09.04.2020
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Wie geht es den Theatergruppen?

Wie das Theaterjahr im Bezirk ausschauen wird, kann derzeit noch niemand sagen. Viele Bühnen hoffen, dass sie im Sommer oder spätestens im Herbst spielen dürfen. Der Bezirksobmann der Tiroler Bühnen, Josef Faistenauer, im Interview.

Auch die Dorfbühne Itter musste die Premiere für „Der verliebte Großvater“ aufgrund der Corona-Maßnahmen absagen. Wie geht ihr mit der Situation um?
Wir standen kurz vor der Generalprobe. Wir haben das mit dem Coronavirus zwar mitverfolgt, aber nie geglaubt, dass es uns so treffen wird. Zunächst waren wir noch zuversichtlich und haben die Premiere sowie die ersten Termine abgesagt. Wir hatten gehofft, im April spielen zu dürfen. Ja, und dann ist alles anders gekommen. Bemerkenswert war, dass wir weiterhin Reservierungen für die April-Termine hereinbekommen haben - die Leute haben also wie wir gehofft, dass der Ausnahmezustand nicht lange dauert.
Grundsätzlich muss ich aber betonen, dass ob und wann wir spielen dürfen nebensächlich ist. Jetzt geht es um wichtigere Dinge.

Wie viel Arbeit steckt dahinter, bis man ein Stück auf die Bühne bringt?
Wir haben Anfang Jänner mit der Arbeit an dem Stück begonnen. 20 bis 25 Proben braucht man. Dann müssen die Aufführungen auch noch beworben werden – Plakate, Fotos etc. gemacht werden. Es steckt schon viel Aufwand dahinter. Man muss bedenken, dass sich bei den Heimatbühnen jeder ehrenamtlich engagiert. Bei uns in Itter arbeiten rund 30 Personen an einem Stück mit.

Sie sind auch Bezirks-Obmann des Theaterverbandes, wie ist die Stimmung bei den Bühnen?
Einige Bühnen mussten Aufführungen absagen. Schwierig ist vor allem die Unsicherheit. Wann wird es wieder Richtung Normalität gehen? Die Bühnen, welche im Sommer immer spielen, können auch nicht mit der Arbeit an einem neuen Stück beginnen und so schnell schüttelt man keine Aufführung aus den Ärmeln.
Wie das Theaterjahr im Bezirk ausschauen wird, kann noch niemand sagen.

Bedeuten die ausgefallenen Vorstellungen eine finanzielle Belastung für die kleinen Bühnen?
Die Bühnen im Bezirk stehen eigentlich alle auf soliden finanziellen Beinen. Ich glaube, die schaffen das. Herausfordernd könnte es lediglich, je nachdem wie sich die Lage nun entwickelt, für die Bühne in Hopfgarten werden, die eine Freiluft-Inszenierung machen möchte – das ist ein Großprojekt.

Die Dorfbühne Itter möchte das Stück nun im Herbst auf die Bühne bringen – muss man dann mit den Proben wieder bei Null anfangen?
Wir hoffen, dass wir im Herbst spielen können und hätten den Oktober ins Auge gefasst. Dadurch, dass wir mit dem Stück schon vor der Generalprobe standen, müssen die Darsteller nicht wieder von Neuem anfangen. Es wird vier oder fünf Proben zur Auffrischung brauchen - dann sind wir bereit.

Viele merken erst jetzt, wie sehr Kunst und Kultur fehlt. Könnte diese Krise auch eine Chance für die Kulturszene sein?
Ja, das könnte schon sein. Wir alle vermissen die sozialen Kontakte. Ich glaube, dass Vereine und die heimische Kulturszene in Zukunft eine ganz andere Wertigkeit erfahren werden.
Die Leute werden es schätzen, wenn man wieder ins Theater gehen kann. Beim Theater ist es ja auch oft so, dass man neben jemandem sitzt, den man eigentlich nicht kennt und dann ergibt sich daraus ein nettes Gespräch. Kultur verbindet einfach.

Auf was freuen Sie sich persönlich  am meisten, wenn wir diese Krise überstanden haben?
Ich freue mich auf das Zusammensein mit der Familie. Ich vermisse meine Enkel. Wir telefonieren zwar, aber das ist nicht dasselbe.
Auch die Gespräche mit Nachbarn, der kurze freundliche Ratscher mit einem Fremden beim Einkaufen oder einfach, dass man sich irgendwo gemütlich auf ein Glaserl trifft,  gehen mir ab.
Es ist schon eine komische Situation, aber wir müssen es nehmen, wie es ist. Und das Wichtigste: Es wird auch wieder anders werden. Johanna Monitzer

Der Bezirksobmann der Tiroler Bühnen und Obmann der Dorfbühne Itter, Josef Faistenauer, freut sich mit seiner Truppe auf eine Spielsaison im Herbst. Im Bild (vorne v.li.): Martina Faistenauer,  Sabrina Czappek,  Andrea Paratscher, Sepp Kahn,  Maria Oberhofer; (hinten. vli.):   Thomas Kahn,  Thomas Thaler,  Stefanie Erharter,  Joe Hechenblaickner,  Barbara Ager und Josef Faistenauer. Foto: Dorfbühne Itter

 
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