit das neue VTA-Produkt „Biolizer“ an. Es erhöht die Sauerstoff-Kontaktfläche in der biologischen Stufe der Kläranlage, verbessert dadurch entscheidende Reinigungsparameter und senkt den Energieverbrauch für die Belüftung um bis zu 30 Prozent. „Diese ist der größte Energieverbraucher einer Kläranlage und für die Hälfte des für den Betrieb anfallenden Energiebedarfs verantwortlich. Durch den reduzierten Energiebedarf wird zusätzlich die Co2-Bilanz verbessert und gleichzeitig können massiv Kosten eingespart werden“, sagt Ulrich Kubinger.

Kitzbühel nutzt VTA-Abwassertechnik
Die Firmengruppe VTA und Kitzbühel verbindet nicht nur das Wassersymposium, das heuer bereits zum neunten Mal stattfand – die Gamsstadt setzt schon seit Jahrzehnten auf die Abwassertechnik von VTA, wie Bürgermeister Klaus Winkler erläuterte. „Wir haben hier in Kitzbühel saisonal bedingt ein großes Spannungsfeld von einer geringen bis zu einer hohen Einwohnerzahl und unsere Kläranlage funktioniert bestens“, sagt Winkler, der sich erfreut darüber zeigt, dass mit dem Wassersymposium in Kitzbühel auch Bildung und Wissen vermittelt wird. Elisabeth M. Pöll

Hochkarätige Referenten beim Kitzbüheler Wassersymposium: Ulrich Kubinger, Herbert Weingartner, Robert Hoßfeld, Norbert Dichtl, Matthias Barjenbruch und Bürgermeister Klaus Winkler (v.l.). Foto: Pöll

 
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