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Tradition braucht auch Verantwortung

Nachdem den Pillerseetaler Schützen ein Teil ihrer Karabiner an der bayerischen Grenze abgenommen wurde, gehen die Wogen zu Recht hoch. Als Schütze und vor allem als Waffenmeister sollte man eigentlich wissen, dass Waffen ordnungsgemäß transportiert werden müssen und bei Fahrten über die Grenze die notwendigen Dokumente mitzuführen sind. Die Kosten sind nun hoch, der Aufwand enorm – dieser Fehler wird den Schützen wohl kein zweites Mal passieren.
Viele der verwendeten historischen Karabiner tragen Beschuss- und Abnahmestempel aus der NS-Zeit. Das ist wenig überraschend, schließlich war die Waffenbeschaffung bei der Wiedergründung der Schützenkompanien eine Mammutaufgabe. Dass dabei der eine oder andere überlassene Karabiner nicht ganz genau unter die Lupe genommen wurde, mag passiert sein – hätte es aber eigentlich nicht dürfen. Es wäre Aufgabe der Verantwortlichen gewesen, die Waffen zu kontrollieren und problematische Kennzeichnungen entsprechend zu behandeln.
Dass die Hakenkreuze über kurz oder lang auffallen würden, war absehbar. Bemerkenswert ist, wie der Bund der Tiroler Schützenkompanien nun reagiert. Statt den Vorfall kleinzureden, werden klare Standards und eine stärkere Sensibilisierung beim Umgang mit historischen Waffen angekündigt. Das ist der richtige Weg.
Denn niemand kann von einem historischen Gegenstand verlangen, dass er seine Vergangenheit abstreift. Sehr wohl kann man aber von jenen, die ihn heute verwenden, einen bewussten, achtsamen und verantwortungsvollen Umgang damit erwarten.