20.01.2021
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„Wir überlassen nichts dem Zufall!“

Ohne sie läuft bei den 81. Hahnenkammrennen nichts: Lisa-Maria Hagsteiner wacht als Covid-19-Beauftragte des Kitzbüheler Ski Clubs streng über die Umsetzung und Einhaltung aller Schutz- und Sicherheitsbestimmungen.

Auf Euphorie folgte Enttäuschung, dann das bange Warten auf die Entscheidung von Behörden und FIS. Wie geht es Ihnen jetzt?
Es stimmt, dieses Hin und Her ist enorm fordernd. Die Verlegung der beiden Slaloms war keine auf Daten und Fakten basierende Entscheidung. Sie ist nicht von uns ausgegangen, aber wir haben sie natürlich respektiert. Die Infektionszahlen in Flachau bzw. im Pongau waren höher als die in Kitzbühel.

Als Covid-Beauftragte haben Sie eine Schlüsselposition. Sie haben das Sicherheitskonzept mitentwickelt, Sie sind kompetente Ansprechperson für Veranstalter und Behörden. Worauf beruhen Ihre Erfahrungen?
Ich war beim Thiems 7 sowie beim Generali Open 2020 Covid-Beauftragte und im Herbst beim Stadthallenturnier in Wien. Hier konnte ich weitere wertvolle Erfahrungen sammeln, weil es sich um eine Indoor-Veranstaltung handelt. Alle diese Erkenntnisse fließen in das Sicherheitskonzept ein, das wir seit September entwickelt und in Absprache mit den Behörden laufend aktualisiert haben.

Schildern Sie uns das Präventionskonzept in groben Zügen?
Es erfasst sehr detailliert alle HKR-Bereiche, von den Mitarbeitern auf der Piste, im Pressezentrum und im Rennbüro über die Medien bis hin zu den Athleten sowie den Mannschaftsquartieren. Die Umsetzung und Einhaltung aller Schutzbestimmungen wird von uns streng überwacht.  

Wie wird das in der Praxis umgesetzt?
Jeder der 400 Mitarbeiter wird seit drei Wochen regelmäßig, also jeden vierten Tag, getestet. Die Zahl der Akkreditierungen wurde stark eingeschränkt; sie werden nur dann ausgegeben, wenn ein negativer Corona-Test vorliegt, der nicht älter als 48 Stunden ist. Das wird genau kontrolliert. Athleten und Betreuer, aber auch Mitarbeiter bilden eigene, voneinander unabhängige Bubbles. Das bedeutet konkret: Unsere Mitarbeiter arbeiten in fixen Vierer-Teams, auf der Piste und in geschlossenen Räumen. Sie gehen täglich zur selben Zeit am selben Ort essen. Alles wird genau protokolliert, alles ist genau nachvollziehbar.

Was bedeutet dies für die Medienleute im KitzKongress?  
Das Pressezentrum ist streng abgeriegelt. Für 90 akkreditierte  Journalisten wurden nummerierte Schreibplätze eingerichtet, zum Essen hat jeder seinen zugewiesenen Sitzplatz. Auch hier wird genau Protokoll geführt. Es wird nichts dem Zufall überlassen. Im K3 sind eine Antigen- und PCR-Teststation sowie Isolationsräume eingerichtet. Das Tragen der FFP2-Maske ist für alle Pflicht.

Ist dieses Hahnenkammrennen ein Grenzgang?
Der Druck ist hoch, die Anspannung enorm. Wir wollen unbedingt beweisen, dass das Hahnenkammrennen machbar ist. Das erfordert von allen Beteiligten höchste Disziplin, Achtsamkeit und Professionalität. Ein Restrisiko bleibt immer bestehen, aber es ist geringer als im alltäglichen Leben. Das Gespräch führte Alexandra Fusser

Bild: Lisa-Maria Hagsteiner koordiniert die Corona-Schutzmaßnahmen für Athleten, Funktionäre, Mitarbeiter und  Medien. Foto: KSC/Florian Obermoser

Hintergrund - Kitzbühel gibt nicht klein bei
Die rasanteste Berg- und Talfahrt in seiner gesamten Geschichte musste und muss das 81. Hahnenkammrennen wohl dieser Tage erleben. Es war und ist ein wahrer Corona-Krimi, der sich schon im Vorfeld rund um die Streif abspielte und die Verantwortlichen vermutlich auch während der Rennwoche dauerhaft in Atem halten wird.  
Der KSC hat schon unter widrigsten Bedingungen immer wieder bewiesen, dass er die Organisation, die Abwicklung und die Pistenpräparierung im Griff hat und mit vereinten Kräften bisweilen sogar den Wetterkapriolen trotzen konnte.

Im internationalen Skizirkus ist Kitzbühel ob seiner Improvisationskunst immer wieder für Überraschungen gut. Wir erinnern uns an 1990, als zur Rettung der Kitz-Kiri-Abfahrt kurzerhand zwei Speed-Durchgänge aus der Taufe gehoben wurden. 2007 ging in die HKR-Geschichte ein, als das Orkantief Kyrill nach tagelangen Transportflügen mit Glockner-Schnee über Nacht die Speed-Strecken zerstörte und letztendlich zwei Slaloms bei dichtem Schneetreiben zur Austragung kamen. Wegen des hartnäckigen Nebels wurde 2015 das kürzeste Abfahrtsrennen der Skigeschichte gestartet - oberhalb der Seidlalm und mit Riesenverspätung. Allesamt Herausforderungen, die der Veranstalter trotz aller Schwierigkeiten routiniert und  erfolgreich bewältigte.  
Bei drei Speed-Rennen an drei Tagen liegt die Latte für den Veranstalter ohnehin hoch, verschärft wird dies durch das Virus, dem man mit höchstmöglicher Disziplin und Professionalität zu begegnen versucht. Als Garant für außergewöhnliche Rennen in außergewöhnlichen Situationen. Alexandra Fusser

 
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