27.02.2017
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Wie gefährlich sind Kunstrasen?

Der Fußballverband gibt Entwarnung. Die Entsorgung des Räumschnees der Kunstrasenplätze gehört in Kitzbühel jedoch überdacht.

Kitzbühel | Die Wogen im Kitzbüheler Gemeinderat gingen letzte Woche hoch, als Rudi Widmoser (Grüne) die Mandatare von einem Mail besorgter Anrainer bezüglich des Kunstrasens am Sportplatz in der Langau informierte. FPÖ-GR Alexander Gamper forderte sogar dazu auf, den Platz vorübergehend sperren zu lassen. In dem Mail, das auch dem Kitzbüheler Anzeiger vorliegt, äußern Bürger ihre Angst über krebserregende Stoffe, die in dem Kunstrasengranulat  enthalten sein könnten. Kinder, die auf dem Platz Fußball spielen, könnten so in Gefahr kommen.

Die Diskussion ist nicht neu

Die Bedenken sind nicht neu. Das Internet ist voll mit Berichterstattung, dass das Granulat, welches auf die Kunstrasen gestreut wird, krebserregend sein könnte. Auf bundespolitischer Ebene stellte der steirische FPÖ-Nationalratsabgeordnete Josef A. Riemer bereits 2014 eine Anfrage an das Bundesministerium für Gesundheit betreffend einer möglichen gesundheitlicher Gefährdungen.

Besagtes Granulat wird aus Altreifen gewonnen und wird auf den Kunstrasen aufgebracht, damit dieser ähnliche (teils sogar bessere) Spieleigenschaften aufweist, wie ein natürlicher Rasen. „Kunstrasenplätze unterliegen strengen Kontrollen und sind zertifiziert. Man braucht keine Bedenken zu haben“, erklärt der Kitzbüheler Fußballclub-Präsident Kurt Fritzenwanger. Er und der Tiroler Fußballverband (TFV) beziehen sich auf das jüngste Gutachten aus der Schweiz. Darin kommt das Bundesamt für Gesundheit zur Schlussfolgerung, dass kein Gesundheitsrisiko besteht. „Es stimmt, dass in Holland Kunstrasenplätze gesperrt wurden, das hat aber damit zu tun, dass dort oft in Hallen auf Kunstrasen trainieren wird und eine entsprechende Belüftung fehlte“, so Fritzenwanger.

Zu einem hohen Standard verpflichtet

Durch die FIFA-Kriterien sind Kunstrasenplätze zu einem hohen Standard verpflichtet. Der TFV ist für die Abnahme zuständig. „Die Gesundheit unserer Sportler ist uns ein großses Anliegen. Dementsprechend beobachten wir aufmerksam die Diskussionen, fordern bestmögliche Rahmenbedingungen ein und reagieren bei entsprechenden Entwicklungen“, erklärt TFV Präsident Sepp Geisler gegenüber dem Kitzbüheler Anzeiger.

„Keine unnötige Verunsicherung“

Fußballclubpräsident Kurt Fritzenwanger möchte nicht, dass eine Hysterie ausbricht. „Im ganzen Land wird auf diesen Plätzen trainiert und gespielt“, betont Fritzenwanger. In das selbe Horn stößt GR Andrea Watzl (VP), Obfrau des Ausschusses für Gesundheit, Familie und Spielplätze. „Ich möchte keine unnötige Verunsicherung in der Bevölkerung. Die Zertifikate überschreiten keinerlei Grenzwerte“, erklärt Watzl. Neben dem Gesundheits-Ausschuss wird sich im Gemeinderat der Ausschuss für Umwelt sowie für Sport mit der Thematik befassen. Im Umweltausschuss will man sich vor allem mit Alternativen zum Gummi-Granulat auseinandersetzen, wie Obmann Rudi Widmoser (Grüne) mitteilt.

BH prüft Entsorgung des Räumschnees

Seit Jänner trainiert die Kitzbüheler Kampfmannschaft bereits wieder auf dem Kunstrasen – was ein anderes Problem aufwirft: Die Entsorgung des Räumschnees. Die Bilder der besorgten Anrainer zeigen das Granulat auf dem Räumschnee nahe an der vorbeifließenden Ache. Dem Referat für Umwelt bei der Bezirkshauptmannschaft Kitzbühel ist das Problem bekannt. „Wir sind dabei zu prüfen, ob es gefährlich sein könnte, wenn das Granulat in die Ache gelangt“, informiert Referatsleiterin Elisabeth Obermoser. Die Behörde steht im engen Kontakt mit der Gemeinde und wartet auf das Gutachten der Sachverständigen.

Auf das Problem, dass Granulat bei der Schneeentsorgung in die Ache gelangen könnte,  ist auch der Fußballclub aufmerksam geworden. „Ich habe schon mit der Stadtgemeinde Kontakt aufgenommen, dass wir hier eine Lösung finden müssen“, so Fritzenwanger.

Neben dem FC Kitzbühel wird der Kunstrasenplatz auch von den umliegenden Clubs gerne genutzt, um sich auf die bevorstehende Saison vorzubereiten.
Johanna Monitzer

Daten & Fakten - Kein Risiko für die Gesundheit

Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit kommt in dem Gutachten vom November 2016 zur Schlussfolgerung, dass kein Gesundheitsrisiko auf Kunstrasenplätzen besteht.

Darin heißt es (Auszug): Eine Evaluation der wissenschaftlichen Studien, die in Europa und den USA zwischen 2004 und 2015 durchgeführt wurden, lässt den Schluss zu, dass Kunstrasen mit Gummigranulat aus Altreifen kein spezielles Risiko für die Gesundheit von Sportlern und Publikum darstellen. In Innenräumen ist eine angemessene Belüftung unabhängig vom verwendeten Belag wichtig, damit die Konzentrationen von Feinstaub und flüchtigen organischen Verbindungen unter den Referenzwerten bleiben. Quelle: Bundesamt für Gesundheit, Schweiz

Bild: Das Granulat, welches auf den Kunstrasenplatz in der Langau aufgebracht wird, sorgt für Diskussionen. Ein Schweizer Gutachten kommt zum Schluss, dass keine Gefährdung besteht. Das Granulat könnte aber in die Ache gelangen. Foto: Privat

 
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