10.01.2020
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Wirbelwind und Temperamentbündel

Wenn man eine ganz überzeugte Kitzbühelerin sucht, stößt man auf sie.

Kitzbühel | Die Welt des kränkelnden, aber aufgeweckten Mädchens in der Nachkriegszeit und der jungen Verkäuferin war das „Stadtl“, das Platzkonzert und die „Große“ im Turm der Frauenkirche blieben vertraute Begleiter, der geliebte Wilde Kaiser begrenzt zwar die Aussicht, aber nicht den Horizont der begeisterten Kitzbühelerin Waltraud Schwanninger, geb. Planer. Der Vater Carl Planer, Kaufmann und begabter Musiker, erkannte und förderte die musikalische Ausbildung sehr früh, bestimmte das dritte Kind der Familie aber für die Lehre in der Feinkostabteilung. 1962 war das Planer-Dirndl Siegerin bei den Landeslehrlingswettbewerben der Handelskammer und der Arbeiterkammer und die erfolgreichste Berufsschülerin Tirols.

Festlegung auf den Lebenswohnsitz
Die Festlegung des eigenwilligen Mädchens, in Kitzbühel zu bleiben, verhinderte von vornherein eine durchaus mögliche Laufbahn etwa als Korrepetitorin.
Großvater Engelbert Auckenthaler, der Bezirks- und Landesschulinspektor gewesen und ein anerkannter Ahnenforscher war, förderte die Liebe zu Blumen.  Bei verschiedenen Festen trug das Mädchen Gedichte vor. Später förderte Weihbischof Johannes Filzer, auch ein begeisterter „Stadtler“, das fröhliche und unbekümmerte Mädchen, das bald auch in der Musikschule Erfolg hatte.

Die Familie ist ein Traum
Erfüllung fand sie in der mit dem Hauptschullehrer Robert Schwanninger geschlossenen Lebenspartnerschaft, der drei Kinder und drei Schwiegerkinder und vier Enkel geschenkt wurden, und in der Betreuung der Schwiegereltern, bei denen  sie viel für das Leben gelernt hat. Gemeinsam betrieb die Familie lang den Erweiterungsbau des Hauses in der Schattberg-siedlung, was ihr die Bezeichnung Schattberg-Ewigbau GmbH eintrug, aber zu einem gediegenen Familiensitz führte. Robert Schwanninger ist 2016 nach langem Leiden verstorben.

Wallfahrt zum „Brotvater“
Viel Energie verwendet Waltraud Schwanninger  für die ungewöhnliche Wallfahrt zum „Brotvater“ am Schattberg. Die Kapuzinerpatres Erwin und Alfred hatten sie begründet und Waltraud und ihre Familie waren von Anfang an dabei. Nach der Abberufung der Patres engagierte sie sich mit der Familie für die Erhaltung der kleinen Wallfahrtsstätte unterhalb der Einsiedelei. Im Marienmonat Mai finden sich immer noch viele „Kurzpilger“ ein und die Organisatorin freut sich über Zuspruch und Unterstützung. Die Familie war mit dem Kapuzinerkloster auch durch die Mitgestaltung von Familiengottesdiensten im Weihnachtsfestkreis eng verbunden.

Begeisterte und treue Chorsängerin
Die Freude am Singen führte Waltraud Planer im Jahr 1963 zum Kolpingchor und zum Kirchenchor, in dessen Orchester der Vater und der Bruder ebenfalls über Jahrzehnte mitwirkten. Dem Chor gehört sie seither ununterbrochen – ausgenommen die Babypausen – an, 16 Jahre als Solistin ohne einen Terminausfall. Für die Chorgemeinschaft organisierte sie zehn Ausflüge und zahlreiche kameradschaftliche Zusammenkünfte.

Heimatbühne und Stadtmusik
In der Heimatbühne spielte sie die jugendliche Liebhaberin, auch an der Seite des Gatten, der sich als Spielleiter einen Namen machte. Durch 25 Jahre verwaltete Waltraud Schwanninger die Kassa der Bühne und wirkte als Garderobiere.
Die enge Verbundenheit der Familien Planer – zeitweise in drei Generationen – und Schwanninger mit der Stadtmusik –  Sohn Michael ist derzeit Obmann – nutzt die gelernte Verkäuferin. Sie ist seit 1981 das immer einsatzbereite „Verkaufsgenie“ von Tonträgern bei Platzkonzerten. Ebenso sorgt sie – lange gemeinsam mit dem Gatten – für die ungewöhnliche Zahl von Glückstopfspenden beim Jahrmarkt der Stadtmusik.
Als Leitlinien ihres Lebens sieht sie rückblickend Fröhlichkeit, Demut, Dankbarkeit und Zufriedenheit. Ein besonderes Merkmal der sozial engagierten Frau ist ihr Einsatz für Schwächere. Bei Notwendigkeit schonen ihr klares, offenes Wort und ihr Einsatz für einen Gedemütigten oder zu Unrecht Benachteiligten auch einen hohen Herrn nicht.
Diese ungewöhnliche, jung gebliebene Frau möge noch lange gesund und aktiv sein. H.W.

Waltraud Schwanninger, noch immer ein Temperamentbündel.

 
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