16.04.2020
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Wie geht es im Tourismus weiter?

Wie entwickelt sich der Tourismus in den kommenden Monaten? Für viele – und nicht nur Mitglieder der Branche – ist das eine Frage der Existenz. Im Auftrag des Ministeriums sowie des Fachverbands Hotellerie und Gastronomie erstellte das Tourismusberatungsunternehmen Prodinger einige mögliche Szenarien. Die gute Nachricht: Es gibt Spielraum für einen Hoffnungsschimmer.

Bezirk, Kitzbühel | „Dieser liegt darin begründet, dass der gut funktionierende heimische Tourismus sich von Krisen oft sehr rasch erholt hat. Auch werden sich viele Beherbergungsbetriebe in einer solchen Ausnahmesituation vorerst auf den Heim- und Nahmarkt konzentrieren“, heißt es in dem Papier. Das heißt auch: jene Destinationen, die beim österreichischen Gast stark positioniert sind, könnten dadurch weniger Einbußen beklagen müssen als international ausgerichtete. Auf Nachfrage des Kitzbüheler Anzeigers unterstreicht auch Thomas Reisenzahn (Prodinger) nochmals: „Was man auf jeden Fall positiv anmerken kann ist, dass die Region Kitzbühel auch einen starken Binnentourismus hat – insbesondere im Sommer. Das ist der erste Zweig, der ab Mai wieder ins Laufen kommt. Auf den sollten sich auch die Beherbungsbetriebe im Marketing konzentrieren – so lautet unsere Empfehlung. Der nächste Bereich, der langsam aufgehen wird, ist der grenznahe Tourismus und hier vor allem Deutschland.“ Reisenzahn unterstreicht nochmals das enorme Potenzial, das im heimischen Markt steckt:  „Derzeit planen 55 Prozent der Österreicher, im Inland zu bleiben. Da haben wir eine entsprechende Studie dazu vorliegen. Weitere 40 Prozent sind noch unentschlossen.“ Ein Potenzial also, das sich nutzen und gezielt ansprechen lässt.

Massive Einbußen in der Wintersaison
Der aktuelle Ist-Stand ist aber dennoch erschütternd: Nach Expertenschätzungen müssen die Hoteliers einen österreichweiten Auslastungsrückgang von 30 Prozent im März und von 85 Prozent im April verkraften. In der Folge kommt es, je nach angenommenem Szenario, zu einem Preisverfall von 12 bis 18 Prozent in den Sommermonaten dieses Jahres. Die zusätzlichen Maßnahmen gegen das Coronavirus drückten zusätzlich mit voller Härte auf die Nächtigungsentwicklung. Konkret in Zahlen gegossen bedeutet das: „Das von Prodinger vorgelegte Szenario berechnet für das gesamte Winterhalbjahr 2019/20 (1. November bis 30. April) einen Nächtigungsrückgang von 14,1 Prozent (von 72,2 auf 61,5 Millionen). Die Umsätze dürften in diesem Winter laut Hochrechnung mit 4,6 Milliarden Euro sogar um 14,7 Prozent hinter dem Niveau des Vergleichszeitraumes (5,5 Mrd. Euro von November 2018 bis April 2019) zurückbleiben. Die Gastronomieverluste im touristischen Winterhalbjahr 2019/20 erreichen 16,5 Prozent.“

Drei Szenarien für den Sommer
Für die vor uns liegenden Sommermonate berechnete das Beratungsunternehmen drei mögliche Szenarien – vom „besten“ bis zum „schlechtesten“ Fall. Szenario 1, der „Best Case“, geht davon aus, dass die Reisetätigkeit ab Mitte Mai wieder zögerlich anläuft – zumindest was den Inlandstourismus betrifft. In diesem Fall prognostiziert Prodinger für den Sommer einen Nächtigungsrückgang von 34,4 Prozent. Die Umsatzeinbußen lägen nach dieser Annahme in Summe bei 2,2 Milliarden Euro, das entspricht einem Minus von 42,2 Prozent.
Die anderen beiden Modelle beruhen dagegen auf der Annahme, dass die absolute Krisenlage noch bis Sommer, das heißt Juli bzw. August, weiter durchschlägt. Beim zweiten Szenario („Bad Case“) erhöht sich das Minus bei den Nächtigungen auf 44,7 und in Szenario 3 („Worst Case“) auf 54,8 Prozent. Bei den erwartbaren Umsatzeinbußen lauten die beiden schlechteren Szenario-Voraussagen minus 2,8 und minus 3,3 Milliarden Euro, respektive minus 53 und minus 62,8 Prozent.
„Bezogen auf das gesamte Tourismusjahr 2019/2020 (November bis Oktober) wird ein Rückgang der Gästenächtigungen um 24,6 Prozent (Szenario 1) bzw. um 30 Prozent (Szenario 2) und 35,2 Prozent (Szenario 3) für wahrscheinlich gehalten. Die damit korrespondierenden Umsatzprognosen lauten minus 3, minus 3,6 und minus 4,1 Milliarden Euro“, resümiert Prodinger für den Tourismusstandort Österreich.

Für die Gastronomie geht  das Beratungsunternehmen vom „Best Case“-Szenario aus und einem vorsichtigen Neustart ab Mitte Mai, der hauptsächlich vom Mittagsgeschäft getragen wird. „In den folgenden Monaten erholt sich die Gastronomie nach und nach“, heißt es in dem Papier, und: „Auf die ganze Gastronomiebranche hochgerechnet kann man von Umsatzverlusten in der Höhe von rund 3,3 Milliarden Euro (-28,8 Prozent) im Vergleich zu 2019 ausgehen.“ Elisabeth Galehr

Ein langer und steiniger Weg steht der Branche bevor. Es lohnt sich, auf den österreichischen Gast zu setzen. Symbolfoto: Kitzbüheler Alpen/Felsch

 
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