18.04.2020
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Wunsch nach Planbarkeit in Gastronomie und Hotellerie

Nach dem Shutdown der Wirtschaft Mitte März wird diese jetzt in Österreich etappenweise wieder hochgefahren. Dabei werden die Tourismusbranche und Gastronomie unter den letzten sein. Diese zählen zu den schwerst betroffenen Branchen. Dem bevorstehenden Sommer blicken die heimischen Wirte und Hoteliers aber positiv entgegen. Jedoch müssen die richtigen Voraussetzungen geschaffen werden.

Bezirk | Die Coronavirus-Krise hat den Tourismus schwer getroffen und auch die Aussichten sind alles andere als rosig. Der Neustart wird durch eingeschränkte Reisefreiheit, Reisewarnungen, Einkommensverluste bei den Gästen und eine insgesamt schwierige Wirtschaftslage erschwert.
„Der österreichische Sommertourismus wird Einbrüche von bis zu 60 Prozent bei den Nächtigungen erleben“, sagt Dr. Klaus Ennemoser. „Unser Beratungsunternehmen hat eine differenzierte Prognose erstellt und die Nächtigungsrückgänge nach Herkunftsmärkten berechnet“, führt er weiter aus. Auch der Inlandstourismus wird im Sommer 2020 laut unseren Prognosen um bis zu 50 Prozent verlieren, lautet die Prognose von Ennemoser.

Reglementierung abwarten
Grundsätzlich sind Wirte und Hoteliers in unserem Bezirk gegenüber dem Neustart positiv eingestellt, jedoch ist der Wunsch nach klaren Regelungen für die Gastronomie und Hotellerie deutlich zu hören. „Es braucht einen guten Fahrplan für den Neustart. Ich erwarte mir von der Regierung klare Vorgaben, Verhaltensregeln und eine Definition des Handlungsspielraums“, formuliert etwa Hotelier Willi Steindl (Kirchberg) seine Wünsche, mit denen er nicht alleine dasteht. „Wie sieht das Arbeiten in der Küche und an Schnittstellen wie zum Beispiel zwischen Küche und Service aus? Hier wird immer in engem Kontakt gearbeitet“, fragt Rasmushofwirtin Signe Reisch (Kitzbühel). Fragen wirft auch der notwendige Abstand im Gastraum auf.
„Es gehört für den Neustart auch einiges an der Kommunikation angepasst. Derzeit darf man nur aus vier Gründen das Haus verlassen, dazu gehört eben nicht das Essen außer Haus. Ich bin zwar ein Befürworter der strengen Auflagen, damit wir nicht durch die zweite Welle einen weiteren Shutdown erleben, aber für ein Öffnen der Gastronomie braucht es nicht nur genaue Regeln, sondern auch eine neue Kommunikation“, gibt Juppi Koidl vom Restaurant Centro (Kitzbühel) zu bedenken.

Der Wunsch nach Planbarkeit
Auch wenn der Optimismus überwiegt, gibt es Zweifel über einen möglichen Start der Gastronomie und Hotellerie Mitte Mai. „Die Öffnung der Gastronomie und Hotellerie wurde nur angekündigt. Warten wir einmal ab, ob es überhaupt so weit kommt. Aufsperren natürlich ja, aber die wesentliche Frage wird sein, unter welchen Rahmenbedingungen“, äußert Signe Reisch ihre Bedenken und Juppi Koidl sieht es ähnlich: „Wir werden bis Ende April zuwarten und sehen, ob es dann sinnvoll ist, aufzusperren. Für unser Gewerbe ist sicherlich auch die Entwicklung der Fallzahlen entscheidend. Eine Planung für den Betrieb werden wir erst mit der Verkündung des Regierungsbeschlusses machen und uns dann darüber Gedanken machen, in welcher Form wir weiter machen. Das geht von den Öffnungszeiten bis zur Schichteintreilung im Restaurant.“
Zum ersten möglichen Termin wird Josef Lenk vom Cafe Elisabeth in Westendorf seine Pforten nicht öffnen. „Die letzten Sommer waren schon nicht ganz einfach, aber man konnte sich mit dem Winter retten. Heuer haben wir die Reißleine gezogen und unser Apre-Ski-Lokal ‚Gerry Inn‘ aufgrund der Vorfälle in Ischgl, zur Sicherheit unserer Mitarbeiter früher geschlossen. Vor Juni zu öffnen, sehe ich eher als unrealistisch, aber wir bewerten die Situation von Tag zu Tag neu“, gibt Josef Lenk einen Einblick in seine Planungen, denn durch den Ausfall aller Buchungen für Mai sowie die Absage von Großveranstaltungen wie den Cordial Cup bleiben die Gäste aus. „Die Einheimischen sind für einen sinnvollen Betrieb des Cafés zu wenig, aber wir sind positiv und hoffen, dass die Österreicher vermehrt die Berge als Urlaubsregion entdecken“, sagt Lenk.
Normalerweise würde Willi Steindl (Hotel Sonne Kirchberg) Mitte Mai in den Sommer starten. „Der Mai ist tot. Sämtliche Buchungen wurden storniert, aber das trifft den ganzen Bezirk gleich. Dazu fallen Frequenzbringer wie der Cordial Cup weg. Es braucht auch eine gewisse Sicherheit für den Vermieter und den Gast, dass man ohne Gefahr Urlaub machen kann“, sagt Steindl, der erst im Juni mit einer Öffnung rechnet.
„Ein großes Haus braucht auch eine gewisse Grundstruktur, um überhaupt laufen zu können. Es stellt sich auch die unternehmerische Frage, ob man ohne Buchungen einfach aufsperren und zuwarten, oder zuerst die Buchungen abwarten soll“, sagt Rasmushofwirtin Signe Reisch.

Klarheit auch für die Mitarbeiter schaffen
Neben den unternehmerischen Entscheidungen machen sich die Gastronomen und Hoteliers ebenso Gedanken über ihre Mitarbeiter. „Wie schaut es denn für unsere Mitarbeiter aus dem Ausland aus? Müssen die in eine 14-tätige Quarantäne?“, fragt Signe Reisch, denn auch dies würde sich auf die Öffnung ihres Betriebes auswirken. Bereits Verträge hat der Chef vom Hotel Sonne, Willi Steindl, mit seinen Mitarbeitern geschlossen, die nun alle aufgekündigt und neu ausgefertigt werden müssen. „90 Prozent der Hotelbetriebe in unserer Region sind Saisonbetriebe. Die Mitarbeiter werden Ende der Saison abgemeldet, Arbeitsverträge für den Sommer werden teils schon unterschrieben. Doch damit ist das Problem nicht gelöst. Ich würde meine Leute gerne anstellen und zur Überbrückung in die Kurzarbeit schicken, jedoch ist das im Tourismus nicht möglich. Die Mitarbeiter müssen einen Monat lang angemeldet sein, damit man dies machen kann. Hier braucht es eine Lösung. Von mir aus könnte man die Kurzarbeit für Mitarbeiter, die schon zwei oder drei Saisonen im Betrieb gearbeitet haben, ermöglichen“, regt Steindl an, der sich gut um sein „Personal“ kümmert. Während der Zwischensaison können die Mitarbeiter weiter im Personalhaus wohnen und auch die Verpflegung ist sichergestellt.  

Grenzöffnung wäre wichtiger Impuls
In einem sind sich die Vermieter und Wirte einig. Eine Öffnung der Grenze zu Deutschland würde die Situation für den heimischen Tourismus deutlich erleichtern. „Es wäre wünschenswert, wenn die Entscheidung zur Grenzöffnung bis Ende Mai fallen würde“, sagt Josef Lenk. Diese Entscheidung wäre auch für den Familienbetrieb „Gästehaus Gollner“ in Fieberbrunn wichtig, denn wie bei allen anderen Betrieben, gab es auch hier nur Stornierungen und das Anfragetool beim Tourimsusverband ist leer. „Wir arbeiten als Familienbetrieb und haben daher keine Personalsorgen. Auch hier fehlt die Frequenz, die Veranstaltungen wie der Cordial Cup bringen. Die Erwartungen für den Sommer sind gering, jedoch sieht man es als wichtig, dass man in Europa und auch für die Einheimischen ein Zeichen setzt, dass es wieder losgeht und man unbedenklich urlauben kann.

„Österreich-Urlaub“ als Chance
Der österreichische Gast spielt schon seit jeher eine Schlüsselrolle im heimischen Tourismus. Nun will man verstärkt auf diesen setzen. „Die Tirol Werbung und die Tourismusverbände müssen jetzt gute Arbeit leisten, damit wir den österreichischen Gast gewinnen können“, sagt Willi Steindl, der heuer, wie viele andere, auf den Österreicher setzt. „Spätestens im Herbst wird der Urlaub in den Bergen wieder ein Thema und wir werden entsprechende Offensiven starten. Die Sehnsucht nach Urlaub, einem Tapetenwechsel und danach sich verwöhnen zu lassen, ist da sicher vorhanden“, gibt sich Signe Reisch zuversichtlich. Für sie spielt für die Gastronomie auch der Freizeitwohnsitzinhaber eine wichtige Rolle, der die Wirtschaft belebt.
Die Erwartungen für den Sommer sind gering. Die Wirte rechnen mit Umsatzeinbußen von 30 bis 50 Prozent, jedoch lebt die Hoffnung, dass sich die Krise bis zur Wintersaison gelegt hat.  

Trotz allem – positiv in die Zukunft
„Die Sommer der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Strategie von Kitzbühel Tourismus Fahrt aufgenommen hat. Es wird auf Qualität anstelle von Quantität gesetzt. Der Ruf von Kitzbühel ist unbeschadet“, sagt Signe Reisch, Präsidentin von Kitzbühel Tourismus. Ähnlich sieht es Juppi Koidl, der neben dem guten Ruf der Gamsstadt auch die vielen landschaftlichen Vorteile der Region sieht.

Die mögliche Zukunft in den Restaurants
Gedanken über die Zukunft in den Restaurants machte sich Monika Pirchmoser vom Restaurant Zeitlos in Hopfgarten.  „Vielleicht ist die Situation, so schlimm sie auch ist, sogar eine gute Gelegenheit, Strukturen und Abläufe neu zu denken und das Wesentliche vom Unnötigen zu trennen“, sagt Pirchmoser. Dabei kommt ihr ein Revival der Cloches, jener silbernen Hauben, die die Speisen beim Servieren warm hielten, in den Sinn, die nun als Schutz vor Verunreinigungen dienen könnten. Die Wirtin macht sich aber auch Gedanken darüber, ob die Speisekarte in ihrer bisherigen Form in Zukunft noch eine Berechtigung hat. Die altehrwürdigen Ledermappen, vollgestopft mit abgegriffener Speisekartenpappe oder vergilbten Klarsichtfolien, gehören der Vergangenheit an. Unter Nachhaltigkeitsaspekten wäre es eh vorzuziehen, dass Restaurants nur noch ein kleines, saisonales, oft wechselndes Angebot führen, welches auf einem einzelnen Blatt Platz hat. Der Kellner könnte das Tagesmenü am Tisch - mit einem gewissen Abstand zu den Gästen - mündlich erläutern oder einen kleinen Ausflug zum einmaligen Anschauen bereitlegen“, erklärt Monika Pirchmoser.

Die Krise bietet Chancen, gründlich über den Sinn von Hygienemaßnahmen nachzudenken. „Desinfektionsmittel-Spender nicht nur auf den Toiletten, sondern auch am Eingang des Lokals werden sich wohl durchsetzen, auch der Einsatz von Handschuhen beim Eindecken der Tische hat Zukunft“, sagt Pirchmoser.  Ob dagegen Köche beim Braten von Fleisch und beim Rüsten von Gemüse Fingerschutz tragen sollten oder sich nur in regelmäßigen oder zufällig festgelegten Abständen die Hände waschen müssen, ist umstritten. Elisabeth M. Pöll

Seit dem Shutdown am 15. März sind alle Gastronomiebetriebe geschlossen. Ein Neustart Mitte Mai wurde angekündigt. Foto: Rasmushof

 
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